Erstellt am 18. November 2015, 06:03

von Martin Holub und Sandra Frank

Wirt geht: „Wir sind nicht pleitegegangen“. Attila Susen verlässt Kleinweikersdorf, er sei schikaniert worden. Bürgermeister Pompe: „Haben nur Pachtvertrag vollzogen.“

Nach nicht einmal drei Jahren macht er Schluss: Attila Susen, Wirt im Gasthaus »Hier und Jetzt«, verlässt am 30. Jänner 2016 das Gasthaus. Foto: Martin Holub  |  NOEN, Martin Holub
Attila Susen ist Wirt im Gasthaus „Hier und Jetzt“. Noch. Am 30. Jänner 2016, ein Samstag, ist Schluss, er wird der Gemeinde den Rücken kehren.

Ab nach Wien: „Meine Frau ist einfach kein Landmensch“

Der Wirt betreibt seit März 2013 gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth das im Dorfzentrum integrierte Gasthaus. Es gab bereits des Öfteren Gerüchte, Susen würde das Handtuch werfen. Das dementierte der Gastronom immer.

Warum Susen nun doch geht? „Wir sind beide aus Wien und haben uns hier eingemietet. Meine Frau braucht aber die Großstadt, sie ist einfach kein Landmensch“, sagt der Wirt. Darum habe sich das Ehepaar dazu entschlossen, wieder nach Wien zurückzukehren.

Rund um seinen Abgang gibt es natürlich einige Gerüchte. Susens Gründe das „Hier und Jetzt“ zu verlassen, seien finanzieller Natur, heißt es. Damit habe seine Entscheidung nichts zu tun, betont Susen. „Wir sind nicht pleitegegangen. Sonst könnte ich in Wien nicht wieder ein Gasthaus eröffnen.“

Gemeinde: Nahmen Wirt nur finanziell in die Pflicht

Negativ äußerte sich der Wirt zum politischen Machtwechsel von Rot zu Schwarz bei der Gemeinderatswahl im Jänner. „Seitdem ist alles schlechter geworden“, bemerkte der Wirt. „Ich fühlte mich von manchen Leuten in der Partei schikaniert und unter solchen Voraussetzungen ist es schwer, ein Lokal weiterzuführen.“

Auf nähere Details wollte er nicht eingehen. „Wir haben nur den Pachtvertrag vollzogen“, sagt Bürgermeister Gottfried Pompe, dass der Wirt finanziell in die Pflicht genommen wurde.

„Ich habe hier auch viele Freunde gefunden und mich immer bemüht, für meine Gäste da zu sein. Viele Personen haben es negativ aufgefasst, dass ich gehe“, sagt Susen.

Bis Ende Jänner 2016 hat das Lokal jedenfalls noch geöffnet. Wer Susen danach besuchen möchte, kann dies in Wien tun. Und zwar im „Gasthaus zum alten Sandler“ im 16. Bezirk (Hasnerstraße 73). Susen: „Ich bedanke mich für die Treue der Gäste in den fast drei Jahren und hoffe, sie irgendwann in Wien wieder begrüßen zu dürfen.“

Die Gemeinde sucht indes nach einem neuen Pächter. „Es liebäugeln manche, aber fixe Zusagen gibt es noch nicht“, sagt Pompe, der durchblicken lässt, dass er nicht böse über den Wirts-Wechsel ist …
 

Die Wirte im „Hier und Jetzt“

  • Helmut Wurm war der erste Wirt im Dorfzentrum. Er eröffnete am 1. November 2005 und hielt sich knapp zwei Jahre.

  • Silvio Dehne übernahm am 28. September 2007.

  • Manfred Diem versuchte sein Glück ab 15. August 2008.

  • Katrin Ulmer war ab 5. Februar 2011 Wirtin im Dorfzentrum.

  • Wolfgang Winkler eröffnete am 1. Oktober 2012, blieb aber nicht lange.

  • Attila Susen übernahm das Lokal mit 1. März 2013. Bleiben wird er nur noch bis 30. Jänner 2016.