Erstellt am 07. Oktober 2015, 06:07

von Christoph Reiterer

Vier gegen zwei: Zerbröselt SPÖ?. Hollabrunner SPÖ-Quartett will die Stadtpartei auf den Kopf stellen. Doch von der Parteispitze bahnt sich Widerstand an.

Vier gegen zwei, die SPÖ-Fraktion ist gespalten. Claudia Öller und Jakob Raffel (v.r.) wurden von ihren Funktionen als Ausschussvorsitzende und als Stadtrat abberufen. Von links: Eckhardt, Stifter, Frank und Sklenar. Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN

Dass sich die SPÖ Hollabrunn intern schon länger nicht mehr ganz eins war, war ohnehin nicht mehr zu verheimlichen. Doch vergangene Woche folgte der Paukenschlag.

Elke Stifter, Alexander Eckhardt, Elke Sklenar und Josef Frank stellten sich in der Fraktion gegen Jakob Raffel und Claudia Öller. Diese wurden sogleich als Stadtrat bzw. Ausschussvorsitzende abberufen. „Eine Katastrophe“, fühlt sich Stadtparteiobmann Günter Schieder überrumpelt.

NÖN.at hatte berichtet:

„Die Abberufung ist rechtsgültig eingebracht, da fährt der Zug drüber. Ich habe mehr als vier Unterschriften und somit mehr als die Hälfte der Wahlpartei“, sagt Stadtamtsdirektor Franz Stockinger. Er will jetzt möglichst rasch eine außerordentliche Gemeinderatssitzung terminisieren. Das will das Land NÖ so.

Raffel cool, Eckhardt will frischen Wind

Der Sonnberger Jakob Raffel (53) war erst im Februar als Fraktionschef auf Werner Gössl gefolgt. Er war im Gegensatz zu Öller bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend anwesend, wollte sich aber noch nicht näher zu den Vorkommnissen äußeren.

Die geplante Personalrochade müsse schließlich erst durch die Gremien laufen. Dem Gemeinderat will er auf alle Fälle erhalten bleiben.



„Wir haben eine demokratische Entscheidung getroffen, nachdem es uns nicht gelungen ist, die Diskussionen über andere Gremien zu klären. Wir sind einfach zu keinem Konsens gekommen“, sagt indes Alexander Eckhardt (24), der sich bereits als neuer Fraktionschef vorstellte.

Elke Stifter (41) soll als neue Stadträtin und Vorsitzende im Ausschuss für „Wirtschaftliche Unternehmungen und Verkehr“ vorgeschlagen werden. „Sie ist beliebt und in diversen Vereinen engagiert und möchte sich vor allem um die Sozial- und Gesundheitsthemen kümmern.“

Ziel sei es außerdem, die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien zu verbessern. Es sei an der Zeit, durch eine neue Führung innerhalb der Fraktion frischen Wind in die Gemeinderatspolitik zu bringen.

Ablöse muss im Stadtausschuss beschlossen werden

Das letzte Wort scheint da aber noch nicht gesprochen. Am 14. Oktober ist Ausschusssitzung der SPÖ Hollabrunn. „Da werden wir alles regeln“, sagt Günter Schieder, der eigentlich schon als Stadtparteiobmann abdanken möchte, diese Angelegenheit aber natürlich rasch geregelt wissen will.

Die Ablöse von Raffel müsse jedenfalls im Stadtausschuss beschlossen werden. Sein Vertrauen in die „neue“ Truppe scheint enden wollend. „Manche leiden an Selbstüberschätzung.“ Es soll sogar über einen „Parteiausschluss“ diskutiert worden sein. Dem Vernehmen nach hat sich mittlerweile auch SPÖ-Bezirksvorsitzender Werner Gössl als Vermittler eingeschaltet.