Erstellt am 07. Juni 2016, 11:52

von Sandra Frank

Was tun gegen den Unternehmer-Frust?. „Es geht uns darum, Maßnahmen zu setzen. Es geht uns darum, etwas zu tun.“ Indra Collin, stellvertretenden Landessprecherin der NEOS in Niederösterreich, moderierte die Diskussionsrunde, zu der die NEOS im Zuge ihrer Wirtschaftstour ins Gasthaus Reisinger nach Hollabrunn eingeladen hatten.

Einige Zuhörer mit den Diskutanten der NEOS-Wirtschaftstour im Gasthaus Reisinger (v.l.): Jungunternehmer Jörg Gartler, Geschäftsführer Florian Hengl, Nationalratsabgeordneter Niko Alm, Karl Vojtisek, Moderatorin Indra Collini, NEOS-Gemeinderätin Ulrike Vojtisek-Stuntner und WK-Bezirksstellenleiter Julius Gelles.  |  NOEN, Sandra Frank
Collini ist selbst Tochter eines Vorarlberger Unternehmer-Clans und kennt das Unternehmertum.

Diskutiert wurde mit NEOS-Nationalratsabgeordnetem Niko Alm, Hollabrunns Wirtschaftskammer-Leiter Julius Gelles und Florian Hengl, Geschäftsführer des Limberger Steinbruchs.

„Man muss in Österreich als Unternehmer sehr leidensfähig sein“, denkt Hengl an die unzähligen – und oft auch sinnfreien – Auflagen, die Betriebe zu erfüllen hätten. Um diese Aussage zu untermauern, bringt er ein Beispiel aus dem eigenen Unternehmen:  1997 wurde der erste Diplomingenieur angestellt, der sich um die Bürokratie zu kümmern hatte. „Heute hat die Abteilung sechs bis sieben Mitarbeiter. Der Output ist aber nahezu der gleiche wie damals …“

"Behördliche Genehmigungen sind der Wahnsinn"

Gelles bestätigt: „Die behördlichen Genehmigungen sind der Wahnsinn.“ Er nennt Food-Trucks als Beispiel. Diese bräuchten eigentlich für jeden Standort eine Betriebsstätten-Genehmigung. „Das widerspricht aber dem Sinn eines Food-Trucks.“ Der Bezirkshauptmannschaft mache Gelles keinen Vorwurf, die Gesetze seien es, die angepasst werden müssten.

Alm ist selbst Unternehmer, seine Werbeagentur zählt um die 150 Mitarbeiter, die auf verschiedene Standorte aufgeteilt sind. Er versteht sich als Sprachrohr der Unternehmer im Parlament. Die Betriebe zu entlasten sei wichtig. Zuallererst müsste die Gewerbeordnung reformiert werden. „Reformieren und besser machen. Das braucht auch keine Gegenfinanzierung.“  Auch das Arbeitszeitgesetz gehöre geändert. Gerade in der Werbebranche, in der Alm tätig ist, gebe es keine Nine-to-five-Jobs.  

Ein Dauerbrenner sei natürlich die Senkung der Lohnnebenkosten. „Das wollen eigentlich alle Parteien, jede nur ein bisschen anders.“ Die Unternehmensformen sollten modernisiert und vereinfacht werden, gerade in der Gründungsphase. Investitionen sollten begünstigt, Unternehmen sollte weniger weggenommen werden, zählt Alm weitere Maßnahmen auf, um den Unternehmern das Leben zu erleichtern. Und natürlich, die Senkung der Körperschaftssteuer. „Fünfeinhalb Parteien im Parlament wollen das auch. Aber die halbe SPÖ ist dagegen“, ortet der Abgeordnete breite Zustimmung.

„Es braucht einen Meilenstein"

„Es ist illusorisch, dass die Körperschaftssteuer gesenkt wird“, glaubt Hengl trotz dieser Aussage nicht daran, dass sich in diesem Bereich etwas ändern werde. Für ihn ist aber ganz klar: „Es braucht einen Meilenstein in der Kernthematik. Nicht immer nur kleine Schritte …“

Es bedürfe laut Alm aber auch einer „Mentalitätsreform“. „Der Unternehmer ist nicht der böse Kapitalist.“ Dieser Gedanke müsse aus den Köpfen der Menschen verschwinden.

Eine solche Reform sei das „A und O in Österreich“, sagt Neo-Stadtmanagerin Julia Katsching, die sich ebenfalls Zeit für die Diskussion nahm. Aus ihrer Arbeit mit Studierenden wisse sie, dass Unternehmer kein gutes Image im Land haben. „Viele fragen sich. Warum tu ich mir das an?“

Verzicht auf die Mehrwertsteuer?

Welche Maßnahme würde Unternehmer beflügeln?, wollte Collini von Hengl wissen. „Wenn der Tag 48 Stunden hätte …“, schmunzelt der Geschäftsführer.  Er persönlich halte einen Verzicht auf die Mehrwertsteuer für sinnvoll. „Das würde die Leute sofort in die Wirtschaft treiben. Und zwar in die beschäftigungsintensiven Betriebe.“

Ein Problem, mit dem Unternehmer zu kämpfen haben, spricht Autohändler Max Hager an: „Ich kann es mir nicht leisten, mehr Mitarbeiter anzustellen. Der Verzicht auf die Mehrwertsteuer würde mir helfen.“ Doch mehr Mitarbeiter könnte sein Betrieb vertragen. „Alles steht und fällt mit den Lohnnebenkosten.“

Ein weiteres Problem, mit dem Hager konfrontiert ist, wenn er Mitarbeiter sucht: „Die Bildung wird immer schlechter.“ Das sei auch ein Grund, weshalb er keiner Lehrlinge ausbilde. Hengl sieht das Bildungsproblem ebenfalls: „Viele unserer Mitarbeiter in Rumänien haben ein enormes Wissen, weil sie sich etwas schaffen wollen.“ Diese Einstellung sei in Österreich verloren gegangen.

Problem: Mangel an guten Lehrlingen

Gelles kennt  die Erfahrungen, die Unternehmen mit Lehrlingen machen: „Viele Betriebe suchen Lehrlinge. Aber sie können sie dann nicht übernehmen, weil die oft nicht einmal 2x3 rechnen können …“

Es müsse endlich einen realpolitischen Ansatz geben, was machbar ist, fordert Landtagsabgeordneter Walter Naderer, der später zur Diskussionsrunde stieß.  Ein solcher Ansatz wäre, laut Hengl, faire Bedingungen für Handwerksbetriebe zu schaffen, um diese auch zu halten. „Keiner will mehr einen Betrieb übernehmen.“ Verordnungen und Auflagen seien oft nicht mehr zu bewältigen.

Warum der Frust unter den Unternehmern groß ist, kann Collini erklären: „Es ändert sich einfach nichts.“ Genau das sei der Grund, weshalb sie politisch aktiv wurde. Und es sei auch der Grund, weshalb die NEOS Plattformen für Unternehmer in der Region ins Leben rufen. „In Baden funktioniert das sehr gut. Die Unternehmer haben sich zusammengesetzt und tun jetzt auch etwas.“