Erstellt am 19. Mai 2016, 03:04

von NÖN Redaktion

SozialMarie für den Generationengarten. Der Vorgarten des Landespflegeheims begeisterte die Jury. Das Retzer Team freut sich über die „große Wertschätzung“.

Direktor Horst Winkler mit den Preisträgern für das Wiener Projekt »Kontaktepool Sprachencafé« mit Barbara Niklas (r.) und das tschechische Brustkrebsfrüherkennungsprojekt »#prsakoule« mit Katerina Vackova (3.v.l.).  |  NOEN, (c) www.annarauchenberger.com /

Die SozialMarie zeichnete im Mai zum zwölften Mal sozial innovative Projekte zur effektiven Lösung gesellschaftlicher Probleme aus. 280 Projekte aus Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, aber auch Slowenien und Kroatien wurden eingereicht. Die Preisverleihung war im ORF RadioKulturhaus – und Horst Winkler, Direktor im Landespflegeheim in Retz, mit dabei.

Isolierte Gruppen werden zusammengebracht

„Die Qualität der eingereichten sozial innovativen Projekte ist in den letzten Jahren enorm gestiegen“, ist Wanda Moser-Heindl begeistert. Sie rief mit ihrem Mann Fritz den Preis 2005 ins Leben. „Die Projekte zeichnen sich zunehmend durch die interdisziplinäre Beteiligung der Betroffenen in Gemeinschaftsprojekten und künstlerischen Vorhaben aus.“ Der Gemeinschaftsgarten vor dem Retzer Pflegeheim zählt zu diesen Projekten.

Mithilfe dieses Gartens wurden Gruppen, die andernorts oft isoliert voneinander leben, zusammengebracht. Ein Beispiel: Pflegeheim-Bewohner legten mit Angehörigen, Mitarbeitern und freiwilligen Helfern, aber auch Mietern des benachbarten Betreuten Wohnens und Volksschülern Hochbeete und eine Kräuterschnecke an, die nach wie vor gepflegt werden.

Wiener holten 15.000 Euro für den ersten Preis

Der Vorgarten spricht mehrere Generationen an: Fühlwand, Klangspiel, Korbball, Wellenbank oder die Stufen auf den Spielhügel werden von Jung, Alt und zu therapeutischen Zwecken genutzt. Der Verein Cogo hält regelmäßig Veranstaltungen ab, sodass auch Jungfamilien oft beim und im Pflegeheim anzutreffen sind.

Der Generationengarten gehört zu den zwölf Projekten, die mit der SozialMarie und einem Preisgeld von 2.000 Euro bedacht wurden. Direktor Winkler sieht dies als „große Wertschätzung“, die dem Projekt auf diese Weise entgegengebracht wurde. „Das Preisgeld wird natürlich wieder in den Garten investiert werden“, versichert er.

Eine höhere Belohnung erhielten die ersten drei SozialMarie-Plätze. Der erste Preis mit 15.000 Euro ging an „Displaced. Space for Change“ (Wien). Architektur-Studenten machen mit Asylsuchenden das größte Flüchtlingsquartier in der Hauptstadt, ein ehemaliges Finanzamtsgebäude, bewohnbar. Das Rote Kreuz trägt alle Aktionen mit, die dort Wohnenden beteiligen sich mit großem Engagement. Kabarettist Josef Hader war bei der Verleihung einer der prominentesten Gäste.


Hintergrund

Die SozialMarie ist der älteste Preis für soziale Innovation in Europa. Zu den Vergabekriterien gehören neben dem Neuheitswert von Lösungen für soziale Probleme vor allem das Erreichen der jeweiligen Zielgruppen und die effektive Umsetzung.

Von einer Experten-Jury werden jährlich 15 hervorragende Projekte mit Preisgeldern in Höhe von 54.000 Euro gewürdigt: Petra Radeschnig (Organisationsberaterin), Josef Hochgerner (Zentrum für Soziale Innovation), Ana Kaderábková (Zentrum für Innovationsstudien), Eva Kovács (Institut für Soziologie), Barbara von Melle (Journalistin, Moderatorin), Marlies Sutterlüty (Sozialarbeiterin, Lektorin an der Fachhochschule Campus Wien).

In den letzten elf Jahren hat man aus über 2.470 Einreichungen 165 Projekte mit 474.000 Euro ausgezeichnet. Auch im Jahr 2016 hat die Jury 15 Preisträger aus 32 nominierten Projekten gewählt.

2016 übernimmt in Österreich Josef Hader (Schauspieler, Regisseur, Kabarettist), in Ungarn Zsófia Mautner (Bloggerin, Autorin, Moderatorin) und in Tschechien Pavel Kysilka (Top-Manager, Ökonom) den Ehrenschutz. Sie begleiten die von ihnen ausgewählten Projekte im darauffolgenden Jahr.

Der erste Preis ist 2016 mit 15.000 Euro dotiert, der zweite mit 10.000 und der dritte mit 5.000 Euro; weitere zwölf Preise mit 2.000 Euro.


Jury-Wertung: „Einfach innovativ, einfach wunderbar“

„Ein Pflegeheim ist normalerweise nicht unbedingt ein anziehender Ort. In Retz ist es gelungen, in einem gut durchdachten Prozess unter Einbeziehung aller relevanten Akteure genau dort einen öffentlichen Ort für die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen zu schaffen: ein Garten ohne Zaun und Barrieren als Begegnungsraum für jene, die dort oder woanders wohnen. Das ist gesund für den einzelnen Menschen und für das soziale Gefüge, es steigert die lokale Lebensqualität und das Interesse aneinander und verringert so die Isolation nicht nur der Bewohner. Ein Pflegeheim wurde in einen lokalen Treffpunkt für alle verwandelt. Einfach innovativ, einfach wunderbar.“
Petra Radeschnig, Jurykoordinatorin