Retz

Erstellt am 08. Januar 2018, 11:56

von Sandra Frank

ÖVP-Neujahrsempfang: "Jetzt geht die Arbeit los!". Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner setzte die Tradition des Hollabrunner Neujahrsempfangs fort und freute sich über einen vollen Saal im Retzer Althof.

Der Neujahrsempfang der ÖVP hat im Bezirk lange Tradition. Seit 1997 treffen sich Mandatare, Funktionäre und Freunde der Volkspartei, um „Rückschau zu halten, Danke zu sagen und einen Ausblick zu wagen“, wie Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer, die durch den Abend führte, erzählte. Erstmals war nicht Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll der politische Stargast. Dessen Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner führte diese Tradition gerne fort und kam am Sonntag in den Retzer Althof.

Tosender Applaus für Erwin Bernreiter

Teilbezirksobmann Stefan Lang durfte die Gästeschar begrüßen, hielt sich dabei aber nicht ganz ans Protokoll: „Es freut mich besonders, dass einer heute da ist, der ein hartes Jahr hinter sich hat“, empfing er den Hollabrunner Bürgermeister Erwin Bernreiter, der tosenden Applaus erntete.

Hausherr Helmut Koch blickte auf seine bisherige Zeit als Retzer Bürgermeister zurück: „Nach anfänglichen kleinen Schwierigkeiten haben wir schnell Fuß gefasst.“ Ein großes Projekt, an dem derzeit gearbeitet wird, sei die Bewerbung zur Landesausstellung 2021. Koch wünscht sich, damit Impulse für die nächsten 15 Jahre setzen zu können. „Herüben, wie drüben“, sprach er die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Znaim an. Mit Neujahrsvorsätzen nehme er es nicht so genau, aber: „Ich habe mir vorgenommen, die nächsten drei Wochen zu laufen - für unsere Landeshauptfrau!“ „Das is‘ aber g’scheit“, kommentierte Mikl-Leitner den Enthusiasmus im Publikum.

"Es hat keiner geglaubt, dass die Bagger auffahren."

Bevor Landtagsabgeordneter Richard Hogl auf die Bühne durfte, stellte Himmelbauer 17 Kandidaten für die Landtagswahl vor: 15 der Bezirksliste und jene beiden, die auf der Landesliste kandidieren. „Es war eine schöne, interessante und spannende Zeit“, blickte Hogl schließlich auf seine vergangenen fünf Jahre als Abgeordneter zurück. Er erinnert sich gut, dass kurz nach seinem Amtsantritt das wichtigste Straßenprojekt der Region, der Ausbau der S 3 von Hollabrunn nach Guntersdorf, erneut auf der Kippe stand. Der Spatenstich im Vorjahr sei das absolute Highlight gewesen. „Es hat ja kein Mensch geglaubt, dass die Bagger tatsächlich auffahren.“

Aber auch anderenorts seien wichtige Verkehrsprojekte umgesetzt worden, etwa die Retzer Spange. „Das ist eine gute Verbindung, wenn wir einmal eine Landesausstellung haben“, schmunzelte Hogl in Richtung Landeshauptfrau. Eine Anbindung der Region an die Westautobahn sei ebenfalls ein vorrangiges Ziel.

"Politik ist nichts für Feschaks, Sunnyboys und Schaumschläger"

„Ich habe eine Doppelgänger“, erzählte Hogl, dass es eine Person gebe, die ebenfalls Bezirksparteiobmann sei, die ebenfalls Richard heiße und auch aus Immendorf komme. Nur im Nachnamen würden sich die beiden unterscheiden. Das H bei Hogl würde auch für Heimat stehen, aber das P bei Pregler stehe für Partei, griff der Landtagsabgeordnete den Bezirkschef der SPÖ, Richard Pregler, an. „Er glaubt, Politik is a Gaude“, sprach er die eigenwilligen Plakate der Sozialdemokraten an. „Wir machen das anders.“

