Retz

Erstellt am 03. August 2016, 03:49

von Karin Widhalm

Pflegeheim-Bewohner als Zweitopa - und Trauzeuge. Pflegeheim-Bewohner wurde Zweitopa und schließlich Trauzeuge für früheren Zivildiener.

Eine Freundschaft, die hält: Patrick Schwarz (l.) bat Pflegeheim-Bewohner Josef Bittermann um seinen Beistand, als er Viktoria Fritz heiratete. Pflegehelferin Martina Klampfer (r.) begleitete Bittermann. Foto: Klampfer  |  Klampfer

„Altersheim“ sagen manche noch und meinen damit vielleicht: Das Leben ist dann vorbei. Dass dem überhaupt nicht so ist, zeigen Patrick Schwarz, frisch vermählt, und Josef Bittermann, ein Bewohner des Landespflegheims Retz. Letzterer durfte – zum ersten Mal – als Trauzeuge fungieren.

Neues Enkerl gefunden: „Es hat gleich gefunkt“

Bittermann, ein gebürtiger Pleißinger, lebt seit drei Jahren in der Pflegestation eins. 2014 traf er auf Patrick Schwarz: Der junge Mann arbeitete dort von Jänner bis Dezember. Die ersten Begegnungen im Arbeitsverhältnis wuchsen zu einer Freundschaft heran.

„Es hat gleich gefunkt“, so Bittermann rückblickend. Schwarz hat „mit der Zeit gemerkt“, dass die beiden den selben Humor haben. Er fühlte sich an die Beziehung mit seinem Großvater erinnert, den er 2008 verlor. Das, was ihm gefehlt hat, ist mit Bittermann zurückgekehrt. „Ich war ein totales Opa-Kind.“

Die zwei tauschen sich über ihr Leben aus – „und a Hetz hauma a dabei“, erzählt Bittermann, der früher Reinigungsanlagen in Wien, Salzburg, Deutschland und der Schweiz montierte. Das Alter kennt keine Grenzen, wenn‘s um Freundschaft geht. Bittermann ist 81, Schwarz um 60 Jahre jünger, also 21. Der Ältere hat am 6. März, der Jüngere am 9. März Geburtstag. „Nur der Neuner ist umgedreht“, lacht Schwarz.

Keine Zweifel an der Umsetzbarkeit des Plans

Für ihn war es naheliegend, seinen „Ersatzgroßvater“ zu fragen, ob er ihn als Trauzeuge bei seiner Hochzeit mit Viktoria Fritz begleiten möchte. Bittermann konnte es kaum glauben. Er war noch nie Trauzeuge.

Zweifel sind bei Schwarz nicht aufgekommen, dass das praktisch nicht umzusetzen wäre: Direktor Horst Winkler sah keinerlei Probleme, freute sich mit Bittermann. Martin Wartberger ließ die Rampe bei einem Pflegeheim-Bus für den Rollstuhl nieder. Martina Klampfer begleitete den Bewohner. Standesbeamter Hermann Neubauer zelebrierte die Trauung beim Heiligen Stein in Mitterretzbach. „Ich bin froh, dass ich‘s erlebt habe“, sagt Bittermann.

Schwarz, der in Retz arbeitet und wohnt, besucht ihn in jeder Mittagspause. Samstags ruft er ihn an. Die Verbindung zwischen den zwei Freunden hält.

Zitiert:

„Wir haben uns immer gut verstanden und er besucht mich immer noch.“
Josef Bittermann

„Es war mir schon wichtig, dass er mein Trauzeuge wird.“
Patrick Schwarz

„Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass ich Beistand werde!“
Bittermann freut sich darüber, dass das Leben für ihn Überraschungen bereithält.

„Er hat sich voll gefreut und das hat mich gefreut.“
Patrick Schwarz