Erstellt am 07. Oktober 2015, 05:12

von Jutta Hahslinger

Tragischer Unfall: Jäger beteuert Unschuld. Experten sollen bei Lokalaugenschein klären, wie sich Kugel aus Jagdgewehr den Weg zum heute gelähmten Opfer gebahnt hat.

 |  NOEN, bilderbox

Einen tragischen Verlauf nahm die Gattertreibjagd auf Wildschweine am 8. November vergangenen Jahres in Weyerburg: Ein Treiber (54) wurde im Bereich des Kopfes und der linken Schulter von einem Projektil getroffen, wodurch der Weinviertler unter anderem so schwere Hirnverletzungen erlitt, dass er nunmehr an der rechten Körperhälfte vollständig und an der linken Körperhälfte teilweise gelähmt ist.

NÖN.at hatte berichtet:

Im Rollstuhl sitzend verfolgte das Opfer den Prozessauftakt gegen jenen Jäger, aus dessen Gewehr die verhängnisvolle Kugel stammt.

„Nicht schuldig“, erklärte der 34-jährige Unglücksschütze aus Wien zu den Vorwürfen der fahrlässigen Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen und der Gefährdung der körperlichen Sicherheit von Jagdteilnehmern.

Er habe von der heranstürmenden Rotte auf das größte Tier gezielt und den rund 150 Kilogramm schweren Keiler mit drei Schüssen erlegt.

Wo er das Riesenvieh genau getroffen hat, konnte er, aber auch die anderen Jagdteilnehmer, nicht sagen: „Ich habe den Keiler gar nicht angeschaut. Die Ereignisse haben sich überschlagen. Kollegen kamen schreiend aus dem Wald gelaufen und berichteten von dem Unglück“, schilderte der Wiener.

Schießsachverständiger spricht von Direktschuss

x  |  NOEN, zVg

Erst durch die polizeilichen Ermittlungen habe er erfahren, dass die verhängnisvolle Kugel aus seiner Flinte stammte. Dies kann er sich nur mit einem „Abpraller“ erklären, und er ist nach wie vor davon überzeugt, nur Schüsse auf den Keiler abgegeben zu haben. Er legte eine Expertise vor, die einen Abpraller nicht ausschließt.

Der gerichtliche Schießsachverständige Ingo Wieser spricht hingegen von einem Direktschuss, schließt einen Querschläger aus.

Da die Expertenmeinungen auseindergehen, will sich Richter Manfred Hohenecker (Bild oben) am Ort des Geschehens ein Bild machen: Er vertagt den Prozess für einen Lokalaugenschein – der voraussichtlich im Oktober stattfinden wird.