Retz

Erstellt am 06. April 2017, 05:07

Führerbunker: Ein grausiger Spuk im Retzer Keller. Ab Ende April werden die Retzer Gewölbe zur Kulisse für die Bühnenversion des „Untergangs“.

Trotz des ernsthaften Themas ist die Stimmung im Ensemble der Produktion „Führerbunker“ gut. Im Bild Ursula Leitner, die von Hannelore Uhrmacher zu Eva Braun verwandelt wird.  |  NOEN, anwora

Die Retzer sind es im fünften Jahr schon gewohnt, dass mit Beginn des Aprils eine Schauspieltruppe in der Stadt Einzug hält, die bis 3. Juni den Erlebniskeller bespielen wird. Bei den vorangegangenen Produktionen von „Der Name der Rose“ und „Jack the Ripper“ waren die Schauspieler in ihren Kostümen begehrte Fotomotive.

„Das geht heuer aufgrund der speziellen Ausstattung des Stückes nicht“, sagt Produktionsleiter Manfred Weigel. Gemeint ist das Tragen von Abzeichen der NS-Diktatur in der Öffentlichkeit, wie zum Beispiel auf den Uniformen der Akteure.

„Gerade die Figur der Traudl Junge wirft die Frage nach der persönlichen Verführbarkeit auf, die nach wie vor aktuell ist.“Christian Pfeiffer, Regisseur

 Denn gespielt wird heuer im Rahmen des Weinviertelfestivals „Führerbunker. Berlin, April 1945“. Gezeigt werden die letzten zehn Tage des Diktators Adolf Hitler und seiner Entourage in der unterirdischen Festung unter der Berliner Reichskanzlei.

„Das Stück ist hauptsächlich aus zwei Vorlagen entstanden“, erklärt Regisseur Christian Pfeiffer. „Zum einen diente Erich Maria Remarques Drehbuchentwurf aus dem Jahr 1955 zu ,Der letzte Akt‘ als Quelle, andererseits Bernd Eichingers Script zu ,Der Untergang‘.“

Aber auch die Bücher von Traudl Junge, Hitlers ehemaliger Sekretärin, und Rochus Misch, Telefonist im Führerbunker, in denen sie von den letzten, schicksalhaften Tagen berichten, wurden für Recherchen und das Script herangezogen.

„Gerade Traudl Junge ist in ihrer Zwiespältigkeit eine interessante Figur und wirft die Frage nach der persönlichen Verführbarkeit auf, die nach wie  vor aktuell ist“, so Pfeiffer.

Darstellung von Hitlers Hund Blondi als Besonderheit

In der Aufführung, die ab 28. April zu sehen sein wird, wird es die Rolle der Traudl Junge zweimal geben. „Und zwar einmal als junge Sekretärin von Hitler in den letzten Tagen und als alte Dame, die Jahrzehnte später noch einmal auf das Erlebte zurückblickt“, erläutert der Regisseur das Konzept.

Eine Besonderheit der Aufführung wird auch die Darstellung von Hitlers Hund Blondi sein. „Dadurch, dass Blondi bei uns von einem Menschen gespielt wird, sorgt diese Figur sicherlich für Irritationen.“

Irritieren wird aber auch die unmittelbare Nähe des Gespielten in den Kellergängen. „Es ist ein Unterschied, ob man einen Film oder eine Dokumentation über dieses Thema sieht, oder ob diese Menschen ,leibhaftig‘ vor einem stehen. Es ist wie ein grausiger Spuk, der nicht endet“, sagt Pfeiffer.