Hadres

Erstellt am 21. August 2016, 05:58

von Christian Pfeiffer

Künstlerin von Samsonow: „Hadres war eine Punktlandung“. Die NÖN sprach mit Elisabeth von Samsonow über ihren Wunschort & ihre Kunst.

Elisabeth von Samsonow vor einem Selbstporträt, das sie 1986 malte und vor Kurzem zu ihrem 60. Geburtstag wiederfand.  |  NOEN, Christian Pfeiffer

Seit 17 Jahren lebt und arbeitet die in vielen Disziplinen tätige Künstlerin Elisabeth von Samsonow bereits in Hadres und der Charme, der sie damals bezaubert und von dem Ort überzeugt hat, scheint keineswegs gewichen. Für Samsonow ist Hadres nach wie vor eine „Punktlandung“.

Ursprünglich hat sie die Suche nach einer Werkstatt für ihre größeren Arbeiten, die zum Teil aktuell in Krems in der Ausstellung „Transplants“ zu sehen sind, in den Ort verschlagen. Konsequenterweise hat sie dann auch gleich ihren Freundeskreis nach Hadres „verschleppt“, wie Samsonow es ausdrückt. Heute sagt sie von sich selbst: „Ich bin eine bekennende begeisterte Hadresserin.“

NÖN: Sie sind sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch tätig, eine nicht alltägliche Kombination.

Elisabeth von Samsonow: Für mich ist Kunst ein Forschungstypus. Ich kann mir für mich nicht vorstellen, das eine ohne das andere zu denken. Ich möchte gerne die Philosophie mit beiden Händen in die Kunst reinschaufeln und so mehr Sinne ansprechen. Ich habe so vor allem in den letzten zehn Jahren entdeckt, was Kunst kann. Ich bin die Theorie-Praxis-Verschränkung.

„Pflanzen ermöglichen die Biosphäre unseres Lebens

Versuchen Sie, diese Haltung an Ihre Studenten an der Akademie der bildenden Künste in Wien weiterzugeben?

Das Künstlerbild hat sich in den 20 Jahren meiner Lehrtätigkeit enorm gewandelt. Früher gab es eine striktere Trennung, aber heute gehört Forschung zum Selbstverständnis eines Künstlers dazu. Das Ziel ist eine mehrdimensionale Qualifizierung. Man kann nicht in einem luftleeren Raum Künstler sein. Es bleibt einem nicht erspart, sich zu erkundigen.

Was fasziniert Sie an einem Ihrer Hauptmaterialien, dem Holz, besonders?

Da ist zum einen der Aspekt, dass die Pflanzen unsere Umwelt schaffen. Sie erst ermöglichen die Biosphäre unseres Lebens. Und zum anderen, ein Baum bleibt trotz Bearbeitung zu einem großen Teil ein Baum. Es sind leibliche Überreste von Großpflanzen, die weiterleben, zum Beispiel im Duft.

Ist Holz in der Be- bzw. Verarbeitung schwierig?

Vor allem ist es harte Arbeit, aber das macht mir nichts aus. Ich arbeite überwiegend mit Lindenholz, weil es das beste Schnittholz ist. Zudem habe ich mich auch mit der Geschichte der Kultivierung befasst und mit Goethes Pflanzenforschung.

Wie werden Sie von den Hadressern wahrgenommen?

Mir kommt hier sehr viel Hilfe entgegen. Im Ort gibt es eine große Solidarität. Ich glaube, ich werde als jemand wahrgenommen, der etwas leistet, also der Respekt vor dem physischen Einsatz. Wenn ich in meiner Werkstatt arbeite und das Tor öffne, bleiben die Leute stehen, plaudern und erkundigen sich. Das ist schön.

Was hat für Sie den Ausschlag gegeben für Hadres?

Die wunderschöne Gegend, auch wegen des Weins, der eine Indikation für gutes Klima ist. Ein anderer Aspekt war die intelligente Architektur der Hofhäuser hier, die man gar nicht überbieten kann. Und natürlich auch ein ökonomischer Faktor, nämlich der Luxus an Platz für meine Arbeit.