Erstellt am 04. November 2015, 05:12

von Sandra Frank, Christoph Reiterer und Karin Widhalm

Nordwestbahn: 255.000 Euro für die Abendlücke. Retz und Wullersdorf bekennen sich zu Zusatzangebot. "Nicht Aufgabe der Gemeinde", sagen andere.

Das ÖBB-Angebot im Pendlerbezirk Hollabrunn könnte immer besser sein, bei Extrawünschen geht‘s aber auch ordentlich ins Geld. Die Gemeinden sitzen am Verhandlungstisch.NÖN  |  NOEN

Die Nordwestbahn ist in erster Linie ein wichtiges Pendler-Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit. Der Gemeinderat in Retz hat nun der Willensbekundung zugestimmt, den Schnellbahnverkehr am Abend zu verdichten. Das würde Vorteile für die Gemeinden Sierndorf, Göllersdorf, Hollabrunn, Wullersdorf, Guntersdorf, Zellerndorf, Retz und Retzbach bringen. Sie müssten den Zug allerdings mitfinanzieren.

Vizebürgermeister Alfred Kliegl (SPÖ) erklärt, dass die Abendpendler zugenommen hätten: Sie würden den Zug um 21.02 Uhr am Praterstern schwer erreichen. Die nächste Verbindung gibt es nach mehr als zweistündiger Wartezeit erst um 23.32 Uhr ab Floridsdorf.

Zug wird bis Retz weitergeführt

Die Lücke soll gefüllt werden. Das Land NÖ, der Verkehrsverbund Ostregion (VOR), die ÖBB und die Gemeinden saßen deshalb im September an einem Tisch. „Es gab schon einen Entwurf, wie man das in die Praxis umsetzen könnte“, so Kliegl.

Konkret: Ein Zug, der jetzt in Stockerau endet, würde weitergeführt werden und um 23.40 Uhr in Retz halten. Zusätzlich soll – etwa für Touristen – eine Verbindung am Freitag, Samstag und Sonntag um 21.45 Uhr von Retz nach Wien bestehen.

„Generell ist es so, dass der VOR mit dem Land NÖ einen Grundstock anbietet. Was darüber hinaus geht, sind Wünsche der Region – und das lassen sie sich auch zahlen“, erklärt Kliegl. 255.000 Euro wären fürs Jahr zu berappen.

Finanzierung wird noch verhandelt

Wer wie viel zahlen wird, ist noch Teil der Verhandlungen. Kliegl geht in seinen Berechnungen von einem 20-prozentigen Anteil für Retz aus: „Das ist relativ hochgegriffen“, erklärt er und betont auch, dass für den Nightliner weniger bezahlt werden musste. Zur Erinnerung: Drei Jahre lang finanzierten die Gemeinden von Retz bis Hollabrunn den Nachtzug, der jetzt zum „normalen“ Planverkehr der ÖBB gehört. Diese Vorgangsweise könnte auch für den jetzigen Entwurf der zusätzlichen Linien gelten.

VOR bestätigt die Gespräche – und ergänzt, dass es „noch zu keiner Einigung aller beteiligten Gemeinden gekommen ist“. Unterstützer und Skeptiker sind unter den Gemeinden.

„Wir haben im vergangenen Jahr einen entsprechenden Grundsatzbeschluss – wie Hollabrunn auch – gefasst“, sagt Bürgermeister Richard Hogl, dass Wullersdorf die Idee unterstütze. „Es sind immer mehr Leute, die länger arbeiten müssen oder abends auch einmal etwas unternehmen möchte.“

„Was sollen die Gemeinden noch alles zahlen?"

„Man muss etwas für die Pendler tun, keine Frage, aber wir werden sicher nichts mitfinanzieren“, stellt Guntersdorfs Bürgermeister Roland Weber klar. Auch Göllersdorf-Chef Josef Reinwein ist wenig begeistert vom Vorschlag, dass sich die Gemeinden an eingeschobenen Zügen beteiligen sollen. „Solche Dinge unterliegen eindeutig der ÖBB. Wenn die Nachfrage dementsprechend ist, dann müssen es die ÖBB abdecken.“

Die Kosten sind es auch, die Hollabrunns Verkehrsstadtrat Alfred Babinsky zu denken geben. Eine Umsetzung vor 2017 sei nicht realistisch. „Was sollen die Gemeinden noch alles zahlen? Das ist Bundessache“, stimmt FPÖ-Bezirksobmann Christian Lausch ein. ÖBB-Sprecher Christopher Seif: „Es gab seitens der Gemeinden von Retz bis Hollabrunn eine diesbezügliche Anfrage und ein Gespräch gemeinsam mit dem VOR. Für die Aufnahme in den Fahrplan 2016/17 wird es weitere Gespräche geben.“