Erstellt am 18. Februar 2016, 04:54

von Sandra Frank

Straßensperre und Co.: Verwechslung sorgte für wilde Szenen!. Harmlose Anrainer für Einbrecher gehalten: Vor Vazirnezamis Haus spielten sich wilde Szenen ab, ausgelöst vom Gemeindearbeiter. Bürgermeister entschuldigt sich.

 |  NOEN, Erwin Wodicka/wodicka@aon.at

Mit Autos und einem Anhänger wurde eine Straßensperre errichtet, drumherum scharten sich die Schaulustigen, Polizei und sogar ein Kriminalbeamter in Zivil waren vor Ort. Diese Szene hat sich nicht etwa im neuesten Polt-Werk zugetragen, sondern mitten in Kammersdorf.

„Ich hab’ schon gedacht, die beiden
haben eine Leiche begraben und die
ganzen Leute haben dabei zugeschaut.
So ernst war die Lage.“
Djahan „Jimmy“ Vazirnezami

„Das war ein schönes Theater“, erinnert sich Djahan Vazirnezami, der in Kammersdorf besser unter dem Namen Jimmy bekannt ist, an den im Jänner. „Ich habe nur gehört, wie jemand gegen die Tür gedroschen hat“, erzählt der gebürtige Iraner, wie für ihn alles begann. Sein Sohn Arman habe die Tür geöffnet.

Der Mann vor der Eingangstür habe geschrien: „Ihr werdet alle abgeführt.“ Als Vazirnezami schließlich zur Tür kam, war er sprachlos.

„Autos standen auf der Straße, der Weg war mit einem Anhänger versperrt. Es standen auch viele Leute da, aber keiner wusste genau, was los war“, beschreibt der Wochenend-Kammersdorfer das Bild, welches sich ihm bot. Sogar die Polizei war vor Ort. Alles erinnerte fast an Szenen wie im Wilden Westen.

Vazirnezami: „Ich hab’ schon gedacht, die beiden haben eine Leiche begraben und die ganzen Leute haben dabei zugeschaut. So ernst war die Lage.“

Duo hatte nur die Häuser anschauen wollen

Zuvor waren sein 20-jähriger Sohn und sein Neffe, 31, spazieren. „Mein Sohn wollte ihm die Vogelau zeigen.“ Dabei seien die beiden jungen Männer durch den Ort gegangen und hätten sich die Häuser angeschaut. Eine Tatsache, die den Wirbel ausgelöst habe.

„Ich versteh’ schon, dass man vorsichtig sein muss. Bei uns in der Siedlung wurde mehrmals eingebrochen“, sagt Vazirnezami, dass auch er aufmerksam sei, wenn Fremde durch den Ort gehen, aber: „Wenn die Leute meinen Sohn schon nicht erkennen, aber sie kennen doch mich!“, ist er über die Reaktion des Mannes verärgert. Dieser ist Gemeindearbeiter und war bereits bei ihm im Haus.

Gemeindechef Pompe: „Da wurde überreagiert“

Seit 30 Jahren ist der gebürtige Iraner in Österreich, seit 1999 sei er in Kammersdorf, zumindest am Wochenende. „Ich habe dort viele Freunde und bin überall dabei“, sei er in der Gemeinde kein Unbekannter.
„Mein Neffe ist Geschäftsmann und kann heute darüber lachen, aber es war eine unangenehme Situation.“

Nach dem Vorfall war Vazirnezami beim Bürgermeister, um sicherzustellen, dass der Gemeindearbeiter sein Haus in Zukunft nicht mehr betritt. „Der hat nichts mehr bei mir zu suchen. Der gehört ja in ein Narrenhaus und nicht in die Gemeinde.“

„Ja, da wurde leider überreagiert“, ist dem Gemeindechef Gottfried Pompe, der besagten Arbeiter als „Häferl“ beschreibt, der Vorfall peinlich.

x  |  NOEN, Archiv

Warum die Kammersdorfer so sensibel reagiert haben, kann er nachvollziehen. „Es ist mehrmals eingebrochen worden. Die beiden sind durchs Dorf gegangen und haben sich angeblich die Grundstücke ganz genau angeschaut.“

Das haben einige Kammersdorfer bemerkt und verunsichert bei der Gemeinde angerufen. Deswegen wurde auch der Gemeindearbeiter geschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Danach sei die Lage aber außer Kontrolle geraten.