Unternalb

Erstellt am 07. Juli 2017, 06:03

von Sandra Frank

Trockenheit: „Für das Getreide ist es gelaufen“. Der Unternalber Landwirt Gerald Poinstingl verzeichnet um 86 Prozent weniger Niederschlag als in Durchschnittsjahren.

Das Getreide sollte um diese Zeit noch grüner und etwa hüfthoch sein.Hermann Bachl, Landwirt Gerald Poinstingl und Kammerobmann Fritz Schechtern sind sich einig: Erträge und auch Qualität werden aufgrund der Trockenheit schlecht ausfallen.  |  NOEN, Sandra Frank

Wie viel Wasser verträgt die Landwirtschaft? Um diese Frage dreht sich dieser Tage das Leben der Bauern. Einerseits wird an Projekten für den Erosionsschutz gearbeitet, andererseits haben die Landwirte mit einer massiven Trockenheit zu kämpfen.

Zwei bis drei statt fünf bis sechs Tonnen...

„Fürs Getreide ist es gelaufen, da hätte es vor drei Wochen regnen müssen“, weiß Hermann Bachl, Pflanzenbauberater der Bezirksbauernkammer. Das kann Gerald Poinstingl nur bestätigen.

Auch den Mariendisteln fehlt Regen, um zu wachsen.  |  NOEN

Sein Betrieb baut hauptsächlich Winterweizen, Sommergerste, Mariendisteln und Sonnenblumen an. „Unsere Böden sind gut, wir bräuchten nicht viel Regen.“ Doch selbst der wenige Niederschlag bleibt aus. Fünf bis sechs Tonnen Ertrag pro Hektar ernten Landwirte in durchschnittlichen Jahren. Beim Getreide schaut‘s heuer traurig aus. Poinstingl rechnet mit zwei, maximal drei Tonnen.

„Das Korn ist sehr klein“, wird beim Lokalaugenschein am Feld deutlich. Die Ähren sind allgemein nicht besonders hoch. Die Trockenheit zeigt sich auch im Boden: Die Risse sind so groß, dass die Landwirte ihre Hand problemlos hineinstecken können. „Da musst aufpassen, dass dir nicht das Handy oder der Autoschlüssel hineinfallen“, nimmt‘s der Nalber Landwirt mit Humor.

„Die Erträge sind heuer sehr gering, das verschärft die Einkommenssituation der Ackerbaubetriebe massiv“, weiß Bauernkammerobmann Fritz Schechtner. Das große Problem: Da der Getreideerlös vom Weltmarkt abhängig ist, wird der Preis heuer sehr niedrig sein. „Der weltweite Ertrag bewegt sich etwa 35 Prozent über dem Durchschnitt“, erklärt Bachl. „Die Lagerhäuser sind leer. Die Menge ist niedrig, die Qualität ist schlecht“, fasst der Pflanzenbaubeauftragte die Lage im Bezirk zusammen.

Pilotprojekt Dürre-Index „noch in den Kinderschuhen“

Der typische Hof im Weinviertel sei ein gemischter Betrieb, mit Ackerwirtschaft und Weinbau, berichtet Schechtner. Genau so einer ist eben jener, den Gerald Poinstingl mit seiner Familie führt. „Der Weinbau finanziert sich fast immer von selbst, hier gibt es kaum Ausgleichszahlungen“, weiß der Kammerobmann.

Für andere Kulturen, wie Winterweizen, Mais oder Zuckerrübe wurde im vergangenen Jahr hingegen ein Pilotprojekt gestartet: Seit 2016 gibt es den Dürre-Index als neues Versicherungsmodell, das speziell auf die Trockenheit abgestimmt ist. „Es steckt aber noch in den Kinderschuhen“, betont Schechtner.

Die vergangenen zehn Jahre werden hier herangezogen, um eine mittlere Niederschlagsmenge zu errechnen. „Wir haben jetzt schon 86 Prozent weniger Niederschlag als im Durchschnitt“, berichtet Poinstingl.

Landwirtschaft sieht sich nach alternativen Pflanzen um

Der Weinbau ist es, von dem die Bauernfamilie in trockenen Zeiten wie diesen profitiert. „Die Blüte beim Rebstock ist vorbei“, sagt Martina Poinstingl, dass während der Blütezeit die Witterung gepasst hat. Aber: „Weingärten auf sandigen Böden und die Junganlagen sind aufgrund der Trockenheit gefährdet“, weiß die Landwirtin.

Den direkten Vergleich, wie sich Weinstöcke mit ausreichend Wasser entwickeln, sehen die Poinstingls in ihrem Betrieb. „Auf der Retzbacher Seite haben wir einen Weingarten, den wir bewässern“, erzählt Gerald Poinstingl von einem Gemeinschaftsprojekt, das den Unterschied deutlich macht.

Die Landwirtschaft beschäftigt sich aber nicht nur mit der Frage, wie mit dem Wasser umgegangen wird, sondern auch, ob es alternative Pflanzen gibt, die besser mit den Gegebenheiten zurechtkommen.

„Vielleicht Pflanzen, die später Wasser benötigen. Es regnet ja dann eh, nur dann, wenn wir’s nicht mehr brauchen“, schmunzelt Poinstingl. Doch die Wetterkapriolen machen es den Bauern nicht leicht: „Sogar die Sonnenblume stößt heuer an ihre Grenzen, obwohl sie gut mit Trockenheit und Hitze umgehen kann“, beobachtet Bachl.