Erstellt am 08. Juni 2016, 03:50

von Sandra Frank

Prügelei im Gefängnis: „Es war Notwehr“. Richter Neubauer verlängerte Haftzeit eines Göllersdorfer Insassen, der beteuerte, gar nicht gewalttätig zu sein.

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19 Vorstrafen hatte ein Mann bereits, als er im Verhandlungssaal von Richter Erhard Neubauer vorgeführt wurde. Die 20. gab’s zwei Tage nach seinem 42. Geburtstag.

„Da hat's mir gereicht und hab’ zugeschlagen“

„Ich war nie gewalttätig, in dieser Richtung nie auffällig“, beteuerte der Insasse der Justizanstalt Göllersdorf. Angeklagt war er jedoch, weil er einem anderen Gefangenen mehrmals ins Gesicht geschlagen haben soll. Mit der Faust. Der 42-Jährige bekannte sich schuldig, sprach dann aber von Notwehr.

Mit seinem Zimmergenossen habe es seit Monaten Spannungen gegeben, bis die Situation eskaliert sei. „Er hat mich mit beiden Händen zu Boden gestoßen. Ich bin auf den Hinterkopf gefallen. Da hat es mir gereicht, ich bin aufgestanden und hab’ zugeschlagen“, schilderte der Angeklagte seine Version.

Er blieb aber dabei: „Ich bin Gewalt immer aus dem Weg gegangen. Es tut mir sehr weh, dass ich da hinschlagen hab’ müssen.“ Das Opfer beschrieb die Situation hingegen anders: „Er hat schon Wochen vorher eine Paranoia entwickelt, dass ich ihm Gegenstände entwendet hätte. Hab’ ich aber nicht“, meinte der 53-Jährige. Mitte März habe der Angeklagte schließlich grundlos die Fäuste sprechen lassen.

Seine Brille sei bei dieser Prügelei kaputt geworden, eine Reparatur koste 370 Euro. „Die hätte ich gern, ich hab’ die Mittel nicht, sie selbst reparieren zu lassen“, so der Insasse, der auf Schmerzengeld verzichtete.

„Er hat eine falsche Aussage gemacht!“

„Sie kamen von der Ausspeisung herauf und dann kam es zu einer Rangelei“, beobachtete ein anderer Insasse den Zwischenfall. Der 53-Jährige habe den Angeklagten weggedrängt, daraufhin sei dieser gefallen.

Er habe sich aber mit den Händen aufgefangen und sei nicht auf den Hinterkopf gefallen. „Danach ist er aufgesprungen und hat ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen.“ Und noch zweimal nachgeschlagen. Erst dann habe sich das Opfer gewehrt.

„Ich bin Gewalt immer aus dem Weg
gegangen. Es tut mir sehr weh, dass
ich da hinschlagen hab’ müssen.“
Der Angeklagte


Die 370 Euro Schadenersatz wollte der 42-Jährige auf keinen Fall bezahlen. „Er hat die Brille nicht einmal aufgehabt, die lag im Zimmer. Er hat eine falsche Zeugenaussage gemacht!“ Ein Freispruch wäre seiner Ansicht nach daher das einzig richtige Urteil.

Der Richter teilte die Meinung des Angeklagten nicht. Es habe sich nicht um Notwehr gehandelt, hielt er sich an die Aussage des unbeteiligten Zeugen. Neubauer sprach den Angeklagten schuldig und verlängerte dessen Aufenthalt in der Justizanstalt um fünf Monate.