Hollabrunn

Erstellt am 06. Juli 2016, 04:02

von Sandra Frank

Tränen, Umarmung und Nervennahrung. Bevor die Freude auf die großen Ferien Einzug hält, wird’s in Hollabrunn beim Abschied von Schülerlotsin Dani noch sehr emotional.

Die Kelle in der einen Hand, ein offenes Ohr für die Kinder – im Bild Marissa und Oliver: Daniela Fleischmann liebt ihre Aufgabe als Schülerlotsin. Foto: Frank  |  Sandra Frank

Vor der Volksschule Kirchenplatz flossen – vor allem bei den Mädels – am vergangenen Freitag Tränen. Aber nicht, weil das Zeugnis so schlecht war, sondern, weil der Abschied so schwerfiel.

Nicht nur von Klassenkameraden und Lehrern, sondern auch der Abschied von Schülerlotsin Daniela Fleischmann. Die meisten kennen die 35-Jährige als eine von jenen Frauen, die im Stadtgebiet Strafzettel verteilt, wenn die erlaubte Parkdauer von zwei Stunden überschritten ist, oder die Parkuhr fehlt.

Doch morgens und zu Mittag ist sie am Schutzweg vor der Volksschule Kirchenplatz zu finden und sorgt dafür, dass die Kids sicher über die Straße gelangen. Das Verkehrsaufkommen ist zur Stoßzeit, zwischen 7.30 Uhr und 8 Uhr, enorm: 30 Busse sind es, die innerhalb von 20 Minuten am Kirchenplatz Schüler aussteigen lassen. Dazu kommen Eltern, die die Kinder selbst zur Schule bringen und der Berufsverkehr.

„Es gibt Schüler, die kommen auch später noch zu mir, einfach um zu reden.“

Daniela Fleischmann bleibt mit den Kindern in Kontakt.

Am letzten Schultag zeigt sich eines: Für die Schulkinder ist die ÖWD-Bedienstete weit mehr als eine Schülerlotsin, die für sie zwei Mal am Tag die Kelle schwingt. Sie ist eine Vertraute. „Es gibt Schüler, die kommen auch später noch zu mir, einfach um zu reden“, bleibt das Vertrauensverhältnis über Jahre bestehen.

„Dass einem das so nah‘ gehen kann, ist eigentlich ein Wahnsinn“, kämpft Fleischmann ebenfalls mit Tränen. Nach der Schulmesse verteilte sie „Nervennahrung“ an „ihre“ Kinder, die sie alle mit Namen kennt. Die Schüler werfen sich ihr weinend in die Arme. Der Abschied fällt besonders jenen schwer, die die Volksschule abgeschlossen haben und im September eine andere Schule besuchen werden.

Auch kleine Geschenke von den Eltern

Nicht nur die Kids sind wehmütig, die Eltern wissen ebenfalls genau, was sie an „ihrer Dani“ haben. „Unsere Ära geht zu Ende“, verabschiedet sich eine zweifache Mutter mit Tränen in den Augen von Fleischmann. Ihre beiden Kinder besuchten die Volksschule am Kirchenplatz. „Wenn ich daran denk‘, was wir für Probleme mit den Bussen hatten ... Aber ich hab‘ mich darauf verlassen können, dass Dani anruft und sagt, dass die Kinder noch da stehen.“

Von den Eltern gab’s zum Abschied kleine Geschenke, auch für Kollegin Franziska Wittmann, die zu Mittag am Koliskoplatz im Einsatz ist und den Lotsendienst übernimmt, wenn Fleischmann nicht da ist. „Gibst du das bitte der Franzi“, war es den Kindern wichtig, sich bei beiden zu bedanken.

Geschenke gibt’s für die zwei ÖWD-Damen aber nicht nur am letzten Schultag: In ihrem Büro gibt es eine eigene Ecke, die mit Fotos und Zeichnungen der Schüler geschmückt ist.