Erstellt am 11. November 2015, 04:37

von Christian Pfeiffer

Wie viel Krebs steckt in Wurst und Fleisch?. Hollabrunner Experten sehen keine neuen Erkenntnisse und empfehlen bewusste, regionale Ernährung.

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Eine internationale Krebsforschungsagentur, Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO, stellt in einer Studie Wurstarten auf dieselbe krebserregende Stufe wie Asbest oder Nikotin. Organisationen wie der Bauernbund laufen dagegen Sturm.

„Esst kein Fleisch, sonst bekommt ihr Darmkrebs – das ist schlichtweg falsch“, kommentiert der Hollabrunner Sport- und Ernährungsmediziner Gunther Leeb die Studie.

Adipositas-Experte Hoffer sieht Studie auch kritisch

Er sieht, trotz des generell hohen Fleischkonsums in der westlichen Welt, die Art der Veröffentlichung äußerst kritisch und hätte sich eine größere Differenzierung erwartet.

Auch Adipositas-Experte Franz Hoffer vom Landesklinikum Hollabrunn steht der Studie kritisch gegenüber. „Gesichert ist, dass stark Geräuchertes, auch Gegrilltes wird angegeben, zu einer höheren Karzinomhäufigkeit führt“, sagt der Primarius.

Allgemeinmedizinerin und Schulärztin Kinga Halmagyi-Steinböck versteht die aktuelle Hysterie um das Thema nicht ganz: „Dass eine Ernährung mit viel Fleisch, viel Fett – und Wurst enthält viel Fett unter anderem deshalb, weil Fett ein Geschmacksträger ist –, wenig Kohlenhydraten und wenig Ballaststoffen ungesund ist, ist schon lange bekannt.“

„Schon Primar Max Wunderlich hat mich im Turnus im Krankenhaus Hollabrunn auf das erhöhte Vorkommen von Dickdarmkrebs im Weinviertel aufmerksam gemacht“, so die Medizinerin. Sie führt dies auch auf „des Österreichers liebste Zubereitungsart des Frittierens von allem“ zurück.

Zwei bis drei fleischlose Tage mindern Risiko

Dem ließe sich aus Sicht von Gunther Leeb ganz leicht abhelfen: „Durch Einhaltung von zwei bis drei fleischlosen Tagen pro Woche kann man diese Risiken relativ leicht ausschalten.“ Dieser einfachen Regel folgend, gebe es bei keiner Fleischart wissenschaftliche Hinweise auf besondere gesundheitliche Gefahren, so der Ernährungsmediziner.

Er hat auch einen Tipp für den Alltag bereit: „Kaufen Sie nicht möglichst billiges Fleisch vom anderen Ende der Welt in tiefgefrorenem Zustand, sondern lieber einmal weniger Fleisch essen, dafür aber frisch und hochwertig aus österreichischer Produktion.“

Für diesen Ansatz erhält er volle Unterstützung von seiner Kollegin Halmagyi-Steinböck: „Ich empfehle, sich möglichst abwechslungsreich, regional und saisonal zu ernähren, auf Qualität zu achten und frisch zu kochen.“ Als objektive Informationsquelle empfiehlt die Ärztin die Homepage des Vereins zur Förderung von Ernährungsinformationen, „forum. ernährung heute“.

Arnold Ehrenfeld, Ernährungsberater aus Kleinstetteldorf, steht der kommerziellen Fleischproduktion als Ganzes kritisch gegenüber: „Das Nutzvieh wird zu diesem Zweck oftmals unter grausamen und unwürdigen Umständen gehalten und schließlich auf ebenso grausame Weise in die Schlachthäuser transportiert und dort getötet.“

Gentechnik & Hormone als eigentliche Gefahr

Ehrenfeld weist auf einen anderen Aspekt der Diskussion hin: „Bevor die Tiere ihr würdeloses Ende finden, werden sie in Massen auf engstem Raum eingepfercht und permanent mit Antibiotika und gentechnisch veränderten Wachstumshormonen behandelt.“

Dass diese Medikamente sich natürlich auch im Fleisch und den daraus hergestellten Produkten wiederfinden und somit von Menschen konsumiert werden, sei folgerichtig. „Kein Thema bei der Studie war, wie Tiere gefüttert werden“, empört sich auch Franz Hoffer. Er fordert eine Reduktion der „Massenware“ Fleisch.

„Sehr wichtig ist es in diesem Zusammenhang aber auch, auf die Probleme einer reinen fleischlosen Kost hinzuweisen“, betont Ernährungsmediziner Leeb. Dies könne langfristig zu einem Mangel an Mikronährstoffen wie Eisen und Vitamin B12 führen, was schließlich Leistungsabfall, Blutarmut und auch neurologischen Probleme zur Folge haben könne.

Leeb weist darauf hin, „dass der Mensch grundsätzlich für eine ausgewogene Mischkost mit einem regelmäßigen Verzehr hochwertiger Wurst- und Fleischprodukten veranlagt ist“.

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