Erstellt am 09. März 2016, 05:04

von NÖN Redaktion

Presler geht: „Mein Engagement war nicht erwünscht“. Gemeinderat Presler, seit 2015 bei „Wir für Retz“, will nicht mehr: Er legt sein Mandat zurück. Nachfolger: Felix Wiklicky.

Herbert Presler lässt kein gutes Haar an der Stadtregierung. Foto: Wir für Retz  |  NOEN, Wir für Retz

Herbert Presler legte mit 1. März nach sechs Jahren sein Mandat im Gemeinderat zurück: Er ist mit vielem unzufrieden, zum Teil kritisiert der die Stadtregierung scharf.

Der Retzer, der das Erlebnisbad führt, kandidierte ursprünglich für die ÖVP, war bis zur Gemeinderatswahl Stadtrat – und wechselte 2015 spontan zur neu gegründeten Liste „Wir für Retz“. Er legt seine Gründe dar, warum er sich zurückzieht. Felix Wiklicky soll sein Nachfolger werden.

NÖN: Scheiden Sie im Streit aus dem Gemeinderat aus?
Presler: Nein, keineswegs, ich konnte mich viele Jahre im Bereich der Gemeindearbeit sehr oft positiv einbringen.

Was sind Ihre Beweggründe?
Schon in der letzten Periode als Stadtrat waren meine Aufgaben schwierig zu erfüllen. Dies wurde durch das Naheverhältnis zur Stadtverwaltung, meinem Dienstgeber, in manchen Bereichen sehr belastet. In letzter Zeit musste ich immer wieder feststellen, dass Entscheidungen, die in den Zuständigkeitsbereich des Gemeinderates fallen, ohne entsprechende Befassung der Ausschüsse oder Information des Gemeinderates getroffen wurden. Mehrfach wurde ich deshalb von Gemeindebürgern mit einzelnen Entscheidungen der Stadtregierung konfrontiert, von denen ich keine Kenntnis hatte.

„Es ist mühsamer, aber ehrlicher geworden“

Wie bewerten Sie die Arbeit im Gemeinderat?
Eine engagierte Tätigkeit meiner Person im Gemeinderat und in den Ausschüssen ist nach den Erfahrungen der letzten Zeit vonseiten der Stadtregierung nicht erwünscht. Sachliche Argumentationen, Überlegungen über nachhaltige Entwicklungen und zukunftsorientierte Planung wurden im letzten Jahr noch mehr ignoriert. Eine gute Arbeit als Gemeinderat zum Wohl der Bürger, wie ich mir diese vorstelle, war nicht mehr gut möglich.

Warum wandten Sie sich 2015 von der ÖVP ab?
Ich stand ja ursprünglich auf der Kandidatenliste der ÖVP Retz. Hier wurde ich als amtierender Stadtrat – allerdings ohne, dass ich informiert wurde – auf ein Kampfmandat zurückgereiht – für mich ein eindeutiges Signal, dass ich in dieser Retzer Stadt-ÖVP nicht mehr erwünscht war. Deshalb habe ich mich in letzter Minute für eine Kandidatur auf der ÖVP-nahen Bürgerliste entschlossen.

Haben sich dadurch Ihre Möglichkeiten verschlechtert?
Es ist mühsamer, aber ehrlicher geworden. Hier werden nicht wie früher unter den Deckmantel des Klubzwangs undemokratische Entscheidungen getroffen. Im Team von „Wir für Retz“ werden Dinge offen angesprochen, sachlich ausdiskutiert, Lösungen angedacht. Diese jedoch umzusetzen, ist schwieriger geworden, da als Opposition die Sachpolitik teilweise auf der Strecke bleibt. Ein offener Dialog über die Parteigrenzen wird zwar von der Stadtregierung immer wieder propagiert, aber leider nur selten praktiziert. Ich bin auch mit einigen Entscheidungen der Stadtregierung nicht einverstanden, weil ich glaube, dass diese langfristig negative Konsequenzen für die Entwicklung unserer Stadt haben.

Kehren Sie jetzt der Politik den Rücken zu?
Nein, keineswegs. Ich werde mich aus der zweiten Reihe weiterhin aktiv einbringen und kann dies jetzt noch besser tun. Im Team von „Wir für Retz“ zählen Inhalte und nicht persönliche Interessen.