Erstellt am 20. Januar 2016, 02:53

von Sandra Frank und Christoph Reiterer

Wahl: „Pröll war nur die erste Phantasie“. Wie reagiert die Polit-Landschaft im Heimatbezirk des Landeshauptmanns auf dessen Nicht-Kandidatur?

Die ÖVP-Bezirksriege - Eva-Maria Himmelbauer, Edi Kosch, Christian Hartmann, Richard Hogl und Karl Weber - wünschte ihrem Landeshauptmann ein gutes neues Jahr. Besonders Hogl ist froh, dass Erwin Pröll (Mitte) den Niederösterreichern erhalten bleiben wird. Foto: Franz Enzmann  |  NOEN, Franz Enzmann
Beim ÖVP-Neujahrsempfang in der Grenzlandhalle Hadres hingen alle Besucher an den Lippen von Landeshauptmann Erwin Pröll. Die Hoffnung war groß, dass er vielleicht doch einen Hinweis geben würde, ob er als Kandidat für die Bundespräsidentenwahl zur Verfügung stehe. Doch der Radlbrunner ließ sich nicht in die Karten blicken.

„Vorzugsstimmen sind nicht einfach so wegzuwischen“

Einen Tag nach dem Empfang erklärte Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (VP) in der ZIB 2 umso klarer, dass der niederösterreichische Landeshauptmann nicht kandidieren werde. Die Aufregung nach diesem Bekenntnis war groß, hätte es doch „unser Bundespräsident“ werden können. Immerhin ist Pröll im Bezirk zuhause.

„Wenn man seiner Rede aufmerksam zugehört hat, dann war schon beim Neujahrsempfang alles gesagt“, will ÖVP-Bezirksgeschäftsführer Hans Gschwindl die Zeichen in Hadres richtig gedeutet haben.

„300.000 persönliche Vorzugsstimmen sind nicht einfach so wegzuwischen“, hatte der Landeshauptmann betont, dass er sich seiner Verantwortung bewusst sei und das Vertrauen, das ihm die Niederösterreicher geschenkt haben, ernst nehme.

„Die aktuellen Reaktionen wundern mich etwas“, kommentiert Graberns Bürgermeister Herbert Leeb (VP) das Raunen, das durch Land und Medienlandschaft geht. „Er hat nie gesagt, dass er kandidieren wird. Also kann er auch nicht absagen.“ Und darum sei ÖVP-Kandidat Andreas Khol auch nicht die zweite Wahl. „Er kann sich auch nicht teilen und das Amt eines Landespräsidenten gibt es nicht“, kann Leeb Prölls Entscheidung nachvollziehen.

„Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“

„Mir ist ehrlich gesagt ein Stein vom Herzen gefallen, als er mir das erzählt hat“, ist Landtagsabgeordneter Richard Hogl (VP) froh, dass Pröll den Niederösterreichern erhalten bleibt. Er wäre mit dem Bundespräsidentenamt zwar zu hohen Ehren gekommen, hätte aber viel mehr repräsentiert und nicht mehr gestalten können.

„Wer Erwin Pröll kennt, der weiß: Wenn er etwas will, dann geht er‘s auch an“, hat Hogl sich gewundert, dass sich viele seiner Parteigenossen so weit aus dem Fenster gelehnt haben, was Prölls Kandidatur betrifft.

„Das ist eine ganz private Entscheidung unseres Landeshauptmanns, die zu respektieren und zu akzeptieren ist. Irgendein Zuruf ist da nicht sinnvoll“, gibt sich SPÖ-Bezirksvorsitzender Werner Gössl zurückhaltend in seinem Urteil. Pröll habe sich die Entscheidung sicher nicht einfach gemacht.

Ins selbe Horn stößt der Nationalratsabgeordnete der FPÖ, Christian Lausch. „Es ist seine Entscheidung. Dann soll es eben so sein.“ Der Hollabrunner Blaue hätte sich aber von allen Parteien „jüngere und dynamischere“ Kandidaten gewünscht. Vielleicht kann seine eigene Partei diesen Wunsch noch erfüllen, die Freiheitlichen wollen einen Kandidaten stellen. Wen, das werde in den nächsten Wochen bekannt gegeben.

„Er kann sich auch nicht teilen und das Amt
eines Landespräsidenten gibt es nicht.“
Graberns Bürgermeister Herbert Leeb

Obwohl die Freiheitlichen auch mit Prölls Kandidatur „Probleme gehabt hätten“, hält Lausch von den „honorigen älteren Herren“ nicht viel. Alexander van der Bellen habe ein Problem mit der Glaubwürdigkeit, da er als parteiloser Kandidat antrete.

Außerdem macht er kein Geheimnis daraus, eine Regierung mit freiheitliche Beteiligung nicht angeloben zu wollen. „Das ist undemokratisch.“ SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer sei schon als Sozialminister nicht „der große Wurf“ gewesen und sei ein „Parteisoldat erster Güte“. Andreas Khol bezeichnet er als „Verlegenheitskandidat“.

„Es ist ein Witz, was die Leute da hineininterpretieren“, ärgert sich indes Hogl. „Pröll war nur die erste Phantasie, aber Khol ist der erste Kandidat.“ Dass im Vorfeld der Bekanntgabe die Kommunikation schlecht gelaufen sei, gibt der Landtagsabgeordnete aber zu. „Für mich ist Khol die erste Wahl von den Kandidaten.“

Hundstorfer habe einen bedenklichen Zugang zur Flüchtlingspolitik und: „Die Griss ist eine liebe Tante, hat von Politik aber keine Ahnung.“

„Der Unterhaltungswert ist jetzt natürlich fort“, kommentiert der parteilose Landtagsabgeordnete Walter Naderer die Nicht-Kandidatur von Erwin Pröll.

„Wenn er seine wertvollen Dienste für Niederösterreich nicht weitergeführt hätte, wäre es mir auch recht gewesen. So ist es mir aber auch recht, muss ich mich nicht neu orientieren“, so der streitbare Limberger. Für den von der VP nominierten Andreas Khol werde es seiner Meinung nach schwer, in die Stichwahl zu kommen.

Fest steht für Gössl, dass es eine der spannendsten Wahlen überhaupt wird. „Es ist unheimlich viel offen und es scheint nicht einmal klar, ob es die Kandidaten der ehemals großen Parteien SPÖ und ÖVP in die Stichwahl schaffen.“