„Ich habe für meinen Bezirk gedient und will das auch noch eine Weile tun“, sagte Hogl in aller Klarheit. Politik sei nichts für „Feschaks, Sunnyboys und Schaumschläger“. Weil man sich für den Bezirk einsetzen muss, weil man hackeln muss – das verlange Kontinuität. „Man muss sich einarbeiten, ein Netzwerk aufbauen.“ Hogl habe das bisher gern gemacht und bat seine Mitstreiter, hinter ihm zu stehen. Denn nur mit entsprechenden Vorzugsstimmen hätte man als Mandatar das Rüstzeug, sich für den Bezirk stark zu machen. „Jetzt geht die Arbeit los! Jetzt zieh‘ ma den Janker aus, stricken die Ärmel auf und laufen“, machte der 50-Jährige auf der Bühne vor, wie’s geht.

Mikl-Leitner eroberte die Herzen

„Durch ihre offene Art und ihren großen Einsatz hat sie die Herzen der Niederösterreicher erobert“, kündigte Himmelbauer dann Festrednerin Johann Mikl-Leitner an. „Du hast uns das beste Niederösterreich übergeben, das es je gab“, bedankte sich die amtierende Landeshauptfrau bei ihrem Vorgänger Erwin Pröll, der sich gemeinsam mit seiner Gattin Sissi auch diesen Neujahrsempfang nicht entgehen ließ. Vier Landtagswahlen bis Mitte April liegen vor Österreich. „Wir machen den Anfang“, sprach sie die Wahl am 28. Jänner an. „Ich trete zum ersten Mal als Spitzenkandidatin der ÖVP Niederösterreich, das erste Mal als Spitzenkandidatin des schönsten Bundeslandes in Österreich an“, sei es eine Auszeichnung und Ehre, aber auch Verantwortung.

VP-Abgeordnete sind kompetent und durchsetzungsstark

Niederösterreich sei wie kein anderes Bundesland, es verbinde den ländlichen Raum und städtische Regionen. Darum müsse sehr viel in Mobilität investiert werden, in Straßen wie Schienen. Dass der Spatenstich der S 3 vollzogen wurde, sei ein Zeichen, dass „ein äußerst kompetentes und durchsetzungsstarkes Team" im Bezirk am Ruder ist.

Hogl hätte viel über seine politischen Vorhaben gesprochen, wie es „persönlich und privat weithergeht, hat er nicht gesagt“, schmunzelte die Landeshauptfrau. Sie habe ihn gefragt, wie es um das Privatleben mit seiner Maria bestellt sei. Darüber red‘ ma nach der Wahl, hätte er geantwortet. „Die Chance auf eine Hochzeit lebt“, sagte Mikl-Leiter in Richtung Hogls Lebensgefährtin Maria Kappe.

NÖ als Mutterland modernster Familienpolitik

Die Landeshauptfrau sprach in Retz auch über ein wichtiges Projekt, das dieser Tage startet: „Landarzt NÖ“. Es sei ein „unglaublich ausgereiftes und schönes“ Projekt, mit dem Niederösterreich als erstes Bundesland dafür sorge, dass Praxen am Land für Mediziner wieder attraktiver werden. „Wir machen die Anliegen der Menschen zu den Aufgaben der Politik“, betonte sie.

Das Thema Familie liegt der Landeshauptfrau ebenfalls sehr am Herzen: „Wir wollen Niederösterreich zum Mutterland modernster Familienpolitik machen“, sei ihr erklärtes Ziel. Darum werden Familien vor allem bei der Kinderbetreuung unterstützt. Eine Offensive dazu gibt es bereits: 100 Kleinkindergruppen werden im Land eröffnet.

Mit den Worten „Auf geht’s“ schloss Mikl-Leitner ihre Neujahrsansprache im Althof ab. Mit viel Applaus zeigten ihr die Funktionäre, dass sie bereit sind, für ihre Landeshauptfrau zu laufen.

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