Erstellt am 20. Juli 2016, 07:29

von Karin Widhalm

Jugendlager: Vier Nationen im Miteinander. Jugendlager Gemeinden aus Österreich, Rumänien, Tschechien und Ungarn meistern einen europäischen Brückenschlag. Kinder lernen sich alljährlich näher kennen – und schätzen.

„Die Sprachbarrieren sind an den ersten zwei Tagen vorhanden, dann lösen sie sich von alleine“, erzählt Jugendbetreuerin Gabriela Havlíková. 79 Kinder aus Österreich, Rumänien, Tschechien und Ungarn im Alter von neun bis 15 Jahren verbringen eine Woche miteinander im diesjährigen Internationalen Jugendlager, diesmal in Podhradí (CZ) nahe der Thaya. Seefeld-Kadolz gehört wieder zu den Mitorganisatoren.

Die Marktgemeinde pflegt jahrzehntelange Kontakte zu Dobšice und Jaroslavice (CZ), noch länger zu Kaszón (ROU) und Abasár (HUN), wo der eigentliche Grundstein des Jugendlagers liegt. Der damalige Pfarrer führte die Seefelder und Großkadolzer ins ungarische Weinbaugebiet mit Kellern, die jenen im Weinviertel ähneln. Fachwissen wurde ausgetauscht, Freundschaften wurden geschlossen. Abasár hat wiederum gute Verbindungen zu Kaszón und die Öffnung der Grenze ließ die Begegnungen mit Jaroslavice und Dobšice gedeihen.

Das Jugendlager findet jedes Jahr in einer anderen der genannten Gemeinden statt. Podhradí (Freistein) erinnert an Hardegg: Das Dorf war ein beliebtes Sommerfrische-Ziel und ist über Serpentinen erreichbar, auf einem Felsen thront eine Ruine. Die bunt gestrichenen Hütten nahe der Thaya dienten als Lager für die Kinder aus Europa, mit Schwimmbecken, Tennisplatz und vielem mehr.

"Sie verstehen sich über die Gefühle"

Gemeinsame Spiele ermöglichen das erste Kennenlernen. Die Gruppe unternimmt Ausflüge, etwa zur Ruine Cornstein, fährt mit dem Schiff von Bitov nach Vranov, gestaltet Kaffeetassen in einer Keramikwerkstatt oder besichtigt die wichtigsten Bauwerke in Znaim. Phrasen und Wörter aus den anderen Sprachen werden langsam aber sicher erlernt.

Ansonsten hilft eines sehr gut: „Sie verstehen sich über die Gefühle“, erzählt Franz Weinwurm. „Am Ende werden immer Tränen vergossen, echte Tränen“, ergänzt Gemeindechef Georg Jungmayer (Seefeld-Kadolz). Die fünf Bürgermeister aus vier Nationen halten die Verbindung aufrecht. „Wichtig ist, dass der Kontakt bestehen bleibt“, betont Bürgermeisterin Aniko Lénártné Benei (Abasár).

„Die Kinder wissen gar nicht, was Grenze ist“, sieht Havlíková einen Fortschritt im Miteinander. Ein Brückenschlag gelang: Die Kinder halten die im Jugendlager gebildeten Freundschaften aufrecht – und zwar lange. Jungmayers Tochter war Jugendlager-Teilnehmerin – und trifft sich als Erwachsene regelmäßig mit ihren ungarischen Freunden.

Nächstes Jahr könnte die Slowakei als Partner hinzukommen, dann wäre die Nationenliste des Jugendlagers wieder reicher: Kinder aus Deutschland, Italien und selbst Ägypten waren schon vertreten.