Erstellt am 14. Oktober 2015, 06:57

von Karin Widhalm und Christoph Reiterer

Seltsames Duell um ein Konkurs-Haus. Firma Holzbau Lehninger wird als Insolvenzmasse veräußert. Die Stadtgemeinde ist interessiert – und auch einer der Gemeinderäte.

Firma Lehninger wird veräußert. Foto: Karin Widhalm  |  NOEN, Karin Widhalm

Das Areal der früheren Holzbaufirma Lehninger wird versteigert. Die Bieterzahl hat sich offenbar auf zwei verringert – und diese Konstellation sorgt durchaus für Verwunderung und Getuschel in der Stadt.

Koch: „Wir brauchen den Grund für die Stadt“

ÖVP-Bürgermeister Helmut Koch möchte das Grundstück für die Stadtgemeinde erwerben, um Wohnungen bauen zu können. Unternehmer Karl Breitenfelder will dort mit Partnern einen Beratungsbetrieb mit ökologischem Schwerpunkt aufbauen. Brisant: Er ist Gemeinderat für die aus der ÖVP heraus entstandenen Liste „Wir für Retz“.

Bürgermeister und Gemeinderat treiben gegenseitig den Preis in die Höhe, wie zu vernehmen ist. „Unwürdig“, sagt Breitenfelder zu dieser Situation. „Eine Frechheit“, ärgert sich Koch. Wird hier ein Streit am Rücken des Gemeinwohls ausgetragen?

Der Bürgermeister beschäftige sich schon seit Monaten mit dem „offenen Geheimnis“, dass Breitenfelder mitbietet. Er habe ihn mehrmals darauf angesprochen. „Wir brauchen den Grund für die Stadt“, begründet Koch. Die zentrale Lage gleich neben dem Landespflegeheim sei ideal für einen Wohnbau – und „sicher nicht für Industrie“. Koch kreidet dem Unternehmer an, Profit für sich rausschlagen zu wollen: „Er schadet der Gemeinde.“

Vizebürgermeister Alfred Kliegl (SPÖ): „Es ist äußerst eigenartig, dass jemand, der die Interessen der Gemeinde vertritt, dann eigene Interessen einbringt.“ Er bezweifelt, ob sich das insbesondere „mit dem Gelöbnis vereinbaren lässt.“

„… dann ist klar, dass ich nicht weiterbiete“

„Ich habe immer gesagt, dass ich Interesse habe“, berichtet Breitenfelder. „Für mich war‘s nicht klar, dass die Gemeinde mitbietet. Sie hat sich nicht deklariert“, kritisiert er. Die Idee, die Stadtgemeinde könnte die Liegenschaft kaufen, sei weder im Ausschuss noch im Gemeinderat behandelt worden.

„Es gibt keinen Auftrag“, präzisiert der Firmenchef. „Ich weiß im Endeffekt nicht, wer dahinter steht: Koch selbst, die Stadtgemeinde oder ein Anwalt?“ Auch fehle ihm ein Konzept, was die Stadt mit dem Areal vorhat. Wird das festgelegt, „dann ist für mich klar, dass ich nicht weiterbieten werde“.

Hier werde aneinander vorbeigeredet, meint Günther Hofer, Chef der Liste „Wir für Retz“, der sich aus der Auseinandersetzung aber heraushalten will. Denn diese habe nichts mit Partei und Politik zu tun. „Das ist eine private Sache zwischen den beiden. Sie sollen sich das ausmachen“, sagt Hofer.