Retz

Erstellt am 13. Oktober 2016, 04:27

von Christian Pfeiffer

Kinopremiere: "Egon Schiele – Tod und Mädchen“. Das edle Künstlerporträt „Egon Schiele – Tod und Mädchen“ feierte in den Retzer Stadtlichtspielen eine umjubelte Premiere vor ausverkauftem Haus.

Regisseur Dieter Berner war persönlich gekommen, um der NÖ-Premiere seines Films in den Retzer Stadtlichtspielen beizuwohnen.  |  cp

Wie viel Bedeutung die niederösterreichische Landesregierung der Filmproduktion „Egon Schiele – Tod und Mädchen“ beimisst, war an der Entsendung des Zweiten Landtagspräsidenten Gerhard Karner – in Vertretung des Landeshauptmanns – abzulesen. Man sei stolz, diesen Film gefördert zu haben, betonte Karner in seinen kurzen einführenden Worten.

Den Coup der Filmpremiere landete der Filmclub Retz. Was angesichts des starken Bezugs der Tullner zu dem großen Sohn ihrer Stadt verwundert. Jedenfalls konnte der Filmclub Retz auch den Regisseur Dieter Berner, Drehbuchautorin Hilde Berger und Hauptdarstellerin Valerie Pachner für eine persönliche Teilnahme an der Premiere gewinnen.

Kein Wunder also, dass der Kinosaal bis auf den letzten Platz gefüllt war und sich unter anderen auch Peter Turrini diese Filmpräsentation nicht entgehen lassen wollte. Dieter Berner fand ebenfalls knappe Worte zur Begrüßung und wünschte dem gespannten Auditorium „eine gute Projektion“.

Film entspinnt seinen Erzählduktus in der Retrospektive

Der Film beginnt mit einem Fiebertraum Egon Schieles, kurz vor seinem Tod im Jahr 1918. Scheinbar ungeordnet und wild rasen die Bilder seines Lebens durch Schiele, der von dem jungen Burgenländer Noah Saavedra verkörpert wird. So entspinnt der Film seinen Erzählduktus in der Retrospektive.

Immer wieder zieht es den Ausnahme-Künstler in die dubiosen Etablissements des Praters anno 1910, die die Dekadenz dieser Zeit erahnen lassen. Nina Proll – in diesem Film nur in einer Nebenrolle – macht als resche Varieté-Chefin Eindruck.

Auch andere Austrogrößen des Films und des Theaters machen in dem Film in kleineren Rollen ihre Aufwartung. Cornelius Obonya ist zum Beispiel als charismatischer Malerkollege Gustav Klimt zu sehen.

Nacktaufnahmen schön in Szene gesetzt

Der Film lebt von der Auseinandersetzung mit dem Vorgang des Malens. In einer sich wiederholenden Folge an Einstellungen ist der Maler zu sehen, wie er die Frauen seiner Bilder gleich einem Bildhauer modelliert. Die Arbeit, die Kunst macht, ist so auf ästhetische Weise zu erfahren.

Die Bildgestaltung von Carsten Thiele und das höchst präzise und mit vielen Details angereicherte Szenenbild verstärken den Eindruck, einem „gemalten Film“ beizuwohnen.

Die vielen – unvermeidlichen – Nacktszenen, sind doch ein Großteil des Hauptwerkes Schieles Akte, wurden keineswegs als anstößig empfunden. Kein Wunder, so schön, wie sie in Szene gesetzt wurden.