Erstellt am 23. September 2015, 06:22

von Karin Widhalm

Richter-Haus bezogen: 15 Flüchtlinge sind da. Das Rote Kreuz nahm nach Adaptierungsarbeiten 15 junge Männer aus Syrien, Irak und Nigeria auf. Ein großes Problem ist die sprachliche Verständigung.

Das Rote Kreuz hat 14 Flüchtlinge in seinem Quartier in der Roseggergasse aufgenommen. Foto: Shutterstock/Zsolt Biczo  |  NOEN, Shutterstock/Zsolt Biczo

„Die Flüchtlinge sind heute angekommen und ich bin überzeugt, dass sie gut betreut werden.“ Bürgermeister Helmut Koch gab in seinem Bericht in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch bekannt, dass der erste Stock des Richter-Hauses bezogen wurde. Und brachte gleich ein Anliegen zur Abstimmung: Die Gemeinde stellt dem Roten Kreuz (RK) Müllcontainer zur Verfügung. Alle Gemeinderäte erklärten sich damit einverstanden.

„Gewaltiges Problem gibt‘s im Sprachlichen“

Die RK-Bezirksstelle veröffentlichte gleich auf der Infohomepage, dass 14 Flüchtlinge (mittlerweile sind’s 15) nun im Grundversorgungsquartier Roseggergasse aufgenommen wurden. Sie hat mittlerweile auch ihre Sachspenden-Liste verändert: Kleidung und Lebensmittel werden etwa benötigt.

Junge Männer im Alter von 20 bis 35 Jahren aus Syrien, Irak und Nigeria haben in Retz eine Bleibe gefunden. Angekündigt waren sie nicht: „Ich weiß nicht, was da organisatorisch schief gelaufen ist“, erzählt RK-Geschäftsführer Walter Tobeiner. „Aber es hat mit unseren vielen Freiwilligen gut geklappt.“ Alle konnten recht schnell ihre Betten beziehen.

„Ein gewaltiges Problem gibt‘s im Sprachlichen“, berichtet Tobeiner. Die Flüchtlinge können kaum oder gar kein Englisch. „Wir helfen uns mit Händen und Füßen“. Ein Dolmetscher kann allerdings telefonisch aushelfen. Schon am zweiten Tag begann der Deutschkurs in sechs Einheiten. Noch am Montagnachmittag wurde besprochen, wie das weitere Beschäftigungsangebot aussehen kann.

„Erwähnenswert ist, dass die Spenden- und Hilfsbereitschaft ganz toll ist“, freut sich der Geschäftsführer sehr darüber. „Zum Teil bringen die Menschen fertige Mahlzeiten vorbei oder bringen frisches Gemüse. Das ist wirklich super, besser könnte es nicht sein.“

Quote: Retz hätte genügend Quartiere

Koch hat den Flüchtlingen einen Besuch abgestattet: Sie seien angenehme Leute. Der Bürgermeister erzählt, dass die Stadtgemeinde nun insgesamt vier Quartiere für Flüchtlinge zur Verfügung habe. „Die Quote könnten wir erfüllen“, sagt er.

Die SPÖ-ÖVP-Koalition will mithilfe der Grünen beschließen, dass jede Gemeinde „im Bedarfsfall die erforderliche Anzahl von Plätzen für die Unterbringung von hilfs- und schutzbedürftigen Fremden bereitzuhalten“ habe, steht im Gesetzesentwurf. Die Quote liegt bei 1,5 Prozent der Bevölkerungszahl.

Das Rote Kreuz hat sich im Vorfeld auf Quartiersuche begeben. Zugleich meldeten Privatpersonen Interesse, ihre Immobilen an den Flüchtlingshilfeverein „menschen.leben“ zu vermieten. Die kleinen Quartiere sagen dem Bürgermeister zu. „Wenn 40 auf einen Schlag da sind, da hört dir ja nicht einmal jemand zu, wenn du kommst“, bezweifelt er, dass in solchen Fällen die Betreuung gut ausfallen würde.

Koch fürchtet, dass hinter Großquartieren eine Geschäftemacherei mancher Personen stehen könne. Die Retzer würden das nicht wollen, glaubt er.