Erstellt am 18. Februar 2016, 12:09

von Sandra Frank

S 3-Einsprüche: „Geht ihnen nicht um die Sache“. Bürgermeister nicht überrascht von Schreiben des wissenschaftlichen Vereins

Wilfried Hammer will nicht auf sich sitzen lassen, „unzutreffend und unseriös“ zu argumentieren. Die Kritik des Forums Wissenschaft & Umwelt hat in ihm dem Kampfgeist geweckt. Er will sich mit den Herren, die das Antwortschreiben verfasst haben, treffen. Foto: Archiv  |  NOEN, Archiv

Zwei Einsprüche könnten, wie berichtet, den Ausbau der Weinviertler Schnellstraße S 3 im Zeitplan zurückwerfen. Eine Tatsache, der Anrainer auf jeden Fall entgegenwirken wollen. Daher baten die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden jene, die diese Einsprüche einbrachten, sie zurückzuziehen.

„Können auch den kritisieren, der das Auto erfunden hat“

Das Forum Wissenschaft & Umwelt erklärte den Gemeindechefs nun in einem Schreiben, dass sich die Beschwerde „keineswegs gegen die Entlastung der Bevölkerung in der Region“ richte.

Reinhold Christian und Peter Weish, die beiden Präsidenten des wissenschaftlichen Vereins, würden durchaus verstehen, wie belastend die jetzige Situation für die Bewohner sei, aber: „Das gegenständliche Projekt macht den Eindruck, dass es keineswegs die Entlastung der Menschen in der Region und die Steigerung ihrer Lebensqualität das Hauptziel darstellt“, heißt es in dem Schreiben an die Bürgermeister.

Es seien in erster Linie die „zum Teil groben Verfahrensmängel“, welche das Forum in seiner Beschwerde anprangert. Das Verfahren müsse ordnungsgemäß abgewickelt werden, weshalb sich die Kritik der Anrainer und Bürgermeister nicht gegen das Forum selbst, sondern gegen jene richten sollte, welche die Mängel verursacht haben.

„Ja, wir können alle kritisieren. Auch den, der das Auto erfunden hat. Der ist ja Schuld, dass jetzt so viele bei uns fahren“, kann sich Guntersdorfs Bürgermeister Roland Weber den Sarkasmus nicht verkneifen, als er das Antwortschreiben liest. Was für ihn klar hervorgehe, ist, dass es dem Forum Wissenschaft & Umwelt nicht um die Sache gehe.

„Er ist nicht respektlos. Er ist einfach ang‘fressen“

Einer, den aufgrund des Schreibens die Kampfeslust gepackt hat, ist Wilfried Hammer. Der Guntersdorfer ist Sprecher der Bürgerinitiativen, die sich entlang der B 303 formiert haben.

Als er von den Einsprüchen erfuhr, tat auch er seinen Unmut – gemeinsam mit den Bürgermeistern – kund. Das, oder zumindest seine Ausdrucksweise, missfiel dem Verein. „Das will ich nicht auf mir ruhen lassen. Ich kann schon höflich sein auch …“, sagt Hammer.

Landtagsabgeordneter Richard Hogl versteht Hammer: „Er ist nicht respektlos. Er ist einfach ang‘fressen.“ Die Antwort hat den Wullersdorfer Bürgermeister nicht überrascht. Er will jetzt auflisten, was im Worst Case durch die Einsprüche zu erwarten ist, um die Bürger darauf vorzubereiten. Und: „An die Verschwörungstheorien, die Asfinag hätte etwas damit zu tun, glaube ich nicht.“


ZITIERT

„Es geht ihnen nicht um die Leute, die hier wohnen. Auch nicht um Tiere, die vielleicht beeinträchtigt werden. Es geht ihnen einfach darum, dass sie recht haben.“
Bürgermeister Roland Weber, Guntersdorf

„Uns hat die letzten 20 Jahre auch keiner gefragt, wie es mit unserer Umweltverträglichkeit aussieht ...“
Wilfried Hammer, Sprecher der Bürgerinitiativen

„Auf dessen Niveau diskutiert das Forum Wissenschaft & Umwelt ganz sicher nicht.“
Aus dem Schreiben des wissenschaftlichen Vereins über „unzutreffende und unseriöse“ Aussagen von Wilfried Hammer.

„Das ist dann wahrscheinlich so, wie wenn ich in die Tischlade hineinred‘ ...“
Landtagsabgeordneter Richard Hogl würde sich gern persönlich mit dem Forum unterhalten, zweifelt aber doch an der Sinnhaftigkeit.