Erstellt am 21. November 2015, 05:08

von Sandra Frank

Pfarrhof renoviert: „Nächstenliebe wird immer gebraucht“. Ein Jahr investierten die Pfarrmitglieder jede freie Minute in die Renovierung des Pfarrhofes. Gesegnet wurde er vom Erzbischof.

Nach der Festmesse wurde der Pfarrhof besichtigt (v.l.): Bürgermeister Josef Reinwein, Landtagsabgeordneter Richard Hogl, Nationalrätin Eva-Maria Himmelbauer, Pfarrer Michael Wagner, Kardinal Christoph Schönborn, Landesvorsitzender des Pensionistenverbandes Hannes Bauer, Bezirkshauptmannstellvertreter Michael Bieder-mann und Gemeinderat Jakob Raffel. Foto: Sandra Frank  |  NOEN, Sandra Frank
Etwas, das ihn besonders bewege, wenn er in der Göllersdorfer Pfarrkirche stehe, „ist hoch oben das Wappen meiner Familie“, sagte Kardinal Christoph Schönborn.

Der Erzbischof kam nach Göllersdorf, um dort den renovierten Pfarrhof zu segnen und mit den Gläubigen der fünf Göllersbachpfarren die Festmesse zu feiern.

„Wir leben in einem Wohlstand, aber jetzt ist ein Umbruch“

„Mich bewegt heute ein seltsamer Gefühlsmix“, begann der Geistliche seine Predigt. Die Zeiten würden sich dramatisch verändern, gleichzeitig bewege Schönborn aber auch, dass es Dinge gibt, die gleich bleiben und einem dadurch Halt geben. „Wir leben in einem Wohlstand, den wir so nie gekannt haben. Aber jetzt ist ein Umbruch“, spielte der Kardinal auf die Attentate in Paris an, die sich am Tag vor der Pfarrhoferöffnung ereignet hatten.

„Wir waren auch Flüchtlinge 1945“, spricht Schönborn ein weiteres aktuelles Thema an. Bei einer Bauernfamilie habe seine Familie damals Zuflucht gefunden. Er lobt die fünf Pfarren dafür, dass auch sie Flüchtlingen helfen. „Die Nächstenliebe, sie wird immer gebraucht. Sie hält die Gesellschaft zusammen, sie hat auch 1945 alles zusammengehalten.“

Was den Kardinal ebenfalls berührt: Zu sehen, dass die fünf Pfarren zusammengewachsen sind. „Ich weiß, wie schwierig es war, nach dem Tod von Pfarrer Johannes.“ Für Pfarrer Michael Wagner, der aktuell die fünf Pfarren betreut und bereits zuvor schon als Provisor eingesetzt war, forderte der Erzbischof einen „ordentlichen Applaus“ ein.

Pfarrer bescheiden: „So viel hab’ ich doch gar nicht gemacht“

Den Baudirektor des Bauamts der Erzdiözese Wien, Harald Gnilsen, verbinden, wie den Kardinal, auch persönliche Erinnerungen mit Göllersdorf. Vor 20 Jahren habe er erfahren, dass er Baudirektor werden soll. Seine erste große Ausfahrt mit dem Bundesdenkmalamt ging nach Göllersdorf. „Der Pfarrhof steht zwar im Zentrum des Ortes, dennoch stets im Schatten der Kirche“, erinnert sich Gnilsen.

Die Planungsphase für die Renovierung des Pfarrhofes war lang. Alles war auf Schiene, vor vier Jahren hätte eigentlich schon begonnen werden können. „Mit dem Tod von Pfarrer Johannes wurde die bevorstehende Renovierung abgebrochen“, sagt der Leiter des Bauamts. Es hieß zurück an den Start, die Pläne wurden umgeworfen, ehe im August 2014 endlich mit dem Bau begonnen werden konnte. Wie wichtig den Gläubigen ihr Pfarrhof ist, zeigt sich in den 3.700 Stunden, die sie freiwillig mit anpackten.

Wagner bedankte sich für die vielen lobenden Worte, die ihm zuteilwurden. Aber: „So viel hab’ ich doch gar nicht gemacht“, lacht der Pfarrer und gibt den Dank weiter „an die vielen, die mitgewirkt haben“. Vier davon holt er nach vorne zum Altar, wo „der Kardinal den Dank materialisieren wird“. Dieser überraschte Maria und Hans Mitterhauser, Brigitta Pfeiffer und Franz Goldnagl („Wo is’ der Franz? Ah, der arbeitet noch im Pfarrhof.“) mit dem Stephanus-Orden in Bronze.

Nachdem der Pfarrhof gesegnet und die Festmesse zelebriert worden waren, ging es für den gemütlichen Teil natürlich in den Pfarrhof. Die Blasmusik Göllersdorf spielte auf, während sich die Besucher an Brötchen, Punsch und Glühwein labten und das Gespräch mit dem Kardinal suchten.