Unternalb

Erstellt am 09. Juli 2016, 06:17

Caritas: Urlaub mit Pflegebedarf möglich. Pilotprojekt OBENauf und magdas Hotel entlasten mit punktueller Pflege im Urlaub. Schwertner kritisiert „Förderlogik im Pflegebereich“.

Urlaub trotz Pflegebedarf ermöglichen (v.l.): Markus Herrmann (Regionalleiter Pflege Zuhause Weinviertel), Erika Hodosiova-Szabova (Leiterin Pflege Zuhause Retz), Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner und Thomas Krottendorfer, Regionalleiter für Menschen mit Behinderung in der Region Weinviertel. Foto: Stefanie Steindl  |  Stefanie Steindl

Die Caritas der Erzdiözese Wien will mit einem Pilotprojekt zeigen, dass Urlaub für Pflegebedürftige möglich ist. Das eben eröffnete „Zimmer & Frühstück OBENauf“ in Unternalb (

, siehe auch unten) und „magdas Hotel“ in Wien entlasten mit punktueller Pflege direkt am Urlaubsort.

Der Bedarf ist laut Caritas vorhanden: 2015 machten rund 1,76 Millionen der über 15-jährigen Österreicher keinen Urlaub. 34,3 Prozent führten gesundheitliche Probleme, eingeschränkte Mobilität oder familiäre Verpflichtungen an.

Kombination Urlaub mit Pflege als „neue Qualität“

„Dabei bedeuten gerade in dieser Situation ein Tapetenwechsel und eine Auszeit für alle eine nachhaltige Steigerung der Lebensqualität“, betont Generalsekretär Klaus Schwertner. „OBENauf“ und „magdas Hotel“ bieten barrierefreie Zimmer. Caritas-Experten unterstützen vor Ort mit Betreuung und Pflege. Das Notruftelefon auf Zeit schafft zusätzliche Sicherheit.

„Das Pilotprojekt richtet sich speziell an Menschen, die einen leichten bis mittleren Pflegebedarf haben – und natürlich auch an die pflegenden Angehörigen, die entlastet werden“, erklärt Ilse Frisch, Leiterin der Caritas Pflege Wien. Die Hauskrankenpflege hilft bei alltäglichen Hürden und übernimmt nach ärztlicher Anordnung medizinische Leistungen.

Die Kombination Urlaub mit Pflege ist für Thomas Krottendorfer, Leiter der Caritas-Behinderteneinrichtungen im Weinviertel, eine „neue Qualität für Betreute und Betreuungspersonen“. „Mit der Erweiterung des Angebots von OBENauf für pflegebedürftige Menschen möchten wir caritasinterne Ressourcen nutzen und ein neues Feld schaffen.“ Es sei aus Caritas-Sicht auch ein „Brennpunkt“.

„Gerade wenn wir von einem selbstbestimmten Leben im Alter sprechen, sollte es möglichst lange denkbar sein, auch verreisen zu können“, findet Schwertner. „Es ist uns bewusst, dass der Staat ein Verreisen von älteren Menschen mit Pflegebedarf nicht unbedingt erleichtert.“

Er übt Kritik: „Die österreichische Förderlogik im Pflegebereich macht die Mobilität pflegebedürftiger Menschen fast unmöglich, denn die Förderungen sind an den Wohnort gebunden“, erklärt er. „Als Caritas fordern wir hier schon lange österreichweit einheitliche Qualitäts-, Versorgungs- und Finanzierungsstandards.“

Wie funktioniert‘s?

  • Die Buchung erfolgt wie bei jedem Urlaubsaufenthalt. Wichtig ist, dass der Gast drei Wochen vor Urlaubsbeginn in Wien mit „Caritas Pflege Zuhause“ am Tabor oder in Unternalb mit jener in Retz kontaktiert. Die Betreuung wird auf jeweilige Bedürfnisse abgestimmt.
  • Die Unterbringungskosten sind für Gäste mit und ohne Betreuungsbedarf gleich. Die Leistungen für Betreuung und Pflege werden auf Privatzahler-Basis angeboten, da die reguläre Pflegeförderung auf das Bundesland des Wohnsitzes beschränkt ist.
  • Eine Förderung steht für die sogenannte „Ersatzpflege“ zur Verfügung. Je nach Pflegestufe beträgt sie für maximal vier Wochen im Jahr 1.200 bis 2.200 Euro. Die Landesstellen des Sozialministeriumservices sind für diese Förderung zuständig.