Retz

Erstellt am 10. August 2016, 05:23

von Christoph Reiterer

Burkert warnt: „Wir werden ausradiert“. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technik, die ÖBB und die Mobilfunkbetreiber A1, Drei und T-Mobile haben ein 100-Millionen-Euro-Paket unterzeichnet, das den Bau von 900 Mobilfunksendern entlang von 1.500 Gleiskilometern vorsieht. Der Bezirk Hollabrunn schaut dabei jedoch einmal mehr durch die Finger.

Alt-Vize in Retz und amtierender Innungsmeister: Karl Burkert. Foto: Archiv  |  Archiv

„Mit dem neuen Handypaket für die Schiene machen wir das Breitband mobil“, frohlockte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried. „Hunderte Pendler, die leichtfertig ihren Wohnsitz zwischen Hollabrunn und Retz gewählt haben, bedanken sich“, war Karl Burkert hingegen gar nicht zum Jubeln. Der ehemalige Vizebürgermeister und Unternehmer hatte sich beim ÖBB-Kundendienst über den Zeitplan für den Ausbau bis Retz erkundigt.

Die Antwort: Dieser sei in den aktuellen Phasen nicht berücksichtigt. Ob weitere Phasen des Mobilfunkprojekts nach 2018 umgesetzt werden und ob in diesen dann der Standort Retz versorgt wird, sei derzeit noch nicht entschieden.

„Müssen den ländlichen Raum stärken“

„Wie sollen wir unsere Gegend erhalten, wenn nicht durch Pendler? Wir werden ausradiert bis zum Gehtnimmer“, drückt es Burkert drastisch aus. Bis Stockerau gebe es für viele Pendler keinen Sitzplatz. „Und dann können sie nix mehr arbeiten, weil sie keine Verbindung haben“, schüttelt der Retzer den Kopf. Dabei wäre die Fahrzeit „durch die Pampas“ gar nicht so lang, wenn man zwischendurch produktiv sein könnte.

Dass, wie kürzlich berichtet, die Retzerland-Haushalte bis 2030 flächendeckend mit Breitband-Internet versorgt sein sollen, empfindet Burkert als Hohn.

Es sei schon verständlich, dass nicht jeder Wunsch sofort erfüllt werden könne. „Aber es muss etwas unternommen werden, um den ländlichen Raum zu stärken“, betont der Unternehmer, der nach wie vor als Landesvorsitzender der Farbenhändler aktiv ist.

Die Felle sieht er längst davonschwimmen: „Seit 20 Jahren reden wir, dass wir drei Jahre vor dem Ausbau der B 303 stehen. Welchem Siedlungswilligen soll ich da noch was erzählen? Attraktive Auftraggeber gehen verloren. Es greift eines ins andere. Die Spirale nach unten ist ein Wahnsinn.“

Dabei wäre es in der Theorie gar nicht so schwer und der Praxis umsetzbar, meint Burkert: „Man muss den Leuten das Gefühl geben, dass sie nicht abgeschnitten sind.“ Die grenzüberschreitende Bewerbung für die Landesausstellung 2021 von Retz und Znojmo sieht er positiv, wenn der Fokus auf die Beschleunigung der Regionalentwicklung gelegt werde. Man müsse den anschließenden wirtschaftlichen Erfolg im Auge haben.

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