Erstellt am 29. Oktober 2015, 17:52

von Christian Pfeiffer

Retro-Chic der 60er-Jahre. Im tww hatte der ungewöhnliche Krimi „Warte, bis es dunkel ist“, der eine blinde Frau zu seiner Heldin macht, in der Regie von Peter W. Hochegger Premiere.

Susy (Andrea Nitsche) in den Fängen von Harry (C.C. Weinberger), Carlino (Franz Haller) und Mike (Thomas Bauer). Foto: Hochegger  |  NOEN, Hochegger

„Warte, bis es dunkel ist“ beginnt mit einem harmlosen Besuch. Mike (Thomas Bauer), ein vorgeblicher Bekannter ihres Mannes, schaut bei Susy vorbei und führt eigentlich Kriminelles im Schilde. Die erst seit einem Jahr blinde Susy hegt jedoch keinerlei Verdacht.

Anfänglich gelingt es den Gaunern auch, Susy als falscher Polizist (Franz Haller) oder als hilfsbedürftiger Herr (C.C. Weinberger) zu verwirren. Erst als die Ereignisse in ihrer Wohnung immer seltsamer werden und noch mehr fremde Menschen an diesem Katz-und-Maus-Spiel beteiligt sind, ist Susys Argwohn geweckt.

Frederick Knott hat in der Figur der Susy eine sehr selbstbewusste Frau geschaffen, die ob ihrer Blindheit gezwungen ist, raffinierter zu sein als die Kriminellen.

Im tww orientiert sich die Umsetzung von Peter W. Hochegger für die Bühne stark am Vorbild des Films und bleibt ganz in dessen Entstehungszeit, den späten 60er-Jahren, verhaftet. Das erweist sich jedoch als tückisch, denn mehr als der Retro-Chic des Bühnenbilds haftet dem Unternehmen etwas Altbackenes an.

Die Aufführung vertraut der Krimihandlung mehr als ihrer Hauptfigur, die die Geschichte einer persönlichen Emanzipation zu erzählen hätte. Susy hadert mit ihrem Schicksal, blind zu sein, und fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes behindert. Erst die Bedrohung durch die drei Gangster lässt sie erkennen, welche Fähigkeiten ihr geblieben sind. Und, dass diese sie in manchen Momenten auch überlegen machen.

Andrea Nitsche muss jedoch von Beginn an tough auftreten und ist so der Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Figur beraubt.

Infos und Karten:

office@tww.at oder 02951/2909.