Erstellt am 25. Februar 2016, 04:59

von Sandra Frank

Streit unter Nachbarn: „Ich mach‘ dich tot!“. Obwohl der Angeklagte beteuerte, unschuldig zu sein, nahm er die Geldbuße, die ihm aufgebrummt wurde, ohne Protest hin.

 |  NOEN, Renate Hinterndorfer
In einem kleinen Ort im Retzer Land kam es im Mai des Vorjahres zu Handgreiflichkeiten zwischen Nachbarn. Der Angeklagte (38), ein Serbe, war sich aber keiner Schuld bewusst, fühlte sich eher als Opfer.

Er habe mit seinem Bruder telefoniert, am offenen Fenster. Sein Nachbar sei samt Lebensgefährtin und Hunden zu seinem Haus gekommen und habe ihn wüst beschimpft, schildert der Angeklagte am Bezirksgericht Hollabrunn vor Richter Erhard Neubauer.

„Danach haben sie mich beide geschlagen“, behauptet der Serbe.

Nachbar berichtet ganz anders von Vorfall

Alkoholisiert seien sie ebenfalls beide gewesen. Die Rangelei habe bei der Eingangstür stattgefunden. Diese sei nun beschädigt.

Außerdem seien auch die beiden Hunde der Zeugen im Haus des Angeklagten gewesen. Seine Kinder hätten Angst gehabt.

Ganz anders berichtet der 41-jährige Nachbar von dem Vorfall. Er sei mit seiner Lebensgefährtin auf der Terrasse gesessen, als er „eine Schreierei“ auf der Straße gehört habe. Der Angeklagte, dessen Gattin und Kinder seien auf der Straße gewesen. „Der Angeklagte stürmte auf mich los und hat aufgeschrien“, erzählt der 41-Jährige.

Zeugin bestätigte die Version des Opfers

Seine Lebensgefährtin habe versucht zu schlichten. „Er wollte auch sie schlagen“, erinnert sich der Zeuge. Schließlich sei der Angeklagte ins Haus gerannt. „Seine Frau und sein Sohn haben sich bei uns für sein Verhalten entschuldigt.“

Die Streiterei habe sich auf der Straße abgespielt, weder am Grundstück und schon gar nicht im Haus des Angeklagten. Die Hunde seien nicht im fremden Haus gewesen. Der 41-Jährige sei durch das Gerangel zu Sturz gekommen und habe sich das Sprunggelenk gezerrt.

Während Familienmitglieder die jeweiligen Versionen des Nachbarschaftsstreits bestätigten, sagte auch eine nicht verwandte Zeugin aus dem Ort aus. Sie habe gerade die Fensterbretter gewischt, als sie einen Tumult auf der Straße bemerkte. Sie habe auch gehört, wie der Angeklagte „Ich mach‘ dich tot“ gesagt habe.

Obwohl der Beschuldigte an seiner Version festhielt, stimmte er einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldstrafe zu. Schmerzengeldforderung (1.300 Euro) samt Anwaltskosten ist er ebenfalls bereit zu bezahlen.