Unternalb

Erstellt am 22. Oktober 2016, 06:47

von Karin Widhalm

Ein Schmied auf der Spur der Vorfahren. Archäologie-Student Lukas Kerbler lernte ein altes Handwerk, um archäologische Funde nachfertigen zu können.

Der Federhammer ist eine moderne Art des Schmiedehandwerks – und nicht die einzige, die Lukas Kerbler kennt. Er arbeitet auch mal nur mit Amboss und Hammer.  Fotos: Karin Widhalm  |  Karin Widhalm

Die Dorfschmiede ist weitgehend verschwunden, Lukas Kerbler hat eigenhändig eine Werkstatt in Obernalb aufgebaut. Sein Interesse an dem Handwerk ergänzt sich nahtlos mit seinem Archäologie-Studium: Er schmiedet Funde wie das Ötzi-Beil nach.

Wie hat man Werkzeug aus der Eisenzeit ohne Maschinen gefertigt? Wie hat man mit diesem Werkzeug gearbeitet? Vieles weiß man, vieles nicht. Solchen und ähnlichen Fragen geht Kerbler aus Eigeninteresse oder nach Aufträgen nach. Er zeigt auf ein Bronzebeil: Wurden die drei kleinen Löcher gebohrt? Der Handwerker probierte es mit Holzstäbchen. „Das Holz verbrennt nicht ganz, es bleibt die Kohle zurück“, schöpft er aus diesen Erfahrungen.

Wie entstehen die herzförmigen Spuren?

Einen Tag brauchte Lukas Kerbler, der Fachmann, für die Säge mit gefeilten Zacken und Holzgriff aus der Eisenzeit. Er schmiedet archäologische Funde nach.  |  Karin Widhalm

Der bald ausgebildete Archäologe (er schreibt gerade an seiner Masterarbeit über Eisenverhüttung im Mittelalter) schmiedet für Fachkollegen altes Werkzeug. Er hat zum Beispiel Salzpickel für das Naturhistorische Museum gefertigt. Forscher wollen so praxisnah wie möglich der früheren Arbeit nachgehen. Sie wissen zum Beispiel nicht, wie die herzförmigen Abbauspuren in Bergwerken entstanden sind. „Da braucht man altes Werkzeug zum Ausprobieren.“

Kerblers Schmiede befindet sich im Garten seines Wohnhauses. Er hat ab 2003 Schmiedekurse in Asparn an der Zaya besucht – und leitet heute selbst dort Workshops. Die Schmiede in Obernalb baute er nach und nach auf.

Die Ausrüstung suchte er sich oft mithilfe der Mundpropaganda bei früheren Berufsschmieden oder Bauern zusammen: Die Feldschmiede stammt aus Rapottenstein. Der Federhammer gehörte früher dem „Rockenbauer-Schmied“ aus Unternalb. Der Name ist unter den älteren Nalbern noch geläufig. Die Zangen schmiedete er gleich selbst, auch den Abzug für die Esse und anderes.

Gewerbeberechtigung für Feuerschläger-Produktion

Mehrere Werkstätten sind sein eigentlicher Arbeitsbereich: Neben der Schmiede stehen ihm Räumlichkeiten zum Schleifen und Polieren sowie für die Holzbearbeitung zur Verfügung. Das Messer braucht immerhin einen Griff, den er beispielsweise aus Marillenholz oder sogar aus einem Geweih fertigt. Dazu kommen das Lager, indem auch ein nachgebauter Blasebalg zu sehen ist, und das Wohnzimmer: Dort stellt er viele seiner Werkstücke aus.

Dort bekommt man einen Eindruck davon, wie wertvoll Eisen für den Menschen war: Das Metall wurde anfangs zur Verzierung für Kupferobjekte verwendet, erst später wurde das Kupfer zum Dekorationsmaterial. Man erkennt Verbesserungen in der Arbeitsmethodik und taucht ein wenig in die Eisengewinnung ein.

Der Obernalber erhielt auch die Gewerbeberechtigung zur Produktion von Feuerschlägern nach historischem Vorbild: Diese Methode des Feuermachens mit Zunderschwamm, Feuerstein und Pyrit oder gehärtetem Stahl ist äußerst schnell, kann schon Ötzi – und wendet selbst Kerbler beim Anheizen der Kohle an.

Das ganze Jahr über werkt er in der Schmiede, sogar in der Hitze des Hochsommers. Und manchmal darf er besondere Projekte begleiten: Ein verlobtes Paar fertigte in seiner Schmiede Silberringe für ihre bevorstehende Hochzeit an.