Erstellt am 30. Oktober 2015, 04:07

von Karin Widhalm

Zwei Jungorchester an Österreichs Spitze. „Sinfonisches Blasorchester“ &„Youth Wind Orchester“ brillieren beim Bundesfinale des Jugendblasorchester-Wettbewerbs.

Die zwei besten Orchester auf einem Fleck: Friedrich Anzenberger, Präsident des Österreichischen Blasmusikverbands, freut sich mit den Orchesterleitern Gerald Hoffmann und Gerhard Forman (links im Bild). Foto: privat  |  NOEN, privat

„Einmalig“ fand Gerhard Forman den Umstand, dass gleich zwei größere Ensembles mit Instrumentalisten aus dem Retzer Land beim siebten Österreichischen Wettbewerb der Jugendblasorchester (JBO) vertreten waren.

Brucknerhaus in Linz als Bühne

Jetzt hat der Direktor der Regionalmusikschule noch mehr Grund zur Freude: Das „Youth Wind Orchester Project“ (YWOP) und das „Sinfonische Blasorchester“ (SBO) sind Erstplatzierte in ihren Wertungen. Und: Das SBO ist punktemäßig der Gesamtsieger. Platz zwei belegt das YWOP.

Das Linzer Brucknerhaus war am vorigen Wochenende die Bühne für 21 Orchester, die gemäß ihrem Durchschnittsalter in den Stufen AJ bis EJ antraten und sich einem renommierten Jurorenteam stellten.

Die Gruppierungen aus Österreich sowie den Partnerverbänden Südtirol und Liechtenstein schafften die Qualifikation bei den zuvor stattfindenden Landesbewerben. Sie präsentierten die orchestral-klangliche Vielseitigkeit der Jugendblasorchester-Szene.

„Der Zusammenhalt war ein Wahnsinn!“

„Wir haben gewusst, dass wir nicht schlecht drauf sind“, erzählt YWOP-Leiter Gerald Hoffmann. „Aber unabhängige Juryentscheidungen können einmal gut und einmal schlecht sein.“ Viel bedeutender als die Erstplatzierung ist für den Stellvertreter des Musikschuldirektors: „Der Zusammenhalt ist ein Wahnsinn gewesen!“ Die 56 Jungmusiker hätten sich gegenseitig geholfen, zum Beispiel beim Einstimmen. „Das ist dann schon für mich leichter.“

„Das SBO hat sich neu strukturiert“, erzählt Leiter Forman. Das Orchester habe sich um fast zehn Jahre verjüngt. Die Musiker sind „schon stark unter Strom gestanden“.

Forman nennt drei Faktoren für den Erfolg: Kinder und Jugendliche müssen mehr als der Durchschnitt leisten wollen. „Dann musst du extrem konsequent arbeiten und eine super Ausdauer haben.“ Der Dirigent müsse wie der Trainer einer Nationalmannschaft wissen, was er aus den „Spielern“ rausholen kann.

„Holen die Jungen vom Konkurrenzdenken weg“

Harte Arbeit steckt hinter dem Auftritt der an sich schon sehr guten Musiker. „Für einen qualitativen Gewinn von einem Prozent muss man um 20 Prozent mehr üben“, erklärt der SBO-Leiter. Zur Perfektion gehört die Leidenschaft, die letztlich die Töne formt. Randfaktoren wie die Infrastruktur und bereitwillige Eltern, die die jungen Talente aus der ganzen Region zu den Proben in die Retzer Schule bringen, müssten da auch stimmen.

Die Bündelung der Kräfte mithilfe des Musikschulverbandes Retzer Land und mit Musikern aus einzelnen Gemeinden und Vereinen hält Forman für profitabel: „Wir holen die Jungen zusammen und vom Konkurrenzdenken weg“, erzählt er. Das würde die Musikregion stärken; auch lebenslange Freundschaften über die Gemeindegrenzen hinweg entstehen dadurch.

Forman war übrigens sehr begeistert von den angetretenen Jugendorchestern: „Es ist wirklich beeindruckend, was die Kinder und Jugendlichen können ... so sauber, so schön im Klang“, schwärmt er. „Ganz besonders“ sei die Stimmung „in einem der schönsten Musiksäle“. „Im Prinzip zeigt man auf, was mit so jungen Leuten möglich ist.“


Ergebnis im Detail

  • Das SBO spielte „Tricondo“ von Franz Cibulka (Pflicht) und „Mazama (Legend of the Pacific Northwest)“ in der Stufe EJ (Durchschnittsalter: bis 17 Jahre). Das Orchester erreichte mit 92 Punkten das beste Ergebnis des Tages. Preisgeld für ein Jugendprojekt: 1.500 Euro.

  • DasYWOP spielte „Delos“ von Daniel Muck (Pflicht) und „Emerald Fantasy“ von Gerald Oswald. Die Jungmusiker belegten mit 91,8 Punkten Platz eins in der Stufe AJ (Durchschnittsalter: bis 13 Jahre) und Platz zwei in der Gesamtwertung. Preisgeld: 750 Euro-Gutschein von Yamaha.

  • Platz drei ex aequo: Jugendkapelle Bad Leonfelden (Oberösterreich) der Stufe BJ und Jugendblasorchester Molzbichl (Kärnten) der Stufe CJ mit 90,5 Punkten. 400 Euro von Yamaha.

  • Beurteilt wurden die musikalischen Darbietungen von Helmut Schmid (Juryvorsitz), Martin Fuchsberger, Otto M. Schwarz und Marco Somadossi. Zu ihren Kriterien zählten unter anderem: Stimmung, Klangqualität, Zusammenspiel, Tempo, Stilempfinden.