Ziersdorf

Erstellt am 18. August 2016, 05:40

von Barbara Witzany

Unrentabel: Post will Amt schließen. Die Rundfunk und Telekom Regulierungsbehörde prüft in den kommenden drei Monaten den Wunsch der Post, die Filiale in Ziersdorf zu schließen.

Das Postamt soll geschlossen werden. Foto: Stark  |  Stark

Am vergangenen Freitag kam der Anruf von der Post. Bürgermeister Johann Gartner wurde informiert, dass das Postamt in Ziersdorf geschlossen werden soll. Kurz danach traf auch der Brief der Post mit der genaueren Begründung ein: Die Wirtschaftlichkeitsdaten zeigen, dass die Filiale dauerhaft nicht kostendeckend zu führen sei.

„Es gibt viel weniger Firmenbriefe und Rechnungen“

Weder der ÖVP-Bürgermeister noch Gemeinderat Harald Schörg (SPÖ) können diesen Schritt nachvollziehen. Gartner hat sofort einen Gesprächstermin mit dem Zuständigen der Post vereinbart. Ziersdorf hat derzeit als einzige Gemeinde in der Region Schmidatal-Manhartsberg ein Postamt.

Michael Homola, Pressesprecher der Post, zu der Frage der NÖN, ob die Gemeinde vor ein paar Monaten über die Möglichkeit einer Schließung des Amtes vorgewarnt wurde: „Nein, das ist nicht üblich.“ Es gebe auch keine Analyse zur mangelnden Wirtschaftlichkeit in dieser Filiale. Generell wird weder nach äußeren Gründen, wie zum Beispiel schwere Erreichbarkeit und massive Abwanderung, noch nach inneren Gründen, wie die Leitung der jeweiligen Filiale funktioniert, geschaut.

„Hauptgrund sind“, so Homola, „die generell rückläufigen Briefmengen, jährlich etwa drei bis fünf Prozent. Es gibt viel weniger Firmenbriefe und Rechnungen.“ Beim Ziersdorfer Postamt seien jetzt ausschließlich die Zahlen maßgeblich.

Bawag: Kunden standen vor verschlossener Tür

„In den kommenden drei Monaten passiert noch gar nichts, bis Mitte November wird das Postamt geöffnet sein. Unser Wunsch, die Filiale zu schließen, wird in den kommenden drei Monaten von der Rundfunk und Telekom Regulierungsbehörde geprüft“, führt Homola aus. Die Post möchte die Versorgung in der Gemeinde mit allen Postdienstleistungen gewährleisten und sucht den aktiven Dialog mit der Gemeinde. Man will eine alternative Lösung, wie zum Beispiel das Postpartner-Modell, anbieten.

Bürgermeister Gartner zu dieser Variante: „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Gemeinde Postpartner wird. Aber wir sind gerade in der Planungsphase zur Sanierung unseres Gemeindeamtes. Das wird noch einige Zeit dauern, bis wir so weit sind. Mit den aktuellen Gegebenheiten können wir diesen Dienst nicht übernehmen.“

Bei der Post in Ziersdorf war auch eine Filiale der Bawag untergebracht. Zweimal in der Woche war die Geschäftsstelle mit einem Berater besetzt. Dieser Posten wurde im Mai ersatzlos gestrichen. Die Kunden wurden darüber nicht informiert und standen vor der verschlossenen Tür.

In einer telefonischen Stellungnahme der Bawag erklärte die Pressesprecherin Henriette Mußnig, dass man sich die Sachlage genau anschauen werde, die betreffende Kollegin sei im Moment nicht erreichbar. Üblicherweise würden die Bankkunden jedoch sehr wohl im Vorfeld über den Abzug eines Beraters informiert.