Hollabrunn , Krems

Erstellt am 11. Juli 2016, 07:24

von Jutta Hahslinger

Stein-Insasse schickte falsche Enkel & Söhne. 6.000 Euro beim Pokern verzockt - da kam der Neffentrick ins Spiel.

Symbolbild

Bis zu 6.000 Euro habe er beim Pokern an Mithäftlinge in Stein verloren, erzählt der 31-jährige Maher M. vor Gericht. Spielschulden sind Ehrenschulden, das gelte auch hinter Gittern und eine rasche Bezahlung sei ratsam für die Gesundheit, lässt er Richterin Monika Fasching-Lattus wissen. Da habe er halt auf Altbewährtes zur Geldbeschaffung, den Neffentrick, zurückgegriffen, erzählt er.

Als Eingesperrter gehandicapt, habe er Kontakt nach draußen gebraucht und in einer Verliebten und in einem guten Bekannten willige Helfer für die Geldabholung und den Transfer gefunden. Den Rest, hilfsbereite, betagte Damen zu kontaktieren und zu beschwatzen, habe er selbst erledigt, gesteht er ein.

Tatsächliche Angehörige griffen ein

Über 7.000 Anrufe tätigte M. von der Zelle aus. Erst in Stein, dann in der Justizanstalt Sonnberg. Er fand einige gutgläubige Damen, denen er als Neffe, Enkel oder Sohn mit Leidensgeschichten (brauche Operation wegen Samenstau) Geld entlockte. „Weil das Ableiten des Samens so beschwerlich ist. Gab Ihnen das bei den Opfern einen doppelten Kick?“, will die Richterin wissen.

M. belässt es bei einem süffisanten Grinsen im Gesicht und schweigt dazu. Auf die Frage, wie er an die sieben Handys im Gefängnis gekommen ist, erklärt er lapidar: „Ausgeborgt, gemietet.“

Der Großteil des ergaunerten Geldes (über 10.000 Euro) sei dann direkt an die Pokerpartner geflossen, erzählt er und bekennt seufzend: Die angebahnte Übergabe von rund 90.000 Euro sei am Eingreifen von tatsächlichen Angehörigen der Opfer gescheitert.

M., der gerade eine sechsjährige Gefängnisstrafe wegen Betruges mit dem Neffentrick verbüßt, bekam eine dreieinhalbjährige Haftverlängerung.