Erstellt am 13. April 2016, 04:04

von Sandra Frank

Sonnbergs Anstaltsleiter zerstreut FP-Bedenken. Justizanstalt bewege sich mit „Essen auf Rädern“ auf dünnem Eis, meint Christian Lausch.

Die Justizanstalt Sonnberg kocht nicht nur täglich für 350 Insassen, sondern jetzt auch etwa 30 Portionen »Essen auf Rädern«. Foto: Sandra Frank  |  NOEN, Sandra Frank

„Doch!“, sagte Stadträtin Elke Stifter (SPÖ), als FP-Mandatar Christian Lausch in der Gemeinderatssitzung anzweifelte, dass es in der Justizanstalt (JA) Sonnberg einen Diätkoch gibt.

Der Parlamentarier besuchte nun die Anstalt, um sich davon zu überzeugen. Das Fazit: Einen ausgebildeten Diätkoch gibt es nicht. Noch nicht.

„Wir sind die erste Anstalt in Österreich,
die Essen auf Rädern macht.“
René Zeitlberger, Leiter Wirtschaftssektor

Zur Erinnerung: Die Gemeinde musste den Service „Essen auf Rädern“ neu vergeben, weil festgestellt wurde, dass die Zubereitung der 30 bis 40 Portionen im Studentenheim unterm Strich nicht wirtschaftlich sei. Die Hollabrunner Gastronomen seien laut Stifter befragt worden, doch keiner habe eine Versorgung für 365 Tage im Jahr garantieren können.

Hier kam die Justizanstalt ins Spiel. Dort wird das ganze Jahr täglich für 350 Insassen gekocht. Der Beschluss im Gemeinderat, dass „Essen auf Rädern“ künftig in der Anstalt zubereitet werden soll, erfolgte einstimmig.

Gemeinderat Lausch betont, dass er der Justizanstalt keinesfalls die Qualität der Mahlzeiten absprechen wolle: „Es geht mir um die Bediensteten und nicht um politisches Hick-Hack.“ Denn rechtlich bewege sich die Anstalt auf dünnem Eis. „Null Gewinn für die Beamten, aber ein hohes Risiko“, bringt er seine Bedenken auf den Punkt.

Ein Diätkoch müsste, wie es auch in Krankenhäusern der Fall ist, jede Mahlzeit absegnen, um sich abzusichern, falls beim Konsumenten Probleme auftauchen. Als Beispiel nennt der freiheitliche Abgeordnete etwa Diabetiker, die gesundheitsbedingt besonders darauf achten müssen, was sie zu sich nehmen. Ein Fehler könnte fatale Folgen haben.

„Wir haben schwierige Insassen, die
sich über alles beschweren – nur nicht
über die Verpflegung.“
Franz Neuteufel, interimistischer Leiter

„Das ist ja keine neue Materie für uns, wir haben jetzt auch Insassen, die Diätessen bekommen“, sagt Franz Neuteufel, interimistischer Leiter der Justizanstalt. „Wir haben unsere Speisepläne einer Diätologin vorgelegt. Wir haben auch vor, ihr Rezepte zu schicken, damit sie drüberschauen kann“, sagt René Zeitlberger, Wirtschaftsleiter der Anstalt, der selbst die Ausbildung zum Diätkoch hat.

Ein Beamter, der gelernter Fleischhauer ist und bereits über Küchenerfahrung verfügt, wird die Ausbildung zum Diätkoch machen. „Wir erfüllen alle Erlässe und Vorschriften, die es gibt. Unser Essen ist in Ordnung“, will sich Neuteufel die Leistungen in seiner Anstalt keinesfalls schlechtreden lassen. „Wir haben schwierige Insassen, die sich über alles beschweren – nur nicht über die Verpflegung.“

Lausch will Beamte abgesichert wissen

Außerdem: „Wir brauchen gar keinen Diätkoch. Ich wundere mich, dass das jetzt darauf aufgehängt wird.“ Das wurde der Anstalt auf Rückfrage von der Wirtschaftskammer auch schriftlich bestätigt. „Als Absicherung für die Beamten“, macht Lausch seinen Standpunkt erneut klar.

Selbst wenn ein Insasse eine entsprechende Ausbildung hätte, „kann man den nicht zur Verantwortung ziehen, wenn etwas schiefgeht“, weiß der FPÖ-Politiker. Die Verantwortung tragen die Beamten.

„Unser Vertragspartner ist die Gemeinde. Wir sind nur für die Produktion verantwortlich“, betont Zeitlberger. Täglich werden die Portionen von ehrenamtlichen Fahrern um 10.45 Uhr aus der Justizanstalt abgeholt – mit einem Fahrzeug der Gemeinde.

Es gab einen Probebetrieb, und: „Eine Portion wird als Referenzessen eingefroren“, berichtet Neuteufel, dass das Gefängnis auf Nummer sicher gehe. Sollte es doch zu Problemen kommen, dann „sind wir bereit, Verantwortung zu übernehmen“, stellt er klar.

Die Justizanstalt wolle sich mit diesem Projekt keinesfalls bereichern, betont der Wirtschaftschef. Als die Gemeinde anfragte, „haben wir sogar angeregt, noch andere Anbieter zu fragen“, berichtet Zeitlberger, der das Vorhaben auch mit der Wirtschaftskammer abgesprochen hat. Auf Erfahrungswerte konnte dort nicht zurückgegriffen werden, denn: „Wir sind die erste Anstalt in Österreich, die Essen auf Rädern macht.“

Übrigens: Als Einstandsessen gab’s Schinkenfleckerl.

NÖN.at hatte berichtet:


Zitiert:

„Wenn der Koch, der alles kochen kann, ein Insasse ist, na dann gute Nacht.“
Nationalrat Christian Lausch fürchtet um die rechtliche Absicherung der Justizanstalt.

„Eine Stadträtin Stifter hat nie mit uns gesprochen.“
Wirtschaftsleiter René Zeitlberger

„Ich halte es für Unsinn, dass gesagt wird, kein Wirt kann die Versorgung das ganze Jahr über garantieren. Keiner sagt, dass ihr das nicht könnt.“
Lausch stellt die Vorgangsweise der Gemeinde infrage, nicht aber das Können der Anstalt.

„Es war uns ein Anliegen, die Gemeinde zu unterstützen.“
Zeitlberger erklärt, weshalb die JA den Auftrag angenommen hat.

„Wir führen Gesundheitsuntersuchungen durch, die wir nicht machen müssen. Wir erfüllen einen höheren Standard, als wir müssten.“
Franz Neuteufel, interimistischer Leiter der Haftanstalt.

„30 Essen mehr. Das ist beim Kochen ja nix.“
Zeitlberger versichert, dass der Auftrag bewältigt werden wird.