Erstellt am 11. Februar 2016, 11:48

von Sandra Frank

Vater-Sohn-Duo demolierte Hochstand. Vater & Sohn wurden beobachtet, als sie Plattform der Jägerschaft demolierten.

 |  NOEN, Public Domain CC0

„Wenn ich mein Auto auf Ihrem Grund parke, dürfen Sie es auch nicht zerkratzen oder anzünden. Wenn ich auf Ihren Grund geh‘, dann dürfen S‘ mich auch nicht niederschießen“, erklärte Richter Erhard Neubauer, als sich ein 54-Jähriger und dessen Sohn am Bezirksgericht Hollabrunn verantworten mussten.

Konkret ging es um einen Hochstand, der von Jägern auf dem Grundstück des 54-Jährigen aufgestellt wurde. „Er stand auf einmal da, die Jagdgesellschaft hat uns nie gefragt“, beteuerte der Junior.

Interventionen hätten nichts gebracht und so beschlossen Vater und Sohn, den Hochsitz selbst zu entfernen. Sie hätten die etwa eineinhalb Meter hohe Plattform nur umgelegt. Schaden sei dabei keiner entstanden.

„Wenn er liegt, dann liegt er!“

Doch ein Waidmann (67) beobachtete sie dabei. „Ich wollte das in Ruhe klären“, schilderte der Zeuge vor Gericht. Weil sich der 54-Jährige nicht meldete, habe er den Vorfall angezeigt. Bei der Polizei sei noch angegeben worden, dass „sicherlich Sachschaden“ entstanden sei.

„Haben Sie den Hochstand umgelegt oder umgeschmissen?“, wollte der Richter wissen. Besonders der Senior zeigte sich uneinsichtig. „Das ist mein Privatgrund!“, schrie er. „Es ist ja wurscht, ob er umgeschmissen oder umgelegt wurde. Wenn er liegt, dann liegt er!“ Was er bei der Vernehmung durch die Polizei angegeben hätte, sei jetzt unwichtig.

Der Hochstand stand jedenfalls auf einer Böschung. Wie dort die Grundstücksgrenzen genau verlaufen, sei nicht ganz klar, schilderte der 67-jährige Zeuge. Er habe genau beobachtet, wie die Angeklagten die Schrauben gelockert und den Hochstand mit dem Traktor umgeschmissen und demoliert hätten.

Den Schaden beziffert der Waidmann mit 1.500 Euro. Diese Summe will die Jagdgesellschaft von den Angeklagten ersetzt haben.

„Wir haben uns sicher einmal pro Woche
gesehen. Er hat nicht eine Silbe gesagt.
Dann hätten wir ja reagiert.“
Der Zeuge des Vorfalls wunderte sich

Warum er nicht hinuntergegangen sei und Vater und Sohn von der Tat abgehalten habe? „Ich wollte mir das nicht antun. Außerdem war ich bewaffnet ...“, hätte dies die Situation vermutlich noch verschlimmert.

Vor allem für den 26-Jährigen stand nun einiges auf dem Spiel. Er hat bereits eine Vorstrafe wegen Körperverletzung mit schweren Folgeschäden. „Wir haben den Hochstand nur umgelegt ... Vielleicht ist er zum Schluss ein bissl abgerutscht“, zeigte sich der Junior zumindest teilweise geständig.

„Das ist mein Grund“, blieb der Vater uneinsichtig. Der Richter wies ihn darauf hin, dass er ohne Urteil, nur mit einer Geldbuße, aus dieser Sache herauskommen könnte. Antwort: „Wofür soll ich zahlen? Das nehm ich nicht an!“

Schließlich sprach der Richter beide Angeklagten schuldig. „Das ist eine lupenreine Sachbeschädigung.“ Der Senior meldete sofort Berufung an. Er müsste 360 Euro berappen. Der Junior fasste eine dreimonatige Bewährungsstrafe aus. Ob seine Vorstrafe widerrufen werde, sei Sache des Landesgerichts St. Pölten.