Erstellt am 17. Februar 2016, 04:24

von Christoph Reiterer

„Von gleicher Chance weit entfernt“. Dreifache Mutter klagt über fehlende Information, ob sie weiterhin arbeiten gehen kann.

Gabriele Drack-Mayer mit ihren Kids. Von der Gemeinde fühlt sie sich links liegen gelassen.  |  NOEN, privat

Bereits im alten Jahr berichtete die NÖN über besorgte berufstätige Eltern, die nicht wissen, ob sie im kommenden Schuljahr einen Nachmittagsbetreuungsplatz in Hollabrunn bekommen. Mit Gabriele Drack-Mayer wandte sich nun eine weitere Betroffene an die Gemeinde, sie fühlt sich bislang aber nicht wirklich ernst genommen.

„Gibt es keinen Hortplatz für meine Kinder,
dann droht mir und meiner Familie die Armut.“
Gabriele Drack-Mayer, Hollabrunn

In Hollabrunn gebe es keine Hortplätze für Volksschulkinder mehr. Die Warteliste im einzigen Hort in der Winiwarterstraße sei 22 Plätze lang. Die Gemeinde scheine angesichts der vielen Anmeldungen völlig handlungsunfähig zu sein. Drack-Mayer, Mutter von drei Kindern im Alter von sechs, vier und zweieinhalb Jahren, habe um dringende Info gebeten, ob und wann Betreuungsplätze eingerichtet werden können.

„Schließlich ist es für mich und sicherlich für viele andere Eltern auch von zentraler Bedeutung, zu wissen, ob man arbeiten gehen und somit seine Existenz sichern kann.“ Ihre Familie sei jedenfalls darauf angewiesen, dass beide Elternteile arbeiten. „Gibt es keinen Hortplatz für meine Kinder, dann droht mir und meiner Familie die Armut“, sagt die Akademikerin.

Sie könne sich nicht einmal arbeitslos melden, da sie ja mangels Kinderbetreuung dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen würde.

„So kann ich mein Leben nicht ausreichend sichern“, klagt die Hollabrunnerin und sie habe dieses persönliche Bedrohungsszenario auch im Rathaus deponiert. Erst, als sie auch dem Bürgermeister schrieb, habe es eine Reaktion gegeben. „Man werde sich darum kümmern und mir Bescheid geben.“ Doch nach vier Wochen habe es immer noch keinerlei Information gegeben.

„Weiß nicht, was ich meinem Arbeitgeber sagen soll“

„Es scheint den zuständigen Akteuren relativ gleichgültig zu sein, ob die Menschen in dieser Region, die auf laufendes Einkommen angewiesen sind, hier leben und überleben können“, so Drack-Mayer. Und es sei nun einmal nicht jedem möglich, die Betreuung der Schulkinder am Nachmittag irgendwie selbst zu regeln.

Darüber hinaus gehe es auch darum, dass man als Frau im gleichen Ausmaß, wie das für Männer selbstverständlich sei, am Erwerbsleben teilhaben will. Von dieser Chancengleichheit sei Hollabrunn weit entfernt.

Drack-Mayers Bildungskarenz endet Ende April. „Ich weiß nicht, was ich meinem Arbeitgeber sagen soll, da ich einfach keine Information habe, ob ich weiterhin arbeiten gehen kann. Warum gibt es für die Schulzeit nicht auch das im selben Ausmaß selbstverständliche Bild der erwerbstätigen Eltern wie in der Kleinkindbetreuung?“

Zum Thema:


Zitiert:

„Es ist uns bewusst, dass eine gewisse Planungs- und Gestaltungsmöglichkeit der Politik Grenzen setzt. Zu erkennen, wann diese Grenzen erreicht werden bzw. überschritten sind, ist auch Teil der politischen Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern.“
Erklärung der VP Hollabrunn

„Das Betreuungssystem kommt mir vor wie ein entmutigendes Stufensystem: In der Kleinkindbetreuung ist es noch selbstverständlich, dass die Eltern arbeiten. Im Kindergarten ist für die Nachmittagsbetreuung schon eine Hürde eingebaut. Diese kommt nur dann zustande, wenn der Bedarf von mindestens drei Kindern gegeben ist. Und in der Schule ist die Nachmittagsbetreuung dann schon die große Ausnahme. Da gibt es keine Bedarfsregelung und schon gar keine Selbstverständlichkeit.“
Gabriele Drack-Mayer, betroffene Hollabrunnerin


Zum Thema

FPÖ empört. „Es kann nicht sein, dass für alles und jedermann Geld da ist, aber Eltern, die arbeiten gehen müssen, nicht wissen, was sie tun sollen. Das ist ein No-Go“, zeigt sich FPÖ-Bezirksobmann Christian Lausch empört und führt die Flüchtlingsunterbringung ins Treffen: „Wenn man will, geht vieles ziemlich schnell.“ In diesem Zusammenhang tauchten auch Gerüchte auf, dass in Hollabrunn untergebrachte minderjährige Flüchtlinge in den Tumult bei der Stockerauer Eisdisco (

) verwickelt waren. Das verneint Jörg Trobolowitsch, Sprecher des Vereins menschen.leben, der die Jugendlichen betreut. „Es waren keine unbegleiteten Minderjährigen aus unserer Einrichtung in Hollabrunn involviert.“

SPÖ empört. Für Fraktionssprecher Alexander Eckhardt ist klar, dass die Gemeinde Sorge tragen müsse, dass alle betroffenen Familien einen Kinderbetreuungsplatz bekommen. An der Finanzierung könne und dürfe das nicht scheitern.