Erstellt am 20. Januar 2016, 04:03

von Sandra Frank und Christoph Reiterer

S 3-Ausbau: Vetos sorgen für Empörung. Bürgermeister fordern, dass die Beschwerden zurückgezogen werden.

Haben null Verständnis für die Einsprüche des Forums Wissenschaft & Umwelt und der Umweltorganisation Virus: Guntersdorfs Bürgermeisters Roland Weber, Hollabrunns Bürgermeister Erwin Bernreiter, Wullersdorfs Bürgermeister Richard Hogl, Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer und Graberns Bürgermeister Herbert Leeb. Foto: Gschwindl  |  NOEN, Gschwindl

„Wir leben in einem Rechtsstaat – Gott sei Dank – und da muss man das akzeptieren“, sagt Guntersdorfs Bürgermeister Roland Weber hörbar verärgert über eine erneute Verzögerung.

Warum Menschen Einsprüche erheben, die gar keine Bezugspunkte zur Region haben, kann er nicht nachvollziehen. „Das ist eine Frechheit.“

„Die sollen sich hinstellen und das erklären.“
Guntersdorfs Bürgermeister Roland Weber
über die Beschwerdeführer

„Ich würde mich freuen, wenn sich einer von denen von mir zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung in Guntersdorf einladen lässt“, sagt Weber in Richtung der Beschwerdeführer.

Jene, die Einspruch gegen das Straßenbauprojekt eingereicht haben, sollen nach Guntersdorf kommen, um den Betroffenen persönlich ihre Gründe darzulegen. „Die sollen sich hinstellen, und das erklären!“

„Ich hoffe, dass das nur ein Strohfeuer ist“

„Als ich die Zeitung aufgeschlagen hab‘, hab‘ ich mir gedacht: Das kann ja nicht wahr sein!“, erfuhr Graberns Bürgermeister Herbert Leeb aus der NÖN von den beiden Einsprüchen, welche den Baubeginn der S 3 noch weiter hinauszögern könnten.

x  |  NOEN, Asfinag
„Die mischen sich bei uns zum Thema Lärmschutz ein ... die sollen sich einmal zu uns auf die Bundesstraße setzen und sich das anhören“, ist Leeb verärgert. „Ich hoffe, dass das nur ein Strohfeuer ist und trotzdem bald mit dem Bau begonnen werden kann.“

Auch Hollabrunns Stadtchef Erwin Bernreiter, Landtagsabgeordneter Richard Hogl und Nationalratsabgeordete Eva-Maria Himmelbauer finde es feige, aus der Ferne „quasi aus Jux und Tollerei“ Beschwerden zu führen und die Anrainer weiter im lärm und Dreck ersticken zu lassen. Was die Grundablöse für das Straßenbauprojekt betrifft, bitten sie alle Beteiligten im kooperatives Vorgehen.

FPÖ-Bezirksobmann Christian Lausch vermisse indes, „dass der Landeshauptmann der S 3 eine hohe Wertigkeit entgegenbringt“. Die S 3 ziehe sich über Jahrzehnte, während in anderen Teilen des Weinviertels zügig gebaut werde.

„Vielleicht ist es ein Wahlkampfgag und der Baustart wird auf Ende 2017 verschoben. 2018 sind ja Landtagswahlen ...“, spricht Lausch jenen Gedanken aus, der auch so manchem Anrainer bereits auf der Zunge liegt. Der Freiheitliche ist überzeugt, dass das Land das Projekt vorantreiben könnte, wenn es nur wollte. „Der Landeshauptmann ist ja nicht niemand. Er soll sich nicht kleiner machen, als er ist.“

Es verwundere jedenfalls nicht, dass immer mehr Menschen den Glauben in die Politik verlieren.

Zum Thema:


Zitiert:

„Es wäre einigen empfohlen, sich mit dem Verfahren und den Rahmenbedingungen vertraut zu machen. Der Bevölkerung werden rasche Lösungen vorenthalten.“
Für Wolfgang Rehm von der Umweltorganisation Virus wären Ortsumfahrungen die logische Lösung.

„Das würde ich ziemlich ausschließen.“
Wolfgang Rehm zur Frage eines Starts des S 3-Ausbaus noch in diesem Jahr.


Warum sind Sie ... so sauer über die Einsprüche?

x  |  NOEN, Archiv
Wilfried Hammer, Sprecher der S 3-Bürgerinitiativen.

NÖN: Der positive UVP-Bescheid ereilte die Region früher als erwartet. Jetzt gibt es zwei Einsprüche gegen den Ausbau der S 3. Haben Sie mit so etwas gerechnet?
Wilfried Hammer: Nein. Ich habe mir eher vorgestellt, dass es vielleicht zu Problemen bei den Grundablösen kommt. Mit Menschen, die selbst betroffen sind, aber das ... Wo sind wir denn, dass die Entscheidungen eines Ministeriums kritisiert werden?

Sind die Einsprüche Ihrer Meinung nach gerechtfertigt?
Bundesstraßen- Lärmimmissionsschutzverordnung – wenn ich das schon höre! Wer hat die Anrainer und Bewohner der betroffenen Orte in den letzten Jahrzehnten von Lärm und Dreck und Diesel-Gestank des immer mehr werdenden Verkehrs geschützt?

Wie ist die Stimmung in den Orten nach dieser Nachricht?
Die Stimmung in der Bevölkerung ist jetzt natürlich nicht erfreulich. Und wir werden alles daran setzen, dass diese Einsprüche abgewimmelt werden!