Erstellt am 17. März 2016, 04:54

von Sandra Frank

Wehrdiener prellte die Kosten für sein „Taxi“. Waldviertler nahm langen Umweg in Kauf, um Kollegen mitzunehmen. Doch der hatte die Freundschaft nur vorgetäuscht.

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Mehrmals pro Woche holte ein 19-jähriger Tischler aus dem Bezirk Horn einen damals noch 17-jährigen Kameraden aus dem Retzer Land ab, um mit ihm in die Kaserne zu fahren.

Für den Umweg von über 60 Kilometern war ein Spritgeld von fünf Euro pro Fahrt vereinbart. Doch dieser Deal hielt nicht lange. 130 Euro blieb der Jüngere seinem Chauffeur schuldig.

Enttäuschung kam am Tag der Abrüstung

„Ich hab‘s nur am Anfang bezahlt, dann wollte ich nicht mehr“, bekannte sich der Angeklagte schuldig. Fair sei das freilich nicht, stimmte er Richter Erhard Neubauer zu. Die 130 Euro habe er schließlich im vergangenen Jahr noch bezahlt. „Ich wollte keine Schwierigkeiten haben.“

„Ich hab‘ ihn etwa eineinhalb Monate weiterhin transportiert, weil er gesagt hat, er gibt mir das Geld nach unserem Präsenzdienst“, glaubte der Waldviertler seinem Kameraden.

Doch am Tag der Abrüstung erhielt er eine Nachricht, dass die Freundschaft nur vorgetäuscht gewesen sei und er das Geld nie sehen werde. „Ich habe ihm vorgeschlagen, dass er mir wenigstens die Hälfte bezahlt, aber das wollte er auch nicht. Dann hab‘ ich gedacht: Okay, dann vergess‘ ich‘s.“

„Wenn wir uns nicht gleich von seinem Grundstück
verpissen, dann schlägt er uns die Schädel ein.“
Das Opfer, das nur das ihm zustehende Geld holen wollte.

Doch als der 19-Jährige am Abend in einer Horner Disco noch feiern war, traf er einen Freund, der den 18-Jährigen doch überreden konnte, das Geld zu zahlen. „Ich sollte aber zu ihm fahren. Weil ich ihm nicht mehr vertraut habe, sind wir zu viert losgefahren“, erzählt das Opfer.

Weil der Angeklagte aber nicht am vereinbarten Treffpunkt gewesen ist, „bin ich zu ihm nach Hause gefahren, um mit ihm zu reden“. Der 18-Jährige ließ die vier aber nicht hinein, man habe sich übers offene Fenster unterhalten. „Er ist schließlich mit einer Eisenstange raus gekommen und hat wortwörtlich gesagt: Wenn wir uns nicht gleich von seinem Grundstück verpissen, dann schlägt er uns die Schädel ein.“

Daraufhin wurde die Polizei gerufen und es kam zur Anzeige. „Das Geld habe ich im Dezember des Vorjahres bekommen“, bestätigte der 19-Jährige.

Der Angeklagte kam mit einer zweijährigen Probezeit davon und musste 100 Euro zahlen.