Erstellt am 11. Dezember 2015, 11:58

von Karin Widhalm

Thaya-Trubel in Wort. Therese Bergmann spürte mit Zeitzeugen die Epoche der Neunmühlen und Sommerfrischler entlang der Thaya auf.

Präsentation mit Manfred Nigl, Therese Bergmann, Josef Vlasác. Foto: Karin Widhalm  |  NOEN, Karin Widhalm

„Ich hab' gedacht, außer der Windmühle gibt's gar nichts“, lächelt Therese Bergmann. Die Retzerin stolperte in Znaim über Neunmühlen, eine längst verschwundene Welt an der Thaya, und war fasziniert. Sie schrieb ein Buch, das vorigen Donnerstag vorgestellt wurde. Zeitzeugen kamen im Stadtamt zu Wort.

Gästehaus wurde zur Gruber-Mühle gebaut

„Wir Buam haben die Schule geschwänzt, nur damit wir dorthin fahren können“, erzählte etwa Erich Landsteiner. Eine Tagesreise benötigte er, um das Korn nach Neunmühlen und das Mehl wieder zurückzubringen. Unbestritten ist, dass die Wassermühlen für das (Wirtschafts-)Leben wichtig waren.

Die Sommerfrische-Zeit kam später. Ein Gästehaus wurde zur Gruber-Mühle gebaut. Das Hotel war ein beliebtes Ziel für Wiener: Tagsüber wurde in der Thaya gebadet, abends getanzt. Das fällt in eine Phase, als die Nordwestbahn bis nach Berlin führte, rief Historiker Jiøi Kacetl ins Gedächtnis.

Weltkrieg: Das Militär war plötzlich präsent

Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen veränderten alles: Die deutschsprachigen Südmährer wurden vertrieben, die Mühlen zerstört. Bergmann läuft es bei diesem Gedanken kalt über den Rücken. „Was wäre gewesen, wenn ich verjagt worden wäre und keine Windmühle mehr dort stehen würde?“, fragt sich die Retzerin.

Das Militär war plötzlich präsent. Josef Vlasác, der sich lebhaft an die Sommerfrische-Zeit erinnern kann, und sein Freund wurden beim Gruber-Hotel sogar verhaftet. „Die Soldaten haben geglaubt, dass wir wegwollen, weil wir schlechte Noten haben“, lacht er heute darüber.

Dabei wollten die zwei entlang der Thaya bis nach Vranov gehen. Das Gebiet mit dem früheren regen Leben wurde zum Niemandsland im politisch-wirtschaftlichen Abseits. Der Trubel wich der Stille. Die Natur breitete sich aus: Neunmühlen ist heute Teil des Nationalparks.


Zum Band

Das Buch „Erinnerung an Neunmühlen – Die verlorene Mühlenwelt an der Thaya“ ist zweisprachig und reich bebildert.

Die Herausgabe ermöglichten die Gemeinde Retzbach, das Retzer Land und die Volkskultur Niederösterreich.

Das Buch ist vergriffen, wird aber nachgedruckt.