Erstellt am 27. Februar 2016, 04:54

von Günter Rapp

„Ravelsbach 2026“: Visionen für nächste zehn Jahre. Ergebnisse wochenlanger Beratungen zahlreicher Gemeinderäte stießen auf großes Interesse.

Bauamtsleiter Stefan Widerna, Vizebürgermeister Josef Kaltenböck, Raumplanerin Christa Schmid, Bürgermeister Walter Schmid und Gemeindevorstand Wolfgang Grimus (v.l.) bei der Präsentation des Entwicklungskonzeptes „Ravelsbach 2026“. Foto: Rapp  |  NOEN, Rapp

„Das Thema hört sich vielleicht etwas großspurig an, wir haben aber versucht, in fünf Arbeitsgruppen verschiedene Themen zu behandeln“, erläuterte Vizebürgermeister Josef Kaltenböck beim Infoabend „Ravelsbach 2026“.

Neben Raumplanerin Christa Schmid, Bürgermeister Walter Schmid und Kulturkeller-Hausherr Pater Christian Blauensteiner konnte er zahlreiche interessierte Gemeindebürger begrüßen.

„Verkehrsanbindung Richtung Westen wünschenswert“

Gemeindechef Schmid dankte den Gemeinderäten, die in den Arbeitskreisen mitgearbeitet haben. Er wies darauf hin, dass Fragebögen an alle Bürger ausgegeben werden. So können Anregungen an die Gemeindeverwaltung herangetragen werden. „Unser Infoabend soll ein gemeinsamer Start sein.“

Auf Details der Raumplanung ging Christa Schmid ein. „Sie wünschen, wir planen – das spielt’s heute nicht mehr!“ Bei einem örtlichen Entwicklungskonzept müssten Schwerpunkte gesetzt werden. „Deshalb haben wir Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert.“

Hervorzuheben sei die gute medizinische Versorgung in der Marktgemeinde, ebenso die Anbindung an die Bundesstraße. „Wünschenswert wäre aber auch eine Verkehrsanbindung Richtung Westen“, ergänzte Kaltenböck. Hinsichtlich der Freizeiteinrichtungen in der Gemeinde wurden die vielen Vereine und Veranstaltungen hervorgehoben. Wermutstropfen: die Schließung des Ravelsbacher Hallenbades.

Weil nicht in allen Katastralgemeinden Bauplätze verfügbar sind, werden seitens der Gemeinde auch einzelne Rückwidmungen nicht ausgeschlossen.

„Ravelsbach ist sicher nicht die große Wohngemeinde im Bezirk“, ergänzte Planerin Schmid. Die Altersstruktur zeige: mehr Einwohner über 65 Jahre, wenige unter 19. Baulandwidmungen mit Bauzwang sind in Gaindorf, Parisdorf und Ravelsbach vorgesehen. Christa Schmid forderte die Anwesenden auf, mitzugestalten. „Manches ist offenbar zu gewöhnlich, um es zu bemerken – wie die wunderbaren Kopfweiden, Bachläufe und der historische Schüttkasten in Minichhofen.“


Die Arbeitsgruppen

Wirtschaftliche Erwerbsgrundlagen

Stärken: Handwerk, Nahversorgung, medizinische Versorgung, Bauland Betriebsgebiet Reserven;

Schwächen: Betriebe werden kleiner/weniger, sinkende Lehrlingszahlen, geringe Flächenvergrößerungschance, weniger landwirtschaftliche Betriebe;

Risiken: Abwanderung/Schließung von Betrieben, infrastrukturelles Aussterben ohne Handwerk/Nahversorgung/medizinische Versorgung – Wohnstandort unattraktiv;

Chancen: Erhaltung/Ausbau Handwerk/Nahversorgung, neuer Schwerpunkt Gesundheitssektor/Wohlbefinden, Nachnutzung von Bauland/ Wirtschaftsflächen, Stärkung Wirtschaftspark Schmidatal Ziersdorf.

Verkehr & Energie

Stärken: übergeordnete Verkehrsanbindung B4, Bahnhofsnähe;

Schwächen: öffentliche Verkehrsanbindung, Verkehrerschließung Richtung Westen, Verkehrslärm, Straßengefahren, Barrierefreiheit;

Risiken: Mobilität ohne Pkw;

Chancen: Forcierung „Rad- und Fußwege“, örtliche Transportunternehmen, alternative Energie, Klimaenergiemodellregion.

Landschaft & Naturgefahren

Stärken: sanfte hügelige Landschaft, „Kellergassen“, Sehenswürdigkeiten, erhaltenswerte Natur;

Schwächen: Lärmemissionen Bundesstraßenverkehr, geologische Risikogebiete, Bundesdenkmalamt Fundstellen;

Risiken: Unwetter, Zersiedelung, zunehmende Flächenversiegelung;

Chancen: weiterer Ausbau/Verbesserung Hochwasserschutz, Ortsverband kompakt halten, Landschafts-, Boden- und Naturschutz.

Freizeit & Erholung

Stärken: Freizeit- und Sporteinrichtungen, Vereine, Angebot Gastronomie & Beherbergung, Pfarr- und Kulturzentrum Ravelsbach, Neuorganisation Tennishalle;

Schwächen: Schließung Hallenbad, Pfaffstetten ohne Dorfzentrum;

Risiken: Aktivitäten abhängig von engagierten Personen;

Chancen: Bereich Fitness/Wellness/Bewegung, Zukunftsvision Naturbadeteich, Pfarr- und Kulturzentrum, Weinvierteltypisches - Beispiel „Weinbrunnen“, Reaktivierung Kultursommer, Heimatverbundenheitsgefühl stärken.

Bevölkerung & Wohnen

Stärken: gute ländliche infrastrukturelle Basis – Verkehrsanbindung, Bildung, Wirtschaft;

Schwächen: ungenutztes Bauland/Wohnraum, Bauplätze fallweise nicht verfügbar, zeitgemäße Wohnungen/Reihenhäuser fehlen;

Risiken: Abwanderung, Erweiterung Infrastruktur;

Chancen: Bauland-/Wohnraummobilisierung, Neuwidmungen, Rückwidmungen, Wohnbauträger.