Erstellt am 15. Juni 2016, 03:45

von Karin Widhalm

Retz will Quote für Flüchtlinge erfüllen. 52 hilfsbedürftige Fremde sind derzeit in Retz, damit ist man dem Richtwert von 1,5 Prozent der Wohnbevölkerung ziemlich nah.

Rathaus Retz  |  NOEN, Astrid Bartl
„Verschiedene Anfragen sind da, es gibt noch nichts Konkretes.“ Das gab Bürgermeister Helmut Koch während der Gemeinderatssitzung am vorigen Mittwoch bekannt. Thema: Flüchtlinge.

Bürger reden darüber, dass mehr kommen könnten

Das Rote Kreuz und Privatpersonen stellen seit dem Herbst Quartiere für derzeit 52 Menschen aus dem arabischen und afrikanischen Raum zur Verfügung. Sie wurden sukzessive in die Stadt gebracht, zuletzt die größte Gruppe: 28 Flüchtlinge. Bürger reden darüber,dass mehr kommen könnten. 30 lautet die Zahl, die ihnen bekannt sei.

Martin Pichelhofer bestätigt das nicht. Er ist Stadtrat der Grünen und für Flüchtlingsangelegenheiten zuständig. Die Stadt hat aber noch nicht die Quote erfüllt: Jede Gemeinde hat laut Bundesverfassungsgesetz vom Oktober 2015 hilfs- und schutzbedürftige Fremde aufzunehmen. Der Richtwert beträgt 1,5 Prozent der Wohnbevölkerung.

„Uns fehlen noch gut zehn Personen und über kurz oder lang wird das aufzufüllen sein“, erklärt Pichelhofer. „Wir sind schon daran interessiert, die Quote von 1,5 Prozent zu erfüllen.“ Man habe Kontakt mit der Koordinationsstelle des Landes. Man prüfe noch, welches Vorhaben mit Privatpersonen umgesetzt werden könne.

„Sollte die Gemeinde noch passende Quartiere anbieten, würden wir diese selbstverständlich gerne prüfen“, informiert das Büro von Soziallandessrat Maurice Androsch. „Sobald es für positiv befunden wird, wird die Anzahl der dort Unterzubringenden definiert.“ Wer kommt, diese Entscheidung trifft das Land. „Wir können nur versuchen, Einfluss nehmen“, so Pichelhofer.

„Die Gemeinde ist bereits auf einem
sehr positiven, integrationsfördernden
Weg unterwegs.“
Landesrat Maurice Androsch


Aus dem Büro Androsch heißt es: Retz sei auf einem „sehr positiven, integrationsfördernden Weg unterwegs“. „Nur durch eine möglichst flächendeckende Verteilung der Asylwerber kann auch bestmögliche Integration stattfinden.“

Als Betreiber treten in Retz der Verein „menschen.leben“, das Rote Kreuz und Payr & Ott GesbR auf. Die Caritas ist die beauftragte Betreuungsorganisation. Darüber hinaus agiert „Retz hilft“: Die Initiative setzt sich aus Rotem Kreuz, Pfarr-Caritas und engagierten Bürgern zusammen und arbeitet mit der Gemeinde zusammen.

Diese Helfer wissen, was die Flüchtlinge gerade benötigen, suchen zum Beispiel gerade nach Fahrrädern, oder organisieren regelmäßig den „Basar“ – eine Begegnungsmöglichkeit mit den Flüchtlingen. „Das ist sehr gut angenommen worden“, berichtet Pichelhofer.

„Vieles organisiert sich von selbst“, ergänzt er. Die Deutschlehrer würden sich etwa selbst absprechen. Der neue Kurs mit allen Lernmaterialien steht nun auch für die zuletzt angekommenen Flüchtlinge. „Das dürfte ziemlich gelöst sein.“ Beschäftigungsmöglichkeiten werden geboten, vom Grünschnitt bis hin zum Aufsammeln der Glasscherben am Hauptplatz.