Erstellt am 08. Oktober 2015, 06:12

von Sandra Frank

Weinstraße: Wer bezahlt Mitgliedsbeitrag?. Tourismusverein übernimmt Wullersdorfs Zahlungen für die Mitgliedschaft. Das schmeckt den Sozialdemokraten gar nicht.

Vier Winzer ersuchten die Gemeinde Nappersdorf-Kammersdorf, der Weinstraße Weinviertel West wieder beizutreten, und sagten außerdem finanzielle Unterstützung zu. Foto: zVg  |  NOEN, zVg

Die Mitgliedschaft der Weinstraße Weinviertel West war in einigen Gemeinden in den vergangenen Jahren umstritten. Auch im Land um Hollabrunn wurde ein Austritt aus der Vereinigung beschlossen. Jetzt wurden die Mitgliedsbeiträge neu aufgeschlüsselt, für viele Gemeinden bedeutet das eine große Ersparnis.

Diese finanzielle Erleichterung veranlasste Wullersdorf und Nappersdorf-Kammersdorf, die Mitgliedschaft zu überdenken. Vor allem, da auch entsprechende – finanzielle – Unterstützung von Betrieben bzw. eines Vereins zugesagt wurde.



„Einige Betriebe haben uns ersucht, wieder mitzumachen“, präsentierte Nappersdorf-Kammersdorf-Chef Gottfried Pompe seinen Mandataren den Tagesordnungspunkt, in dem über die Mitgliedschaft bei der Weinstraße entschieden wurde. Der Mitgliedsbeitrag für die Gemeinde sei von 1.334 Euro pro Jahr auf 1.089 Euro gesunken.

Pompe habe sich daraufhin mit Winzern zusammengesetzt. Der einheitliche Tenor: „Es bringt ihnen für die Vermarktung etwas“, berichtet der Gemeindechef über das Gespräch. Konkret seien auch vier Winzer bereit, sich am Beitrag für Weinstraße zu beteiligen und je 100 Euro pro Jahr „selbst zuschießen“. „Das ist eh der letzte Verein, in dem wir noch dabei sind“, beschlossen die Gemeinderäte den Beitritt zur Weinstraße einstimmig.

„Es bringt uns nichts, wenn uns wer in Salzburg kennt“

In Wullersdorf ging dieser Tagesordnungspunkt hitziger über die Bühne. 2010 fasste die Gemeinde von Richard Hogl den Beschluss, aus der Weinstraße auszutreten, war jedoch bis 2015 gebunden. Das heißt, der Mitgliedsbeitrag musste trotz Austrittswunsch weiter bezahlt werden.

Jetzt ist die Gemeinde wieder mit im Boot, allerdings übernimmt der Wullersdorfer Tourismusverein die Finanzierung der 1.476 Euro Mitgliedsbeitrag. Diese Tatsache schmeckte den Sozialdemokraten nicht.

„Es ist nicht zu verstehen, warum die Gemeinde das nicht selbst zahlt“, sagt SP-Chef Gerhard Sklenar. Vor allem deswegen, weil der Verein ohnehin Subventionen von der Gemeinde erhalte „und dann zahlen sie uns wieder“, hält Sklenar dieses Vorhaben nicht sinnvoll. Außerdem: „Die 1.400 Euro im Jahr werden wir uns ja doch noch leisten können ...“

„Der Verein ist ja an Richard herangetreten und nicht umgekehrt. Das ist durchaus in Ordnung“, verteidigte VP-Mandatar Reinhard Indraczek den Antrag seines Bürgermeisters. Für diesen ist ganz klar: „Wir haben immer eingezahlt und hatten nichts davon“, sagt Wullersdorf-Chef Richard Hogl.

„Es bringt uns nichts, wenn uns wer in Salzburg kennt, wenn ich dann da nichts mit den Gästen machen kann“, spricht der Bürgermeister die geringen Übernachtungsmöglichkeiten in seiner Gemeinde an.

„Ich kann meine Funktionen auseinanderhalten“

Dass sich der Tourismusverein nun aktiv um eine Mitgliedschaft bemühe, sei für ihn ein klares Zeichen, dass die Wullersdorfer ihre Marktgemeinde wieder beleben wollen. „Es geht darum, dass die sagen: Tu ma‘ was!“, ist Hogl sicher, dass der Verein Winzer zu mehr Aktivitäten motivieren kann.

Auch Sklenar hält es für eine gute Sache, dass der Tourismusverein wieder aktiv werden will, aber: „Es geht darum, wer die Beiträge zahlt“, bleibt er dabei, dass die Gemeinde diesen Betrag übernehmen sollte. Der Sozialdemokrat appellierte an Hogl als Vertreter der Bauern. Er solle sie unterstützen und sie nicht diesen Beitrag zahlen lassen.

„Ich kann meine Funktionen auseinanderhalten“, stellte Hogl klar. „Bei uns war bisher tote Hose“, fehlten in den letzten Jahren die Veranstaltungen. Wenn der Tourismusverein den Beitrag selbst übernimmt, sei der Ansporn höher, den Ort zu beleben.

Mit den Stimmen der ÖVP und FPÖ wurde der Antrag schließlich angenommen. Wullersdorf ist wieder Mitglied der Weinstraße, die Kosten übernimmt der Tourismusverein.