Erstellt am 03. Februar 2016, 04:03

von Christian Pfeiffer

Trafikant und Belege: „Was sollen wir schwarz machen?“. Jeder Kunde muss eine Rechnung für den Einkauf bekommen, auch wenn es sich nur um eine Briefmarke handelt. Die NÖN sah sich in Hollabrunn um.

Trafikant Werner Winkelbauer ärgert sich über die Unmengen an Müll. Die Menge im Papierkorb links ist das Ergebnis von etwa drei Stunden. Foto: Christian Pfeiffer  |  NOEN, Christian Pfeiffer
Allein der Begriff „Belegerteilungspflicht“ lässt an muffige Amtsstuben denken. Und zumindest, was Trafiken betrifft, schrammt die Lösung zur zwangsweisen Rechnung nur knapp an einem Schildbürgerstreich vorbei.

„Vollkommen unnötig und sinnlos“

Die Anzahl der Kunden, die für ein Packerl Zünder im Wert von 20 Cent oder eine 68-Cent-Briefmarke einen Beleg wünschen, hält sich in überschaubaren Grenzen. „Wir haben das drei Tage lang gemacht“, erzählt Petra Haller von der Trafik in der Pfarrgasse, „und in dieser Zeit haben etwa 15 Kunden einen Beleg mitgenommen.“
Seitdem will man auch in der Trafik von Franz Artner in der Bahnstraße die Übergangsfrist ausreizen.

„Vollkommen unnötig und sinnlos“, steht Artners Urteil fest. Die wenigen Kunden, die für eine Vignette zum Beispiel für die Firma eine Rechnung brauchen, fragen sowieso selbstständig danach. „Die restlichen 95 Prozent der Kunden wollen einfach keinen Beleg.“

Bei dieser Schätzung sind sich alle Trafikanten einig. Für Werner Winkelbauer, Trafikant am Lothringerplatz, der der Verpflichtung bereits in vollem Umfang nachkommt, bedeutet das einen erheblichen Mehraufwand. Brauchte er früher nur eine Rolle Thermopapier pro Monat, so ist es jetzt eine Rolle für anderthalb Tage, was Mehrkosten von 650 Euro im Monat verursacht.

Materialentsorgung als Problem

Aber abgesehen vom Materialaufwand ist auch die Materialentsorgung ein Problem. „Zweimal am Tag müssen wir die Papierkörbe auf jeden Fall ausleeren, sonst quellen sie über“, so der frustrierte Trafikant.

Der Frust erklärt sich auch aus der Tatsache, dass gerade eine Trafik ein streng reglementiertes Gewerbe ist. „Was sollen wir schwarz machen?“, fragen die Trafikanten unisono. So ziemlich jedes Produkt, das eine Trafik verkauft, unterliegt strengen Auflagen und Kontrollen.

Auch auf Kundenseite dominiert das Gefühl der Bevormundung. Um das zumindest in der Welt der Beamten zu dämpfen, hat der Gesetzgeber die Strafe für Kunden, die Belege nicht mitnehmen, wieder gestrichen. Was bleibt, ist die Frage: „Bekommen wir trotzdem eine Strafe, wenn der Kunde den Beleg nicht mitnimmt?“, fragt Petra Haller.