Erstellt am 01. Januar 2016, 04:53

von Sandra Frank

Wolfgang Huber: „Bin mit gemischten Gefühlen gegangen“. Der Chef-Posten der JA Sonnberg ist vakant. Wolfgang Huber verließ die Anstalt nach zwei Jahren. Er leitet jetzt die JA Simmering.

„Ich war unheimlich gerne Anstaltsleiter in Sonnberg.“ Seinen Schreibtisch in Sonnberg räumte Wolfgang Huber nach nur 26 Monaten. Seit 15. Dezember ist er Chef der Justizanstalt Simmering. Foto: Archiv/Frank  |  NOEN, Archiv/Frank

„Ich war unheimlich gerne Anstaltsleiter in Sonnberg. Meine Entscheidung, mich hier zu bewerben, hatte nichts mit der Anstalt zu tun“, sagt Wolfgang Huber, der seit 15. Dezember die Wiener Justizanstalt (JA) Simmering leitet.

„Jetzt erspar’ ich mir zwei Stunden pro Tag“

Ausschlaggebend für Hubers Wechsel nach Simmering war sein Arbeitsweg. Er lebt mit seiner Familie im Burgenland, 110 Kilometer sind es von dort nach Sonnberg.

„Jetzt erspar’ ich mir zwei Stunden pro Tag. Und zwei Stunden mehr Freizeit sind ein kostbares Gut“, ist der 51-Jährige binnen 30 Minuten an seinem neuen Arbeitsplatz. „Ich war elf Jahre im Weinviertel. Es war eine schöne Zeit, die ich absolut nicht missen möchte.“

Bevor Huber 2013 den Chef-Posten in Sonnberg übernahm, war er neun Jahre stellvertretender Leiter der Justizanstalt Göllersdorf. Davor war er bereits leitender Beamter in der JA Simmering. „Es ist eine Rückkehr“, erzählt Huber, dass er das Haus in Wien bereits kenne.

„Aus Sonnberg bin ich mit gemischten Gefühlen gegangen.“ Zum einen, weil er gern Dienst in der Anstalt versehen hat. „Ich hatte hervorragende Mitarbeiter“, lobt Huber die Sonnberger Belegschaft. „Die Anstalt ist gut geführt. Das macht man ja nicht alleine, sondern gemeinsam mit seinem Team.“

Genau das war schließlich der Grund, weshalb der Abschied für den Burgenländer am Ende doch „relativ einfach“ war. Die interimistische Leitung sei bei seinem Stellvertreter Franz Neuteufel in „ausgezeichneten und bewährten Händen“. Sonnberg habe sich gut entwickelt, so das Fazit des 51-Jährigen. Mit der Bestellung eines neuen Anstaltsleiters sei im Sommer 2016 zu rechnen.

Ziel erreicht: „Mehr Personal bekommen“

Ein großes Ziel, das während Hubers kurzer Zeit als Anstaltsleiter erreicht wurde: „Sonnberg hat mehr Personal bekommen“, spricht er von fünf zusätzlichen Exekutivbeamten. Ein Neubau der Besucherzone ist ein Großprojekt, an dem derzeit gefeilt wird. „Wir haben gehofft, dass es bald so weit sein wird.“ Die Pläne liegen bereits beim Bundesministerium für Justiz.

Durch diesen Neubau können zusätzliche Beschäftigungsplätze für die Insassen geschaffen werden. Ein wichtiger Schritt für die ohnehin erfreuliche Beschäftigungsrate in Sonnberg. Das liege vor allem daran, dass die Anstalt mit der gewerblichen Wirtschaft in Hollabrunn ausgezeichnet zusammenarbeite.

Im Gespräch wird deutlich, dass Huber die Sonnberger Anstalt sehr am Herzen liegt. Er wäre sicher nicht so schnell gegangen, wäre das Gefängnis näher an seinem Wohnort, wie der Burgenländer betont.

Rasch eingelebt bei rasantem Tagesgeschäft

Was er am meisten vermisse? „Ich habe ehrlich gesagt keine Zeit, etwas oder jemanden zu vermissen. Ich bin ziemlich gefordert mit den neuen Herausforderungen“, erzählt er lachend. Die JA Simmering ist weit größer als die Sonnberger.

Früher hatte Huber 100 Mitarbeiter, jetzt sind es 190. Auch die Zahl der Insassen ist eine andere. Die Simmeringer Anstalt zählt etwa 570 Strafgefangene, jene mit elektronischer Fußfessel inklusive. „Ich habe mich schon eingelebt. Bei dem Tagesbetrieb ist das ja relativ einfach.“

Eine Baustelle im wahrsten Sinne, der sich Huber in Simmering annehmen wird, startet im Frühjahr 2016. Dann beginnt die Revitalisierung des Zöglingstrakts, welcher derzeit nicht belegt ist.

Der baufällige Trakt im alten, denkmalgeschützten Schloss bietet weitere 100 Plätze für Insassen. Plätze, die die Anstalt brauche, um einen optimalen Durchlauf des Strafvollzuges zu gewährleisten. Der gelockerte Vollzug werde in der JA Simmering sehr stark betrieben.

Ein weiterer Fokus von Hubers neuer Anstalt liegt auf der Lehrlingsausbildung. Von Schlosser über Spengler und Maler bis hin zu Bäcker und Koch können die Insassen verschiedene Berufe erlernen.