Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:03

von Christoph Reiterer

Warteliste für Hort beunruhigt Eltern. Mutter fürchtet, dass Schulstart 2016 teuer wird. Gemeinde Hollabrunn stößt kurzfristig an finanzielle Grenzen.

Im Oktober wurde die Stadtgemeinde Hollabrunn nach erfolgreicher Auditierung als familienfreundliche Gemeinde ausgezeichnet. Der rasant steigende Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen bleibt dennoch eine kurzfristig schwer zu lösende Hürde. Am Foto, v.l.: die Projektleiter Gabi Kyncl und Thomas Bauer mit Bürgermeister Erwin Bernreiter (Mitte). Foto: Gemeinde  |  NOEN, Gemeinde Hollabrunn

In immer mehr Familien sind beide Elternteile berufstätig – zumeist aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Nachdem die Engpässe in der Kleinkindbetreuung mit der neuen dreigruppigen 340.000-Euro-Einrichtung im Studentenheim beseitigt wurden, sorgte sich nun eine Mutter aus Hollabrunn um die Hort-Betreuung ihres Kindes, das im September 2016 in die Volksschule kommt.

Denn für den bestehenden Hort der Volkshilfe in der Winiwarterstraße gebe es nur noch eine Warteliste. Und die Nachfrage dürfte nicht geringer werden.

„Wie ist denn der Bedarf erhoben worden?“

Den zweiten Hort-Standort in der Amtsgasse, der auf der Gemeinde-Homepage noch angeführt wird, gibt es nicht mehr. Angeblich wegen mangelnden Bedarfs. „Wie ist denn der Bedarf erhoben worden? Wurden die Eltern der künftigen Schüler gefragt? Offensichtlich nicht, sonst wüsste die Gemeinde ja, dass Bedarf besteht“, meint die betroffene Mutter, die die Familienfreundlichkeit der Gemeinde in diesem Zusammenhang infrage stellt.

Sie hat eine Teilzeitarbeit in Wien, mehr sei zeitlich ohnehin nicht möglich. „Soll ich nächstes Jahr meine Arbeit kündigen, damit mein Kind nicht ohne Betreuung ist?“

Schneider: „Wir kennen die Situation“

Tagesmütter gibt es laut Hilfswerk-Homepage in der Region Hollabrunn übrigens zehn, in Hollabrunn selbst gerade einmal zwei. Deshalb steht für die Eltern fest: „Wir können nur hoffen, dass bis zum kommenden Schuljahr eine zweite Hortgruppe eingerichtet wird, sonst müssen wir uns eine teurere Alternative überlegen.“ – „Wir kennen die Situation“, sagt Helmut Schneider, Abteilungsleiter für die Allgemeine Verwaltung im Rathaus.

Der politische Wille, eine optimale Versorgung mit Kindergarten-, Kleinkindbetreuungs- und Hortplätzen anzubieten, sei vorhanden. Dies sei nach Maßgabe der budgetären Mittel jedoch mittelfristig zu sehen, so Schneider. „Grundsätzlich muss angemerkt werden, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen extrem rasant ansteigt und kurzfristig die Möglichkeiten der Gemeinde übersteigt.“

Nach der Übersiedelung der Kleinkindbetreuung ins Studentenheim konnte am Standort Winiwarterstraße 4 eine zweite Hortgruppe für Kinder ab sechs Jahren eingerichtet werden. „Der Standort in der Amtsgasse war nur eine dislozierte Gruppe des Betreibers Volkshilfe NÖ, die nun quasi wieder in die Winiwarterstraße übersiedelt ist“, erklärt Schneider.

„Selbstständigkeit hält Tagesmütter ab“

Allein die Suche nach neuen zusätzlichen Standortvarianten nehme Zeit in Anspruch, ebenso wie die Bewilligungsverfahren durch das Land NÖ; „ganz zu schweigen von der baulichen Planung und Errichtung“.

Gleichzeitig sollten auch andere Maßnahmen im Bereich der Kinderbetreuung gesetzt werden, etwa die Förderung und Optimierung der Tagesmütter, meint Schneider. „Diese werden in die Selbstständigkeit gedrängt, was viele Frauen davon abhält, Tagesmutter zu werden. Ein unselbstständiges Dienstverhältnis von Tagesmüttern bei Organisationen wie dem Hilfswerk oder der Volkshilfe könnte wesentliche zusätzliche Kapazitäten schaffen.“


Zum Thema

Familienministerin Sophie Karmasin zeichnete heuer gemeinsam mit Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer 90 Gemeinden aus ganz Österreich für ihr Engagement für mehr Familienfreundlichkeit und bessere Lebensqualität für ihre Einwohner aus. Die Stadtgemeinde Hollabrunn war eine dieser Gemeinden.

Die aktive Partizipation der Bevölkerung bei der Entwicklung der Maßnahmen sei ein wesentlicher Teil des Audits.

„Interessant war vor allem die Aufarbeitung der bereits in der Gemeinde Hollabrunn bestehenden Einrichtungen und Maßnahmen in Bezug auf Familienfreundlichkeit. Viele Gemeindebürger wissen zum Teil gar nicht, was so alles in unserer Gemeinde im Hinblick auf Generationen- und Familienfreundlichkeit geboten wird“, erklärte Bürgermeister Erwin Bernreiter.