Hadres

Erstellt am 10. August 2016, 04:40

von NÖN Redaktion

Pionierprojekt: Austausch statt Angst im Friedenshaus. Ehepaar möchte die Beziehung zweier Länder versöhnen.

Ehepaar entwarf Konzept für einen „Lebensraum Grenzland“.  |  Pixabay/Public Domain

Anna Malleier-Obermair und Joachim Malleier aus Obermarkersdorf lassen mit der Idee aufhorchen, die nach wie vor nicht friktionsfreie Beziehung zwischen Österreich und Tschechien neu aufzugreifen. Sie schlagen vor, im Rahmen der Landesausstellung Retz-Znaim 2021 längst fällige Schritte zur nachhaltigen Versöhnung zwischen den beiden Staaten und seinen Bewohnern zu setzen.

Objektiv-neutrale Geschichte emotional fassbar machen

Das Ehepaar hat das Konzept für einen „Lebensraum Grenzland“ zwischen dem Retzer Land und Südmähren entworfen. Im Mittelpunkt soll das Friedenshaus stehen: Neben der Informationsvermittlung über Ereignisse des 20. Jahrhunderts steht ein lebendiger Austausch im Vordergrund. Die objektiv-neutrale Geschichte soll mit der Darstellung persönlicher Schicksale und subjektiver Erfahrungen emotional fassbar und nachvollziehbar.

„In den Köpfen vieler Grenzbewohner überwiegen weiterhin Angst und unreflektierte Zuschreibungen gegenüber dem jeweils Anderen“, erklärt Politologe Joachim Malleier, der in Tirol aufgewachsen ist. Das sei für Außenstehende besonders spürbar, „obwohl landschaftliche, architektonische, ökonomische und historische Gemeinsamkeiten die Region mehr einen als trennen.“

Aber gerade die Beziehung Österreichs und Tschechiens ist durch eine Vielzahl an historischen Geschehnissen belastet: das Ende der Monarchie und die Ziehung neuer Grenzen, der Anschluss an Hitler-Deutschland, die Beneš-Dekrete und der Eiserne Vorhang.

Ex-Zollhaus am Grenzübergang Mitterretzbach als Option?

Das Unausgesprochene dürfe nicht im Raum stehen bleiben, ergänzt Anna Malleier-Obermair. „Versöhnung ist nicht möglich, solange es offene Rechnungen gibt.“ Sie hat diese Erfahrung in der Beratung von Familienunternehmen gemacht.

Die gebürtige Oberösterreicherin wünscht sich eines: „Das Friedenshaus soll zu einer Institution in der Erwachsenenbildung werden, in der regelmäßig Tagungen und Diskussionen stattfinden“, wünscht sich Anna Malleier-Obermair. Die persönliche Auseinandersetzung mit Grenzen, Verletzungen und zwischenmenschlichen Beziehungen der beiden Länder sollen möglich sein. „Für dieses Friedenshaus würde sich das ehemalige Zollhaus am Grenzübergang Mitterretzbach sehr gut anbieten“, ist Manfred Nigl überzeugt.

Das begeistert Joachim Malleier: „Zwischen Šatov und Retzbach machen Denk- und Mahnmäler auf beiden Seiten die jüngste Vergangenheit in einer Wanderung entlang der Geschichte erlebbar.“ Ferner können Radtouren sportliches Erleben, Landschaftsgenuss und Geschichtsvermittlung vereinen. Die Verbindung könnte zudem mit gemeinsamen Weinpräsentationen, Märkten und Ausstellungen gestärkt werden.

Nigl konstatiert noch: „An den Folgen des Eisernen Vorhangs und der Abschottung der Grenzregionen leidet das nordwestliche Weinviertel bis heute.“ Er erhofft sich eine Wiederherstellung der Beziehungen zu Tschechien und Impulse für die Region. Er ist bereit zu helfen. Man würde allerdings auch die volle Unterstützung der Bevölkerung und politischer Entscheidungsträger benötigen.