Retz

Erstellt am 26. April 2017, 04:52

von NÖN Redaktion

Nach Prozess: „Pflegebedürftige in sicherem Umfeld“. Pflegeheim-Direktor Horst Winkler ist stolz auf seine Mitarbeiter, die sexuellen Missbrauch im Haus aufgedeckt haben.

Direktor Horst Winkler spricht über Herausforderungen und Veränderungen im Retzer Pflegeheim.  |  Archiv

Eine Pflegerin ertappte einen 85-jährigen Besucher im Landespflegeheim Retz mit der Hand unter der Bettdecke einer wehrlosen 90-jährigen Bewohnerin. Die NÖN berichtete in der Vorwoche über die Verurteilung des Mannes wegen sexuellen Missbrauchs zu einer teilbedingten Geldstrafe.

Pflegeheim-Direktor Horst Winkler nimmt zum Vorfall im Jänner 2017 Stellung: „Ich bin wirklich stolz auf unsere Mitarbeiter, die sehr energisch und rasch reagiert haben und eine Meldung erstattet haben.“

Winkler betont, dass das Retzer Landespflegeheim seit Jahrzehnten in ein offenes Haus verwandelt wird, um den Bewohnern „viel an Kontakten zu ermöglichen“. Das Team freue es, dass viele Besucher anzutreffen sind. „Die Herausforderung, dass dies einer besonderen Aufmerksamkeit für die Sicherheit der Bewohner bedarf, nehmen wir an.“

„Insasse“ sei nicht gebräuchlich und unzeitgemäß

Der Heim-Leiter unterstreicht, dass sich die pflegebedürftigen Menschen, die einen Großteil im eigenen Zimmer verbringen, in einer sicheren Umgebung befinden. Das Personal trage dazu bei: „Die Mitarbeiter unseres Hauses gehen eine Beziehung mit den Bewohnern ein, haben eine hohe Sensibilität für deren Wohlbefinden und können daher bei Irritationen, wie im gegenständlichen Fall, rasch reagieren.“

Das Haus lege außerdem großen Wert auf wertschätzende Begrifflichkeiten. Das Wort „Insasse“ sei im Retzer Heim nicht gebräuchlich und unzeitgemäß. Winkler zieht den „Duden“ als Bestätigung heran: „Insasse ist jemand, der sich in einem Fahrzeug befindet (1), jemand, der in einem Gefängnis, einem Lager oder Ähnlichem festgehalten wird (2) und jemand, der in einem Heim lebt. Gebrauch: veraltet (3).“

Die Verwendung dieses Begriffs im Zusammenhang mit Bewohnern sei nicht nur unangebracht, sondern auch verletzend, ergänzt der Retzer Direktor. „Menschen, die Betreuung benötigen, leben und wohnen bei uns; sie tun dies freiwillig und selbstbestimmt; sie sind weder eingesperrt noch festgehalten.“

Sie würden sich in besonderer Situation befinden und besondere Unterstützung, aber auch Respekt und Menschlichkeit benötigen. „Unselige Zeiten anstaltstypischer und geschlossener Systeme gehören der Vergangenheit an. Ich lade daher alle ein, dass wir uns von veralteten Begriffen trennen.“