Erstellt am 04. Februar 2016, 11:48

von Sandra Frank

Rosenkrieg: „Fühle mich unschuldig“. Obwohl sie seit elf Jahren geschieden sind, treffen sich Ex-Partner regelmäßig – und zwar im Gerichtssaal. Zuletzt, weil der Mann Dokumente von der Frau mitgehen ließ.

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Sie sind seit elf Jahren geschieden, seit sieben Jahren lebt der Mann nicht mehr auf dem gemeinsamen Anwesen, doch „eine Unzahl an Prozessen“, wie es ein Anwalt ausdrückt, wird noch ausgefochten.

So fanden sich die Geschiedenen auch Ende Jänner am Bezirksgericht Hollabrunn ein. Im Oktober hatte der 59-Jährige aus dem Haus in einem Ort im Land um Hollabrunn einige Mappen mit Dokumenten seiner Ex-Frau und seiner Söhne entwendet. Die Anklage lautete auf Urkundenunterdrückung.

„Ich bin in mein Haus gegangen und da lagen die Dokumente auf dem Tisch“, schildert der Angeklagte. Er habe sie flüchtig angeschaut und mitgenommen, weil er seinen Namen wahrgenommen habe. Erst als er sie zuhause genauer durchsah, habe er den Irrtum bemerkt: Die Unterlagen betrafen nicht ihn, sondern seine Ex und die Söhne.

Ex-Mann gab Dokumente drei Monate nicht zurück

„Die Kontoauszüge habe ich eingeschrieben zurückgeschickt.“ Den Rest behielt er bis zum Tag der Verhandlung, um ihn direkt zu übergeben. „Das ist mir zu spät“, sprach Richter Erhard Neubauer den verstrichenen Zeitraum von drei Monaten an. „Wie hätt’ ich’s denn anders machen sollen?“, wollte der Forstwirt und Künstler wissen. „Na, eingeschrieben schicken!“ Das habe er wegen der schwierigen Situation mit seiner Ex-Frau nicht getan.

In den Mappen, die der 59-Jährige behalten hatte, waren Polizzen, Rechnungen sowie die Korrespondenz zwischen der Ex-Frau und ihrem Anwalt zu finden. Der Gleichaltrigen sei es sehr unangenehm gewesen, dass sich ihr Ex-Gatte in ihre Finanzen einlesen konnte. Einige Unterlagen hätte sie in der Zwischenzeit gebraucht.

Außerdem könne sich die Weinviertlerin nicht erklären, wie er ins Haus gekommen war. „Wir haben damals, als er ausgezogen ist, sofort die Schlösser austauschen lassen.“ Doch ihr Ex will davon nichts wissen: „Ich habe mit meinem Schlüssel aufgesperrt, es ist immer noch mein Haus.“

„Sie wissen seit Ende Oktober, dass das nicht Ihre Unterlagen sind, und haben sie nicht hergegeben“, begründete der Richter den Schuldspruch. Da der 59-Jährige die Unterlagen so lange bei sich behielt und viele Verfahren offen seien, hätte er sich einen Vorteil verschaffen können. „Ich fühle mich nicht schuldig“, meinte der Angeklagte. Weil er aber seine Ruhe haben wolle, nahm er die Geldstrafe über 400 Euro an.