Retz

Erstellt am 29. Juni 2016, 04:45

von Karin Widhalm

Keine erste Klasse: Leises Ade der HAK. Weniger Jugendliche absolvieren die bikulturelle höhere Schule. Der entworfene „Rettungsplan“ wird nicht umgesetzt.

„Es tut wirklich weh.“ Direktorin Birgit Wagner bedauert das Aus der HAK Retz. Foto: HLT  |  HLT Retz

Die HAK hat, trotz weißer Fahne bei der Zentralmatura, keine Zukunft. Nachdem die Handelsschule keine ersten Klassen mehr bilden konnte, ist auch die Handelakademie ein Auslaufmodell in Retz. Direktorin Birgit Wagner hätte mit ihrem Team noch ein Konzept ausgearbeitet, das eine Rettung ermöglicht hätte.

„Erst 2025 geht‘s mit Geburtenrate wieder bergauf“

Knapp über 100 Jugendliche und fünf Klassen zählt derzeit das Bundesbildungsinstitut, das seit 1991 bikulturell geführt wird. Höchststand war 1996: 280 Schüler, 13 Klassen. „Wir sind sicher keine Ausnahme. Alle kämpfen um jeden Schüler“, erklärt Wagner. „Erst 2025 geht‘s mit der Geburtenrate wieder bergauf.“

Man habe sich seit Frühjahr 2015 intensiv mit der Zukunft beschäftigt. Ein Modell wurde auf Wunsch des Landesschulrates entwickelt. Der Schulversuch hätte eine Klasse für HAK und Hotelfachschule, die Wagner ebenso leitet, vorgesehen. „Im Schnitt sind es 16 Stunden, die man wirklich gemeinsam machen könnte.“

Bildungsministerium hat Modell nicht genehmigt

Mathematik, Englisch, Geschichte oder Naturwissenschaften haben zum Beispiel lückenlos oder großteils Parallelen im Lehrplan. HAK-Kompetenzen (etwa Betriebswirtschaft) wären nicht verloren gegangen. Das Bildungsministerium genehmigte den Vorschlag nicht: „Für uns war nicht klar, welches Berufsbild angestrebt wird“, erklärt Pressesprecherin Kathrin Liener. „Nur sieben Schüler haben sich auch angemeldet. Das war ein bisschen wenig.“

Für Wagner heißt das eines: „Das bedeutet, dass der Standort Retz ausläuft. Wir eröffnen keine erste Klasse.“ Dabei rückten beide Schulen in der zweijährigen Vorbereitung zur Zentralmatura enger zusammen. „Es war ein wichtiger Schritt vom Einzelkämpfer zum echten Teamplayer. Das gibt Sicherheit und Vertrauen und das haben auch die Schüler gemerkt.“

Das HAK-Team ist betrübt, will aber weiter hervorragenden Unterricht bieten. An einem Plan kann man festhalten: Schüler werden nach Vorbild der HLT ab der zweiten Schulstufe bis zur Matura in acht Praxismonaten Erfahrungen in der Wirtschaft sammeln.