Erstellt am 25. Dezember 2015, 08:58

von Karin Widhalm

Premiere: Junge Frau an Spitze von Studentenverbindung. Anna Schöfmann ist die erste Frau an der Spitze der Studentenverbindung – ein Einzelfall in Niederösterreich.

Philistersenior Erich Brunner von Bär mit Senior Anna Schöfmann von Fedora. Ihr Beiname »Fedora« unterstreicht ihre Vorliebe für Hüte. Foto: Widhalm  |  NOEN, Widhalm

Die Retzer Studentenverbindung entschied sich vor zehn Jahren, Frauen als vollwertige Mitglieder in ihre Reihen aufzunehmen. Die Öffnung wurde schon in den 1980er-Jahren diskutiert. Die interne Demokratie entschied dann 2005.

„Das wäre doch ein schöner Anlass“, dachte sich die Retzerin. Die Rugia setzt zehn Jahre nach der Aufnahme von Babette Brunner und Barbara Enzfelder ein weiteres Zeichen. Das Jubiläum ist aber längst nicht der einzige Grund, warum Schöfmann Interesse an der Funktion zeigte.

„Großer Vertrauensvorschuss“

Sie schloss sich als 15-Jährige der Rugia an, damals gehörte sie schon der Mädchenverbindung Puellaria Hollabrunn an. Schöfmann war bereits Stellvertreterin („Consenior“) und Jugendbetreuerin („Fuchsmajor“) bei der Rugia. „Man lernt gut, selber Sachen zu organisieren. Und das ist etwas, das mir taugt.“

Sie geht mit Freude an die erste große Aufgabe heran: den Rugia-Ball (9.1.). „Welche 19-Jährige kann schon einen Ball für 300 Leute organisieren?“ Ihr gefällt, dass ihr weitgehend Entscheidungsfreiheiten gelassen werden. „Das ist ein großer Vertrauensvorschuss, der mir gegeben wird.“

Das sei auch der Sinn, ergänzt Philistersenior Erich Brunner. Fehler werden nicht verpönt, sondern offen angesprochen, damit man daraus lernt.

Lockeres Verhältnis zu den Älteren

„Die größte Pflicht eines jeden Mitglieds ist: Jeder sollte einmal eine Funktion ausgeübt haben“, erzählt Schöfmann. „Man lernt, sich zu artikulieren. Das ist nicht ganz so einfach, seine Meinung vor den Altherren vorzubringen“, so Brunner.

Das Verhältnis zu den älteren Mitgliedern ist ein lockeres. Jeder spricht jeden mit „Du“ an. „Da ergeben sich ganz interessante Gespräche und Themen. Das ist sehr angenehm“, schöpft Schöfmann daraus.

Und ihr gefällt die Atmosphäre: „Das Untereinander passt. Wir haben einen sehr freundschaftlichen Umgang.“ Das zeige sich darin, dass man sich nicht nur zu den Fixterminen in der „Bude“ treffe, sondern auch außertourlich.


Über die Rugia

  • Voraussetzungen für einen Beitritt sind die österreichische Staatsbürgerschaft und das römisch-katholische Religionsbekenntnis. Man muss die Matura anstreben und ablegen.

  • Der „Fuchs“ darf in einer Probezeit von ein- bis eineinhalb Jahren „schnuppern“, formlos wieder ausscheiden – oder eine Prüfung ablegen. Im „Fuchsconvent“ lernt man beispielsweise Umgangsformen kennen, auch die Vereinsgeschichte muss bekannt sein.

  • Der Vorstand wird Chargenkabinett genannt und in jedem Semester neu gewählt. Senior: Anna Schöfmann von Fedora, Consenior: Roman Holzschuh von Motus. Schriftführer: Jakob Etzinger von Fabius, Kassier: Stefan Pozar von Sarek, Fuchsmajor: Eva Fallheier von Mimi. Philistersenior: Erich Brunner von Bär.