Erstellt am 22. Juni 2016, 03:15

von Christian Pfeiffer

Bahnfahrt nach Stockerau wird teurer. Die Abschaffung des alten Zonen-Modells bringt für den Hollabrunner Bezirk Fahrpreisänderungen mit sich.

 |  NOEN, VOR

Ab 6. Juli gelten die neuen Tarife des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR), die nicht mehr auf der Basis eines komplizierten Zonenplans errechnet werden, sondern kilometerbezogen. Bestehende Zeitkarten bleiben bis zu ihrem Ablaufdatum gültig.

„Denksportaufgabe des Zonen-Zählens entfällt“

„Die Denksportaufgabe des Zonen-Zählens entfällt, Ausnahmeregelungen gibt es nicht mehr“, erklärt VOR-Geschäftsführer Thomas Bohrn. Dementsprechend bewirbt das Unternehmen die Umstellung als „Einfach. Fair. Umfassend.“, was jedoch nicht allen regelmäßigen Nutzern vollends einleuchten mag.

Mario Witek moniert in seinem Facebook-Beitrag einer lokalen Pendlergruppe: „Möchte kritisieren, dass die Internetseite, wo man das ausrechnen kann, sehr unübersichtlich ist, und wenn man bei den ÖBB anruft, bekommt man gesagt, man soll bitte auf der Internetseite nachsehen.“

Satte 15,7 Prozent mehr für Fahrt in Lenaustadt

Pendler sehen in der „für den Verkehrsverbund einkommensneutralen Umstellung“, wie es Christina Bachmaier von der VOR-Presseabteilung ausdrückt, aber noch ein praktisches Problem. In den neuen Tarifen sind auch die jeweiligen öffentlichen Verkehrsmittel des Zielorts eingerechnet.

„Darin sind Busverbindungen inkludiert, die ich als Hollabrunner gar nicht benötige oder nutze, aber mitbezahlen muss. Keine Chance, nur das zu bezahlen, was man auch nutzen will“, sagt Öffi-Nutzer Wolfgang Engel.

Bei der Neukalkulation der Preise ist der Bezirk insgesamt eher glimpflich davongekommen. Eine negative Ausnahme bildet die Strecke von Hollabrunn nach Stockerau. Der Preis für die Jahreskarte erhöht sich um 105 Euro oder satte 15,7 Prozent.

Markus Wu weist in einem Posting darauf hin, dass die eigentliche Preiserhöhung bereits im März dieses Jahres erfolgt sei. So sei der Preis für die Strecke von Retz nach Wien, inklusive der Wiener Kernzone, bei monatlicher Abbuchung von 1.216 Euro im August 2013 bis zum März 2016 auf 1.380 Euro gestiegen. Mit der Tarifumstellung geht der Preis noch einmal nach oben, auf 1.672 Euro.

Christian Gratzer vom VCÖ sieht trotz allem Potenzial, mit der Umstellung neue Kunden für den öffentlichen Verkehr zu gewinnen: „Insgesamt ist der öffentliche Verkehr für Pendler mit einer Jahreskarte immer deutlich günstiger als das Pendeln mit dem Auto.“

Dazu bringt er ein Beispiel für die Strecke von Hollabrunn nach Wien, inklusive Kernzone: „Wenn man das amtliche Kilometergeld von 42 Cent zugrunde legt, kostet ein Jahr mit dem Auto auf dieser Strecke rund 7.450 Euro.“ Das sei ein Mehrfaches der Jahreskarte und Gratzer fügt hinzu: „Wer mit der Bahn statt mit dem Auto pendelt, vermeidet pro Jahr im Schnitt rund 3.600 Kilogramm CO2.“

Warum die Umstellung von der Zonenberechnung zum neuen System so lange gedauert hat, erklärt Bachmaier so: „Für das neue Tarifsystem musste sehr viel Vorarbeit geleistet werden. Alleine die technische Umsetzung hat gedauert, da alle Automaten und Busverkaufsgeräte entsprechend programmiert oder ausgetauscht werden mussten – und im Verbund sind 42 Partnerunternehmen.“