Sitzendorf an der Schmida

Erstellt am 14. August 2016, 06:00

von Barbara Witzany

Doppelter Nutzen: Schutz mit der Natur. Ein zwölf Hektar großes Rückhaltebecken schützt einige Ortschaften der Gemeinde Sitzendorf vor Hochwasser und wurde ein Biotop der Artenvielfalt.

Beobachtet unter anderem am Roseldorfer Biotop das Vorkommen von Vogelarten und Insekten: Johannes Hohenegger.  |  Witzany

Im Jahr 2002 wurde begonnen, das Rückhaltebecken in Roseldorf zu errichten, 2004 wurde es fertiggestellt. Es erstreckt sich auf einer Fläche von zwölf Hektar und hat ein Fassungsvolumen von rund 250.000 Kubikmeter. In den vergangenen zwölf Jahren hat sich das Becken in seiner Funktion bewährt. Doch der Schutz vor Hochwasser ist nicht der einzige Nutzen der Anlage.

Das Gelände ist so gestaltet, dass sich die Schmida in einem natürlichen Lauf durch das Becken schlängelt und bei etwas stärkerem Regen bereits die vielen kleinen Teiche füllt. Seit 2004 ist auf diesen zwölf Hektar ein einmaliges Biotop entstanden. Verschiedene Tier- und Pflanzenarten haben sich angesiedelt.

103 Vogelarten wurden gesichtet

Johannes Hohenegger beobachtet seit Jahren die Entwicklung. Der junge Mann aus Kühnring hat nun eine Liste der gesichteten Vogelarten zusammengestellt. Diese ist in verschiedene Rubriken unterteilt. So wird unter anderem zwischen Brutvögeln, Nahrungsgästen, Durchzüglern, Wintergästen und Ausnahmeerscheinungen unterschieden. Insgesamt sind 103 Vogelarten angeführt. „Das Erstellen der Liste hat nicht sehr lange gedauert, ausgewiesene Spezialisten haben geholfen, aber zum größten Teil habe ich die Liste selbst erstellt“, erzählt Hohenegger.

Seine umfassende Kenntnis auf dem Gebiet der Vogelkunde erlangte der 20-jährige in den vergangenen zehn Jahren. „Damals habe ich mit der Makrofotografie begonnen und Insekten waren mein Motiv. Im Winter gab es keine Insekten zu fotografieren, daher habe ich mich auf Vögel spezialisiert“, führt Hohenegger aus. „Ich war öfters mit einem Lehrer und den lokalen Ornithologen unterwegs“, erzählt der junge Fotograf. Zudem hat er ein freiwilliges Umweltjahr bei Birdlife Österreich absolviert.

Nun besucht Hohenegger seit einem Jahr die Universität: „Ich studiere Landschaftsplanung. Dieses Fach ist praxisorientiert. Zukünftig wird man erneuerbare Energien brauchen, daher ist die Landschaftsplanung notwendig. Man wird einen Einklang mit der Natur finden müssen.“

Die Liste der Vogelarten möchte die Gemeinde Sitzendorf auszugsweise für eine Informationstafel beim Roseldorfer Biotop verwenden.

„Rückhaltebecken ist gut für Flora und Fauna“

„Mit diesem Projekt wurde die Natur gefördert. Das ist ganz wichtig für die Umwelt, gerade, wenn in der Region so intensiv Landwirtschaft betrieben wird“, betont Martin Reiter, Bürgermeister der Gemeinde Sitzendorf. Der angenehme Nebeneffekt des Rückhaltebeckens komme der Flora und Fauna zugute, freut er sich über den doppelten Nutzen.

Sein Amtsvorgänger Leopold Hummer hatte dieses große Projekt umgesetzt. „Schon während der Errichtung haben wir beobachtet, dass diverse Vogelarten in die Region kommen“, erzählt der ehemalige Bürgermeister und freut sich, dass der Natur etwas zurückgegeben werden konnte. „Es ist eine tolle Sache“, ist Hummer über die Artenvielfalt und Dokumentation derselben begeistert.